Mobilitätskonzept

Mobilitätskonzept

Neue urbane Mobilität in Esslingen

Mobilitätskonzept

In seiner Sitzung vom 26. November 2018 hat sich der Ausschuss für Technik und Umwelt des Esslinger Gemeinderats mit dem vom Stadtplanungsamt erarbeiteten Mobilitätskonzept „Urbane Mobilität Esslingen“ befasst. Es handelt sich dabei um kein abschließendes Werk wie zum Beispiel bei einem Flächennutzungs- oder gar Bebauungsplan, sondern es ist vielmehr ein Orientierungsrahmen für die Verwaltung, der sich auf die aktuellen und künftigen Anforderungen an die Mobilität in Esslingen bezieht und Handlungsmöglichkeiten der Stadt aufzeigt. Die konzeptionelle Übersicht benennt Themen, die in Arbeitspaketen an konkreten Aufgabenstellungen gespiegelt und für die konkrete Lösungen zur stufenweisen Umsetzung entwickelt werden müssen.
 
Das Konzept für die Umsetzung der Projekte aus der kommunal beeinflussbaren Handlungsebenen ist offen und flexibel. Mit seiner Gesamtsicht stellt es dabei sicher, dass die Herausforderungen in ihrer Komplexität gesehen und die abgeleiteten Lösungen den unterschiedlichen Anforderungen der Nutzer an die städtische Mobilität und dem städtischen Umfeld mit seinen Bewohnern gerecht werden. Das Konzept beleuchtet in einem analytischen Teil die Besonderheiten des historisch gewachsenen Esslinger Verkehrssystems und seine aktuelle (Über-)Nutzung mit den systemeigenen Grenzen und Potentialen. Es wird gezeigt, welche Möglichkeiten seine Benutzer haben, um ihre Mobilität bedarfsgerecht und möglichst umweltschonend abzudecken. Die Stadt Esslingen ist dabei Teil eines regionalen Verkehrssystems und den gleichen technischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen wie in der Region.

Die Stadt selbst kann vier Handlungsebenen beeinflussen:

  • das Nutzerverhalten mit dem Ziel, eine bedarfsgerechte und stadtverträgliche Mobilität aufzuzeigen
  • die Mobilitätssteuerung mit dem Ziel, im Regelbetrieb wie in Krisen eine verlässliche Mobilität zu ermöglichen
  • die Nutzungsoptionen mit dem Ziel, allen Verkehrsarten eine wirtschaftliche, sichere, komfortable und intuitive Benutzung der Mobilitätssysteme zu ermöglichen und
  • die Verkehrsinfrastruktur mit dem Ziel, sie so zu organisieren, dass sie - auch mit Blick auf die „großen Baustellen“ - effizient für „fließenden“ Verkehr genutzt werden kann.

Aus diesen vier Handlungsebenen werden Prinzipien und Vorhaben abgeleitet, die miteinander kombinierbar sind und dazu beitragen können, die Mobilität in Esslingen auch unter erschwerten Bedingungen verlässlich zu gestalten. Die vordringlichen Aufgaben, denen sich die Stadtverwaltung in der nächsten Zeit intensiv zuwenden wird, sind:

Flüssigkeit, Sicherheit und Komfort

Flüssigkeit, Sicherheit und Komfort für möglichst alle Verkehrsarten auf dem Straßennetz:

Altstadtring mit Mülberger Straße / Wielandstraße: Untersuchung und Simulation von z.B. Verstetigungsansätzen oder flexiblen Spurzuordnungen oder Einbahnregelungen, auch mit Blick auf die Vermeidung von Fahrverboten aufgrund der Grenzwertüberschreitungen an der Grabbrunnenstraße. Hierzu liegen erste Konzepte und Abstimmungen in Teilabschnitten auch schon vor.

Schorndorfer Straße: kurz-, mittel- langfristige wirksame Vorschläge werden wahrscheinlich schon Ende Januar 2019 im Gemeinderat vorgestellt

Ulmer Straße: mit Neuordnung Oberesslingen im Bereich S-Bahn Halt, u.a. „Mini-ZOB“

Hirschlandstraße: Vorschläge sollen im Kontext mit den Überlegungen zur Schorndorfer Strasse und zur Wielandstraße erarbeitet werden.
 


Alternativen zum Motorisierten Individualverkehr

S-Bahn Halt Oberesslingen: Prinzipuntersuchung "Mini" ZOB (Verknüpfung der Verkehrsarten),
Zusammenführung bisheriger (teilweise nur isoliert betrachteter) Vorhaben zum Fuß-, Rad-, ÖPNV- und Sharing Verkehr in die Gesamtschau des Mobilitätskonzeptes.
 


Brückenbaustellen

Bedarfsgerechtes und flexibles Fahrbahnflächenmanagement: Vertiefte Erarbeitung und Simulation von Lenkungs- und Steuerungskonzepten.


Zweck und Ziele des Mobilitätskonzeptes

Vorbemerkung 
Das Mobilitätskonzept „Urbane Mobilität Esslingen“ ist kein abschließendes Werk wie ein Flächennutzungs- oder gar ein Bebauungsplan. 
Das Konzept ist ein Orientierungsrahmen, der sich auf abzeichnende Anforderungen an die Mobilität in Esslingen bezieht und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Das Konzept ist dabei „offen“ wie die Maßnahmen der vier kommunal beeinflussbaren Handlungsebenen kombiniert und angepasst werden. Es soll mit seiner Gesamtsicht sicherstellen, dass die Aufgaben in ihrer Komplexität gesehen und die abgeleiteten Lösungen den unterschiedlichen Anforderungen an die städtische Mobilität und dem städtischen Umfeld gerecht werden.

  • Stadt- und Umweltverträglichkeit erhöhen, z.B. durch Verkehrsverstetigung und bedarfsgerechter umweltfreundlicher Verkehrsmittelwahl
  • Sicherung des Wirtschaftsstandortes, z. B. durch Stabilisierung der Erreichbarkeit auch während Systemeingriffen und Verbesserung der Verlässlichkeit
  • Abdeckung der Mobilitätsbedarfe, z.B. durch Aufwerten und Aufzeigen von Alternativen
  • Wirtschaftlichkeit des Erschließungssystems, z.B. durch optimierte Nutzung der Verkehrsflächen und Steuerung der Inanspruchnahme


Dies soll dem Zweck dienen, einen nachhaltigen und verlässlichen Nutzen des Mobilitätssystems für alle Nachfrager und Bewohner entsprechend ihrer Bedarfe und selbstbestimmter Möglichkeiten – heute und künftig – so zu gewährleisten, dass das eigene Mobilitätsverhalten mit den Ansprüchen an ein gesundes Stadtumfeld im Einklang steht.


Was leistet das Mobilitätskonzept – und was nicht?

Es zeigt die direkten (Infrastruktur und Ausstattung) und indirekten (Nutzerverhalten) Handlungsmöglichkeiten der Stadt auf, um ein in der Regel funktionierendes, umweltver- trägliches und wirtschaftliches Mobilitätssystem in der Stadt zu betreiben und auch künftig zu entwickeln. 
Es kann nicht „den Himmel auf Erden“ versprechen, weder den Nutzern des Mobilitätssys- tems, die mit ihren Entscheidungen das System belasten und auch überlasten, noch der Stadtbevölkerung, die neben den unbestreitbaren Vorteilen ihrer Mobilität auch die sich daraus ergebenden Nachteile akzeptieren muss. 
Die Mobilität „der Anderen“ war in den Städten schon immer Anlass zu Kritik – das war Ende des 19. Jahrhunderts mit den Hinterlassenschaften der Pferde und ihrem Gestank so, heute sind es die Dieselfahrzeuge und SUV und morgen möglicherweise die überall umherfahrenden autonomen Elektroflitzer, die im Auftrag ihrer Eigentümer Brötchen und Zigaretten abholen…. 
Es sind aber nicht „die Anderen“, sondern jeder ist, wenn man so will, „Opfer und Täter“ zugleich. Die als störend empfundenen Auswirkungen der Mobilität zu minimieren ist somit eine Aufgabe, die sich auch an alle Bewohner und Nutzer der Stadt richtet.


Die wesentlichen Ergebnisse

Das wichtigste zuerst: die künftig zu erwartenden Herausforderungen an die Mobilität in der Stadt können auf den im Folgenden aufgeführten vier Ebenen beeinflusst werden. Ein „Allheilmittel“ für auch künftig zu erwartende Beeinträchtigungen des Systems ist jedoch erwartungsgemäß nicht in Sicht und wird auch nicht versprochen.
 

  • Nutzerverhalten. „Mobilität“ beginnt im Kopf – und der stadtverträgliche Umgang mit ihr will gelernt sein. Nutzer können darin unterstützt werden, ihren Mobilitätsbedarf und dessen Befriedigung zu analysieren und erfolgreiche, individuelle Strategien zur Mobilitätsvermeidung, zur flexiblen Abwicklung und zur angepassten Nutzung vorhandener Infrastrukturen und Systemkomponenten zu entwickeln.
  • Steuerung und Krisenreaktion. Es bedarf stadtverträglicher Strategien zur Organisation und Steuerung der Mobilität, mit denen die Effizienz und der Durchsatz des Systems erhöht werden: Verstetigung der Verkehrsflüsse, Einbahnsysteme, temporäre flexible Spurnutzungen, Vereinfachung an Knoten müssen die Versorgung der Stadt, ihren Wirtschaftsverkehr, Notfalleinsätze und sonstigen unvermeidbaren Verkehr bedarfsgerecht garantieren. Im System müssen Reserven aktivierbar sein, um Handlungsoptionen auch außerhalb des „Regelbetriebs“ zu haben.Mit der Bündelung aller relevanten Kompetenzen können sowohl der „Regelbetrieb“ als auch das „Notfallmanagement“ des Mobilitätssystems weitgehend gesichert werden. Gesteuert werden Verkehrsspitzen, Unfälle, Notfalleinsätze, (Groß-)Veranstaltungen, Baustellen. Kommuniziert werden Informationen, Empfehlungen, Alternativangebote. Einbezogen sind auch die privaten Akteure der Mobilität in der Stadt und Schnittstellen mit der Region.
  • Nutzungsoptionen. Zur Nutzung des Erschliessungssystems sollten neben dem individuell verfügbaren Kfz und Fahrrad weitere attraktive Handlungsoptionen real zur Wahl und zur Verfügung stehen. Dem Ausbau des ÖPNV sind verständlicherweise wirtschaftliche Grenzen gesetzt, die der intuitiven und komfortablen Nutzung jedoch im Grundsatz nicht entgegenstehen. An den zentralen Knotenpunkten des ÖPNV muss das leichte, sichere und bedarfsgerechte Umsteigen zwischen verschiedenen Mobilitätsmitteln auf angemessenem und wertschätzendem Niveau garantiert werden. Das gleiche gilt für die spezifische Infrastrukturausstattung für Radfahrer, die z.B. an öffentlichen Zielen geeignete Abstellmöglichkeiten benötigen und sichere Streckenführungen erwarten. Auch das „Zu Fuß gehen“ stellt an das Erschliessungssystem besondere, zu berücksichtigende Ansprüche.
  • Systeminfrastruktur. Das Netz ist vollständig auf die großen Neckarbrücken orien- tiert. Vor allem die 35 000 Bewohner der nördlichen Stadtteile „hängen“ an der Innenstadt mit der Vogelsang- und Adenauerbrücke. Ziel sollte sein, das Erschließungsnetz schon im Vorfeld der ersten großen Maßnahmen so zu ändern, zu ergänzen und neu zu organisieren, dass städtebauliche und verkehrliche Verbesserungen eintreten, vorhandene Belastungen abgebaut und die Beeinträchtigungen durch die Brückenbaumaßnahmen weitgehend aufgefangen werden. Während der Bauphasen der neuen sollten die alten Brücken so lange wie möglich den Verkehr aufnehmen. Mit der stadtverträglichen Neustrukturierung und Ergänzung des Erschließungssystems und der Organisation seiner Nutzung eröffnen sich große Chancen der Stadtreparatur.


Info

Kontakt

Stadtplanungsamt
Ritterstraße 17
73728 Esslingen am Neckar
Telefon (07 11) 35 12-31 10
Fax (07 11) 35 12-55 32 84

Projektleitung

Wolfgang Ratzer

Abteilungsleitung, stellvertretende Amtsleitung

Telefon (07 11) 35 12-25 74
Fax (07 11) 35 12-55 25 74
Gebäude: Neubau
Raum: 236