Pressemitteilung 28.06.2018

Projektstart ES_West_P2G2P

Die Umsetzung des „Klimaneutralen Stadtquartiers - Neue Weststadt Esslingen“ ist finanziell gesichert. Aus Forschungsfördermitteln des Bundes erhält das Leuchtturmprojekt für eine zukunftsorientierte urbane Quartiersentwicklung eine finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe.

Luftaufnahme Neue Weststadt ©EWB

Auf dem Gelände der Neuen Weststadt in Esslingen soll auf einer Fläche von 100.000 qm ein urbanes Vorzeigequartier mit über 600 Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen sowie einem Neubau der Hochschule Esslingen entstehen. Das Vorhaben „Klimaneutrales Stadtquartier - Neue Weststadt Esslingen“ soll dabei als Reallabor ein zukunftsorientiertes ganzheitliches Energiekonzept auf Quartiersebene umsetzen. Im Rahmen der Förderinitiative „Solares Bauen / Energieeffiziente Stadt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde das Projekt aus mehr als sechzig MitbewerberInnen als eines von sechs Leuchtturmprojekten zur Förderung ausgewählt. Der Startschuss für das Projekt fiel Anfang November letzten Jahres – nun wird die Stadt Esslingen mit zwölf PartnerInnen fünf Jahre lang vor Ort die Grundlagen für eine zukunftsfähige Energieversorgung erarbeiten. Im Reallabor werden zudem wichtige Erfahrungen zum Betrieb gesammelt, deren Bedeutung vor dem Hintergrund der Energiewende über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Zur Umsetzung des ambitionierten Verbundvorhabens in der Neuen Weststadt stehen insgesamt Fördermittel in zweistelliger Millionenhöhe zur Verfügung. Die Stadt Esslingen am Neckar selbst erhält rund 2,6 Mio Euro; davon entfallen ca. 2,4 Mio Euro auf ein Teilprojekt der Städtischen Verkehrsbetriebe sowie rund 200.000 Euro auf Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung.

Die Realisierung eines klimaneutralen Quartiers Neue Weststadt ist wichtiger Baustein zur Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele der Stadt. Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen auf der Esslinger Stadtmarkung um ein Viertel reduziert werden. „Mithilfe des Förderprojekts kann nun ein ganzheitlicher und innovativer Energieeffizienz-Ansatz zur Reduzierung des Energieverbrauchs wie Wärme, Kälte oder Strom umgesetzt werden“, so Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger. „Gewinner bei der Entwicklung eines klimaneutralen Stadtquartieres sind weit über die künftigen Bewohner der Neuen Weststadt hinaus alle Esslinger Einwohnerinnen und Einwohner“, so OB Zieger.

Zentrales Element des Projektes ist die gebietsübergreifende Nutzung lokaler und überregionaler erneuerbarer Energiequellen innerhalb des Quartiers Neue Weststadt. Eine weitere Schlüsselkomponente stellt die Nutzung von Stromüberschüssen aus den eingesetzten erneuerbaren Energieformen dar: Mit Hilfe der Technologie Power-to-Gas (P2G) soll der Überschussstrom mittels Elektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden. Dieses Gas kann anschließend durch Einspeisung in das lokale Gasnetz, durch Rückverstromung per Brennstoffzelle (P2G2P) oder durch Nutzung als Kraftstoff in der alternativen Mobilität weiter genutzt werden. Die Wärme, die bei dem Vorgang der Elektrolyse entsteht, soll zudem über ein Nahwärmenetz zur Versorgung des Quartiers beitragen. Weitere wesentliche Elemente des Vorhabens sind innovative Mieterstrommodelle bei der Energieversorgung des Quartiers sowie die Einbindung der E-Fahrzeuge des Individualverkehrs. Auch die Elektro-Hybridbusse des öffentlichen Nahverkehrs in Esslingen, die über Oberleitungen mit Strom versorgt werden, sind in das Forschungsprojekt eingebunden: Strom-Überschüsse aus den gebäudeintegrierten Photovoltaik-Anlagen sollen zum nahezu CO2-neutralen öffentlichen Nahverkehr in der Stadt genutzt und der Einsatz von Traktionsbatterien in den Bussen zur Stromnetzstabilisierung untersucht werden. „Unser Ziel ist es, den ÖPNV in unserer Stadt so auszubauen, dass er 100 Prozent emissionsfrei ist. Mithilfe des Projekts und der zugesagten Bundesmittel werden wir auch hier einen Quantensprung machen können“, so OB Zieger. „Der Erfolg des für die städtebauliche wie ökologische Innenentwicklung der Städte wichtigen Projektes wird professionell durch ein technisches und sozialwissenschaftliches Monitoring begleitet“, betont erster Bürgermeister Wilfried Wallbrecht.     
Entwickelt wurde das ganzheitliche Energiekonzept für die Neue Weststadt durch das Steinbeis-Innovationszentrum EGS in Stuttgart. „Wir freuen uns sehr, dass wir als eines von nur sechs Projekten bundesweit den Förderzuschlag erhalten haben. In der gerade abgeschlossenen Machbarkeitsstudie zeigen wir auf, wie ein nahezu klimaneutrales Stadtquartier im Zentrum Esslingens möglich ist. Für die Entwicklung der Stadt wird dieses Quartier zukunftsweisend sein und neue Maßstäbe setzen“, so der Leiter des Steinbeis-Innovationszentrums EGS, Prof. Dr. Manfred Norbert Fisch.

Hauptantragsteller des Verbundvorhabens mit dem Akronym ES_West_P2G2P ist die Stadt Esslingen am Neckar. Die Koordination und das wissenschaftliche Monitoring übernimmt das Steinbeis-Innovationszentrum EGS aus Stuttgart. Weitere Partner sind das Institut IGS der TU Braunschweig, das Wohnungsbau-Unternehmen RVI Saarbrücken, die städtischen Verkehrsbetriebe Esslingen (SVE), das Institut INEM der Hochschule Esslingen, die Polarstern GmbH, München, und das Ing.-Büro MondayVision aus Stuttgart. Des Weiteren wird das Forschungsprojekt unterstützt von der HyEnTec GmbH in Zell unter Aichelberg, dem Berliner Institut für Sozialforschung GmbH sowie dem Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart.

Kurzbeschreibungen Partner

Polarstern

Der Ökoenergieversorger Polarstern bietet ausschließlich Produkte aus 100 % erneuerbaren Energien, u. a. dezentrale Versorgungsangebote für Eigenheime und Mehrparteiengebäude. Mit dem Anspruch, mit Energie die Welt zu verändern, setzt Polarstern immer wieder Impulse im Markt. 2018 wurde das Unternehmen von brand eins wissen und 25.000 Experten als Innovator des Jahres ausgezeichnet. Zertifiziert sind die Produkte durch das Grüner Strom Label und den TÜV Nord. Polarstern ist Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie.

www.polarstern-energie.de


INEM, Hochschule Esslingen

Das Institut für Nachhaltige Energietechnik und Mobilität - INEM steht für die Themenfelder Nachhaltige Energiequellen, Energieträger, Energiewandler und Speichermedien sowie daraus abgeleitete Konzepte für mobile und stationäre Anwendungen. Zusätzlich greift das INEM als interdisziplinäres Hochschulinstitut ökonomische und ökologische Bewertungen der aus neuen Energien und neuen Mobilitätskonzepten entstandenen Techniken und Geschäftsmodelle auf.


Stadt Esslingen am Neckar

Die Stadt Esslingen a.N. mit rund 94.000 Einwohnern ist durch den Schwerpunkt Automobil- und Maschinenbau der Region Stuttgart industriell geprägt. Aufgrund einer 1200-jährigen Geschichte treffen in der Stadt mittelalterliche Fachwerkhäuser, frühindustrielle Bauten und innovative Architektur aufeinander. Eine nachhaltige Stadtentwicklung spielt in Esslingen eine zentrale Rolle; ebenso der Klimaschutz. So wird das derzeit entstehende innerstädtische Quartier „Neue Weststadt Esslingen“ durch die Integration erneuerbare Energien in Wärme- und Stromversorgung als 'CO2- neutrales Stadtquartier' realisiert.


RVI

Als Projektentwickler, insbesondere von Wohnimmobilien, greift die RVI GmbH auf Erfahrung seit 1973 zurück, die sie mit der Abwicklung von bundesweit über 150 Immobilienprojekten erlangt hat. Um Investoren nachhaltig eine werthaltige Anlage zu bieten, übernimmt die RVI die komplette Betreuung, von gezielter Ansprache und Auswahl der Mieter über Mieterbetreuung vor Ort, der WEG-Verwaltung bis zum Facility Management.


SVE

Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) ist ein Eigenbetrieb der Stadt Esslingen mit rund 120 Mitarbeitern. Mit 28 Linienbussen befördert der SVE auf 8 Linien ca. 9 Mio. Fahrgäste pro Jahr. Dabei legen die Fahrzeuge eine Strecke von rund 3 Mio. Kilometer zurück. Eine Besonderheit des SVE sind die 10 Oberleitungsbusse die aktuell auf 3 Linien verkehren und schrittweise um Fahrzeuge mit Batterie-Range-Extender erweitert werden. Geplant ist ein Ausbau der Fahrleitung von etwa 3,6 km für eine 100%-ige Elektrifizierung bis 2023.


IGS, Uni Braunschweig

Das Institut für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig forscht auf den Gebieten der Energieeffizienz von Gebäuden und Stadtquartieren, der Evaluierung und Betriebsoptimierung von Nichtwohngebäuden und der Nutzung erneuerbarer Energien sowie der Thermischen Speicher. Die Arbeitsgebiete des Instituts umfassen ressourcenschonendes und klimaangepasstes Planen und Bauen auf Stadt- und Gebäudeebene, Energiedesign von Wohn- und Nichtwohngebäuden, die Gebäudetechnik als auch die Bauphysik sowie die technische Solarenergienutzung.


SIZ-EGS

Das Stuttgarter Steinbeis-Innovationszentrum für Energie‐, Gebäude‐ und Solartechnik (SIZ-EGS) und seine verbundenen Institutionen, haben seit über 20 Jahren Erfahrungen in der Entwicklung und Realisierung nachhaltiger Energie- und Klimaschutzkonzepte für Gebäude und Siedlungen. Der Schwerpunkt liegt dabei beim Einsatz von erneuerbaren Energien. Dies wird mit dem Ziel vereinbart für jedes Projekt die wirtschaftlichste Lösung zu finden und umzusetzen. Die Erfahrungen werden genutzt, um durchgängig optimierte und energieeffiziente Systeme zu erarbeiten.


mondayVision

steht für smarte und gesamtheitliche Software- und App Entwicklung für energieeffiziente Gebäude. Das junge Ingenieurteam befasst sich seit 2011 mit der Erfassung, Verarbeitung und Kommunikation von Gebäudedaten. mondayVision hat außerdem umfangreiche Erfahrungen mit der Vernetzung energetisch relevanter Geräte und der interaktiven Visualisierung von energetischen Zusammenhängen. Ziel ist es, komplexe Versorgungsstrukturen innerhalb eines Gebäudes oder eines Quartiers einem großen Publikum greifbar zu machen und damit Bewohner und Interessierte für Energieeffizienz und Energieverbrauch zu sensibilisieren.


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