Warum Schwören und Feiern schon lange zusammengehören

Von 7. bis 9. Juli 2023 wird das neue Esslinger Schwörfest gefeiert. Weil dieses Wochenende mit der Schwörzeremonie, Konzerten, Flohmarkt, Kulinarik, Vereinsprogramm, Tag des offenen Rathauses und vielen weiteren Highlights unheimlich viel zu bieten hat, stellen wir im Vorfeld die Höhepunkte des Festes in einer Serie vor. In diesem ersten Teil geht es um die Schwörzeremonie, die eine lange Tradition hat und beim Schwörfest lebendig gehalten werden soll.

Publikum im Schwörhof während der Schwörzeremonie

Welche historische Bedeutung hat der Schwörtag?
Als freie Reichsstadt war Esslingen von 1181 bis Anfang des 19. Jahrhunderts politisch weitestgehend unabhängig. Zu den damals jährlich stattfindenden Wahlen und Amtsübergaben entwickelten sich vor diesem Hintergrund früh die Schwörtagsfeiern. Teil dessen war der Schwörakt, der letztlich den Zusammenhalt in der Stadt, friedliche Konfliktaustragung und die Beachtung der städtischen Regeln durch alle Beteiligten bezweckte. Diese Tradition war ein wichtiger Faktor im Bewusstsein der Bürgerschaft und ist als früher Vorläufer kommunaler Demokratie durchaus an die heutige Zeit anschlussfähig. Die Fortführung der Schwörtagstradition wird nun zeitgemäß als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements, bürgerschaftlichen Zusammenhalts und der kommunalpolitischen Partizipation interpretiert.

Führungen rund um das Schwörfest
Wer mehr zur Geschichte des Schwörtags wissen möchte, kann am Freitag, 7. Juli um 16:30 und 20 Uhr an einer kostenfreien Führung mit Bauhistoriker Dr. Peter Dietl sowie Stadtarchivar Dr. Joachim Halbekann teilnehmen. Treffpunkt ist der Klosterhof am Münster St. Paul (zwischen Beblingerstraße und Marktplatz). Es geht zu Orten der historischen Zeremonie, zudem wird über eine zeitgemäße Form des Festes diskutiert. Eine weitere kostenfreie Führung am Samstag, 8. Juli um 14:30 Uhr und 15:15 Uhr beleuchtet das barocke reichsstädtische Rathaus, das heutige Amtsgericht. Es war bis zur Annexion der Reichsstadt das eigentliche Macht- und Verwaltungszentrum Esslingens und stand somit auch im Mittelpunkt der historischen Schwörtagsfeiern. Treffpunkt ist im Hof des Amtsgerichts in der Ritterstraße. Zu allen Führungen ist keine Anmeldung notwendig.

Die Zeremonie als Startschuss für das Schwörfest
Die Schwörzeremonie findet am Freitag, 7. Juli, ab 18 Uhr im Schwörhof (bei schlechtem Wetter im „Neuen Blarer“) statt. Mit ihr greift die Stadt Esslingen die historische Bedeutung des früheren Schwörtags auf und führt diese Tradition fort. Die Schwörzeremonie wird ab diesem Jahr durch zusätzliche Programmpunkte erweitert und noch abwechslungsreicher gestaltet, beispielsweise durch Darbietungen der Württembergischen Landesbühne Esslingen sowie Kindern der Waisenhofschule.  Seit jeher beinhaltet die Zeremonie zudem eine Ansprache des Oberbürgermeisters sowie die Verpflichtung des Gemeinderats und des Oberbürgermeisters auf das Wohl der Stadt. Darüber hinaus gibt es in jedem Jahr die Schwörtagsrede zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen. Hierfür konnte in diesem Jahr Verena Bentele, die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, gewonnen werden. Alle sind herzlich eingeladen, an der Schwörzeremonie teilzunehmen und danach auf dem direkt angrenzenden Markplatz in das Schwörfest-Wochenende zu starten.

Warum wurde das Fest denn umbenannt?
Die Schwörtagstraditionen in Esslingen, in Ulm und Reutlingen sind UNESCO-Kulturerbe. In der ehemals freien Reichsstadt war der Schwörtag das zentrale verfassungspolitische Ereignis. Schwören und Feiern haben dabei zu Zeiten der freien Reichsstadt immer schon zusammengehört. Das Bürgerfest wurde seit 1973 am ersten Juli-Wochenende gefeiert, der Schwörtag fand seit 1990 am Freitag davor statt. Mit der Zusammenlegung werden Bewährtes und liebgewonnene Traditionen lebendig halten, gleichzeitig aber auch neue Angebote geschaffen, um noch mehr Menschen zu erreichen und einzubinden. Damit wird das bisherige Bürgerfest durch eine neue inhaltliche Dimension bereichert und die Schwörtagstradition wird stärker in das städtische Bewusstsein gerückt.

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