Sprache

Sprachförderung in den städtischen Kindertageseinrichtungen

Sprache ist unser Schlüssel zur Welt – und zur Teilhabe an allen Bildungsprozessen. Deshalb legt die Stadt Esslingen a.N. großen Wert auf eine umfassende sprachförderliche Arbeit in den Tageseinrichtungen für Kinder.

Sprachförderliche Arbeit findet in Esslingen bei allen Kindern vom ersten Tag an in der Tageseinrichtung statt. Das heißt, alltagsintegrierte Sprachförderung ist ein ständiger und fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit.
Auch die Eltern werden aktiv in den Prozess der Sprachbildung ihrer Kinder mit einbezogen.
Die Fachkräfte verfügen über Methodenkompetenz sowie fundierte Kenntnisse zum Erst- und Zweitspracherwerb, zur Feststellung des Sprachstands und zum frühkindlichen ganzheitlichen Lernen. Sie sind sich ihrer Rolle als Sprachvorbild bewusst und Handeln danach. Die Sprechfreude der Kinder wird unterstützt, sie werden auf ihrem Sprachstand „abgeholt“ und die Vielfalt an Sprachen und Herkunftsländern in unseren Einrichtungen wird wertgeschätzt.
Nach diesen Grundsätzen, die sich auch im abteilungsinternen Leitbild finden, leben und handeln alle am Prozess der Sprachbildung Beteiligten.
 
Um alle Kinder bestmöglich zu fördern, setzen wir bei ihren Stärken und ihrer individuellen Entwicklung an.
Dafür wird der Sprachstand aller Kinder mithilfe von standardisierten Beobachtungsbögen in regelmäßigen Abständen erhoben und ausgewertet.

Die "Sprach-Zwiebel"

Erfolgreiche sprachliche Förderung braucht das Zusammenwirken aller am Erziehungs- und Bildungsprozess Beteiligten. Dies veranschaulicht die Esslinger „Sprach-Zwiebel“ mit ihren Schichten.

Die Metaphorik der Zwiebel, die in Kooperation mit dem Sprachdidaktischen Zentrum der PH Ludwigsburg (Prof. Dr. Stefan Jeuk) entwickelt wurde, spielt zum einen auf die Legende an, nach der die Esslinger traditionell „Zwiebler“ genannt werden, weil der Teufel von schlauen Esslingern angeblich mithilfe eines Tricks und einer Zwiebel aus der Stadt gejagt wurde.
Insbesondere veranschaulicht sie aber die verschiedenen „Schichten“ bzw. Bereiche, die nur im gemeinsamen Zusammenwirken ein Ganzes bilden – mit dem Ziel, die Kinder im Elementarbereich bestmöglich sprachlich zu fördern und auf die Schule vorzubereiten:

Institutioneller Rahmen: Leitbild, Vorgaben und Konzept des Trägers bilden den Rahmen. Innerhalb dessen arbeiten die Einrichtungen nach ihrem Selbstverständnis und ihrer eigenen Konzeption.

Interkulturalität: Unsere pädagogischen Fachkräfte verstehen Vielfältigkeit als Chance und Bereicherung. In den KiTas lernen alle Beteiligten voneinander und miteinander.

Zusammenarbeit mit Eltern: In unseren Einrichtungen leben wir eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft und binden das Umfeld des Kindes in den KiTa-Alltag ein.

Sprachvorbild: Die pädagogische Fachkraft unterstützt die Kinder mit Kompetenz und Fachwissen im Sprachbildungsprozess und ist sich ihrer Vorbildfunktion bewusst.

Erstsprache thematisieren: Die Erstsprache der Kinder wird im Alltagsgeschehen der Einrichtungen aufgegriffen und erfährt eine große Wertschätzung.

Sprachförderung im Alltag: Jede Situation, jedes spontane Gespräch, jedes Angebot im Alltag werden als sprachförderlich wahrgenommen. Die Räume unserer Tageseinrichtungen sind unter sprachanregenden und sprachförderlichen Gesichtspunkten gestaltet und werden diesbezüglich regelmäßig evaluiert.

Fördersituation: Egal ob in Kleingruppe oder Freispiel: Die Fachkräfte erkennen das Wohlbefinden, die Engagiertheit, das Interesse und den Sprachstand des Kindes - und bemessen daran die Gestaltung der Interaktion.

Qualifikation der pädagogischen Fachkräfte – Weiterbildung

Um eine umfassende alltagsintegrierte Sprachförderung zu leisten, um Sprachanlässe zu erkennen und jedes pädagogische Handeln optimal sprachförderlich zu gestalten, bildet die Stadt Esslingen ihre pädagogischen Fachkräfte mithilfe einer Jahresfortbildung in sechs Themenblöcken gezielt weiter.
Das Konzept wurde in Kooperation mit dem Sprachdidaktischen Zentrum der PH Ludwigsburg (Prof. Dr. Stefan Jeuk) entwickelt. Erfahrene Dozenten (w/m) der Pädagogischen Hochschule vermitteln in ihren Seminaren dabei folgende Inhalte:

1. Spracherwerb von Anfang an
2. Zweitspracherwerb
3. Sprachanlässe nutzen
4. Kreative Verfahren zur Sprachförderung
5. Sprachvorbild sein
6. Diagnostikverfahren und Sismik/Seldak-Beobachtungsbögen
7. Interkulturelle Arbeit
8. Kooperation mit Eltern
9. Literacy, Vorbereitung auf Schrift
10. Übergang Einschulung, Kooperation KiTa-Schule

Vertiefende Workshops und eine Supervisionsbegleitung sichern die Verankerung in der Praxis.

Darüber hinaus begleitet und unterstützt die städtische Fachberatung für Sprachförderung alle Tageseinrichtungen, ist Ansprech- und Projektpartnerin und hilft, die Qualität der alltagsintegrierten sprachförderlichen Arbeit im Sinne der „Sprach-Zwiebel“ potenzial- und stärkenorientiert kontinuierlich zu verbessern.
Dabei wird jede Einrichtung unter Berücksichtigung ihrer eigenen Bedürfnisse, ihrer Struktur und ihrer Schwerpunkte individuell betreut und gefördert. Ein überstülpen vermeintlich „allgemeingültiger“ Ziele und Projekte halten wir für falsch. Denn wir sind der Ansicht, dass wir die Kinder nur stärkenorientiert und mit einem individuellen Blick auf das Kind fördern können, wenn dieser Ansatz für alle Mitarbeiter/innen unserer Abteilung in allen Stadtteilen und Tageseinrichtungen gilt.
Lernen und Entwicklung setzen intrinsische Motivation voraus.

Additive Sprachförderung im Ehrenamt - Zusammenarbeit mit dem Verein Sprachhilfe Esslingen e.V.

Kinder, die über die Alltagsförderung hinaus Bedarf an sprachlicher Förderung haben, erhalten zusätzliche sprachförderliche Maßnahmen.
 
Für diese intensive Förderung arbeitet die Stadt Esslingen seit vielen Jahren erfolgreich in enger Kooperation mit dem Verein Sprachhilfe Esslingen e.V. (Arbeit nach dem Denkendorfer Modell) zusammen.
 
In Kooperation mit der Stadt Esslingen schult und begleitet der Verein rund 55 ehrenamtliche geschulte Sprachförderkräfte, die in den Tageseinrichtungen Kindern dabei helfen, die deutsche Sprache für einen qualifizierten Bildungsweg sicher zu erlernen.
Die zusätzliche Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen wird im Rahmen von SPATZ (Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf) durch das Land Baden-Württemberg gefördert.
 
Die Sprachförderkraft arbeitet mit den Kindern alltagsintegriert in altersgerechten Spiel- und Lernsituationen oder in Kleingruppen. Großen Wert wird dabei auf die regelmäßige Absprache mit den pädagogischen Fachkräften in der Kindertageseinrichtung gelegt.

Auch Träger und Verein, die eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet, stehen in ständigem Austausch und bieten gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen an.
Die Mentorin der Sprachförderkräfte und die städtische Fachberatung für Sprachförderung schließen durch gemeinsame Gespräche, Planungen und Termine in den Kindertageseinrichtungen Schnittstellen, lösen Blockaden und arbeiten zusammen daran, dass überall die bestmögliche Sprachförderung im Sinne der Kinder und des Teams der jeweiligen Einrichtung stattfinden kann.

Flyer Grundsätze der Kooperation in Kindertageseinrichtungen - Sprachförderliche Arbeit (3,4 MB)
 

Elternbildung und Erziehungspartnerschaft: Das Programm „RUCKSACK“

Starke Kinder haben ein funktionierendes Netzwerk, liebevolle Bezugspersonen, gute Vorbilder und eine (sprach-)anregende Umgebung.
Mit dem Projekt RUCKSACK stärken wir Familien mit Migrationshintergrund, mit Deutsch als Zweitsprache sowie sozial benachteiligte Familien.

RUCKSACK ist ein Sprachförder- und Elternbildungsprojekt, das speziell für Familien mit Zuwanderungsgeschichte entwickelt wurde. Ursprünglich aus Rotterdam, wurde es in Nordrhein-Westfalen vom Arbeitskreis Interkulturelle Erziehung im Elementar- und Primarbereich der RAA (Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien) für den Einsatz in Deutschland überarbeitet und 1998 als Modellprojekt eingeführt.

2009 schloss die Stadt Esslingen a.N. mit der RAA eine Vereinbarung zur Durchführung von RUCKSACK ab und startete mit 2 KiTas und 2 Grundschulen, heute nehmen 8 KiTas und 4 Grundschulen an dem Projekt teil.
In den Kindertageseinrichtungen nehmen Familien mit Kindern ab ca. 4 Jahren teil, in den Grundschulen findet RUCKSACK in den ersten beiden Klassen statt.

Geschulte Elternbegleiterinnen, die in der Regel selbst einen Migrationshintergrund haben, treffen sich 1x pro Woche für ca. 1,5 Stunden mit Eltern in der Kindertageseinrichtung oder Schule ihres Kindes.
Zentral für die Eltern ist dabei
a) das Erlernen der deutschen Sprache
b) die Anregung für die Sprachförderung und Bildung ihrer Kinder im familiären Rahmen

Für jeden Tag gibt es kleine Impulse, Anregungen und Aufgaben, die die Familien zuhause gemeinsam mit Spaß in der Familiensprache ausprobieren.
Dies dient der Stärkung der Erstsprache als Grundlage für die Zweitsprache. Auch werden die Kinder dadurch in diversen Lern- und Bildungsbereichen gefördert.

Flyer Rucksack (783 KB)

Rucksack in Kindertageseinrichtungen wird gefördert durch das Ministerium für Soziales und Integration aus Mitteln des Landes-Baden-Württemberg über: 

Rucksack in der Grundschule wird im Schuljahr 2018/19 in Klasse 1 und im Schuljahr 2019/2020 in Klasse 2 gefördert durch:

Netzwerk

Durchgängige Sprachbildung, interkulturelle Kompetenz und Stärkung der Familien bedürfen eines starken/umfassenden Netzwerks.
Zahlreiche Arbeitskreise, an denen das Amt für Bildung, Erziehung und Betreuung, Schulen, Familienzentren, Vereine, das Schul- und Landratsamt sowie weitere Institutionen beteiligt sind, sorgen dafür, dass Angebote durchgängig und passgenau gestaltet werden können.

Kooperation KiTa - Schule

Die enge Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtung und Grundschule ist Voraussetzung für eine lückenlose und individuelle, stärkenorientierte Förderung aller Kinder und einen gelingenden Übergang.
Das Amt für Bildung, Erziehung und Betreuung orientiert sich dabei auf die vom Staatlichen Schulamt Nürtingen herausgegebenen „Mindeststandards zur Kooperation von Tageseinrichtungen für Kinder und Grundschulen im Landkreis Esslingen“.
Zentral ist die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Schule und KiTa, die durch einen Kooperationsplan geregelt ist.
Pädagogische Fachkräfte der KiTas sowie Lehrer/innen kennen die Inhalte und Ziele des Orientierungs- und Bildungsplans. Sie tauschen sich über die jeweiligen Bildungsbegriffe und das pädagogisch-didaktische Vorgehen aus. Dabei orientieren sich beide Institutionen an der Gesamtpersönlichkeit des Kindes, haben einen positiven Blick auf das Kind, fördern es individuell und stärken das Beziehungsdreieck zwischen Personensorgeberechtigten, Erzieher/innen und Kooperationslehrer/innen.
Erzieher/innen und Kooperationslehrer/innen gehen im Rahmen des Kooperationsplans gemeinsam vor.
Die Kooperationslehrer/innen besuchen die Tageseinrichtungen für Kinder regelmäßig und lernen die künftigen Schulkinder kennen.

Einmal jährlich findet zudem ein Treffen zwischen Tageseinrichtung für Kinder und Schulen stadtteilübergreifend statt. Das Treffen, bei dem auch die Fachberatungen des Trägers zugegen sind, dient der Vernetzung und dem Austausch von Themen, die alle Beteiligten betreffen.


Info

Kontakt

Kindertageseinrichtungen
Neckarstraße 1
73728 Esslingen am Neckar
Telefon (07 11) 35 12-24 38
Heike Mayer

Sprachförderliche Arbeit

Telefon (07 11) 35 12-33 17
Gebäude: Neckarstraße 1
Raum: 110
Sabine Sandler

Sprachförderliche Arbeit

Telefon (07 11) 35 12-21 74
Fax (07 11) 35 12-55 21 74
Gebäude: Neckarstraße 1
Raum: 110