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Schullandschaft

Zwei-Säulen-Modell für Schulsystem beschlossen

Mit großer Mehrheit beschloss der Gemeinderat der Stadt Esslingen am 23. Juli die Veränderung der Esslinger Schullandschaft weg von der Dreigliedrigkeit hin zum angestrebten Zwei-Säulen-Modell.

Mit großer Mehrheit beschloss der Gemeinderat der Stadt Esslingen am 23. Juli die Veränderung der Esslinger Schullandschaft weg von der Dreigliedrigkeit hin zum angestrebten Zwei-Säulen-Modell. Zwischen den Säulen in den vier städtischen Bildungsräumen Nord, Ost, Innenstadt und Südwest soll eine enge Kooperation stattfinden.

“Diese Entscheidung ist von enorm großer Bedeutung für die Ausgestaltung der zukünftigen Esslinger Bildungslandschaft“ so Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger, “gleichzeitig ist sie ein mutiger Schritt in die Zukunft, denn mit ihr wird das gesamtstädtische Schulsystem neu ausgerichtet. Die Stadt Esslingen braucht ein zukunftsfähiges Schulmodell, das den Eltern eine echte Alternative zum Gymnasium bietet und den Kindern und Jugendlichen alle Abschlüsse ermöglicht,“ so OB Zieger.

In einer zweitägigen Klausurtagung im Juni hatte der Arbeitskreis Schulentwicklungsplanung, bestehend aus Vertretern der Gemeinderatsfraktionen, den Schulleitungen der weiterführenden Schulen, Vertretern des Gesamtelternbeirats und des Fachrats für Migration und Integration sowie Mitarbeitern der Stadtverwaltung das Zwei-Säulen-Modell erarbeitet und als Empfehlung an den Gemeinderat gegeben.

Dieses Zwei-Säulen-Modell sieht vor, dass es zukünftig im Bereich der Sekundarstufen I und II der allgemeinbildenden Schulen in Esslingen nur noch zwei Schularten, nämlich Gymnasien und Gemeinschaftsschulen, geben wird. Es sieht weiter vor, dass zwischen den beiden gleich starken Säulen eine enge Kooperation in neuer Qualität stattfindet und Schulen in räumlicher Nähe – so genannten lokalen Bildungsräumen gemeinsame Konzepte für eine Umsetzung des Modells entwickeln. Also weg von Konkurrenzdenken und Einzelinteressen, hin zur Gesamtbetrachtung einer kommunalen Bildungslandschaft.

“Wir sehen dieses Zwei-Säulen-Modell als neue kommunale Gestaltungschance, um dem insbesondere in Baden-Württemberg immer noch stark vorherrschenden Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg und der damit verbundenen geringen Bildungs- und Chancengerechtigkeit, entgegen zu treten“, so der für den Schul- und Sozialbereich zuständige Bürgermeister Dr. Markus Raab. “denn Bildungspolitik ist immer auch Sozialpolitik“.

Mit der Umsetzung des Zwei-Säulen-Modells soll nach dem Willen der breiten Mehrheit des Gemeinderates zeitgleich im Schuljahr 2014/15 begonnen werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die beiden Säulen sich gleich stark entwickeln. Für alle Realschulen und die verbleibenden Werkrealschulen soll für diesen Zeitpunkt ein entsprechender Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule gestellt werden. Deshalb hat der Gemeinderat in seinem Beschluss mehrheitlich die entsprechenden Schulen auch explizit dazu aufgefordert, die nötigen Beschlüsse herbeizuführen und die entsprechenden Vorbereitungen – wie z.B. die Erarbeitung des pädagogischen Konzepts zu leisten.

Einzige Ausnahme im zeitlichen Ablauf der Umsetzung bildet die Seewiesenschule in Esslinger Norden. Da es im Bildungsraum Nord keine Realschule, sondern nur eine Werkrealschule gibt, ist hier zwar eine enge Kooperation mit dem Gymnasium erforderlich, die Umstellung kann aber bereits zum Schuljahr 2013/14 ohne Rücksicht auf andere Schularten erfolgen. Deshalb hat der Gemeinderat auch beschlossen, für die Seewiesenschule bereits jetzt eine Absichtserklärung gegenüber dem Staatlichen Schulamt Nürtingen abzugeben.

Ebenfalls mit großer Mehrheit fiel im Gemeinderat der Beschluss, für die Esslinger Gymnasien keine Einrichtung von G9-Zügen als Schulversuch zu beantragen. Ein Antrag der SPD-Fraktion auf Aussetzung der Entscheidung über die Einrichtung der G9 Züge bis zum Herbst wurde mehrheitlich abgelehnt.

“Eine Gemeinschaftsschule benötigt, um erfolgreich zu arbeiten, eine heterogene Schülerschaft aller Bildungsniveaus, also Schülerinnen und Schüler mit der Bildungsempfehlung Werkrealschule, Realschule und Gymnasium. Durch das Angebot von G9 Zügen an Esslinger Gymnasien wird diese heterogene Schülerschaft für die Gemeinschaftsschulen unwahrscheinlicher.“ betont Bürgermeister Raab.

“Ganz wichtig, so OB Zieger, sei es nun, aktiv gestaltend Akzeptanz für das beschlossene Zwei-Säulen-Modell bei allen Beteiligten zu schaffen. Durch intensive Kommunikation, Information und Öffentlichkeitsarbeit nach innen und nach außen wird uns dies gelingen". Zugleich wird die Stadt Esslingen die Schulen in ihrem Entwicklungsprozess bei der Ausarbeitung und Umsetzung in der erforderlichen Art und Weise bestmöglich unterstützen.