DULK200

Esslingen feiert zweihundertsten Geburtstag Albert Dulks

Zu diesem Anlass finden in an verschiedenen Orten vier Veranstaltungen statt, die an das Leben und Wirken dieser schillernden wie aufrechten Persönlichkeit erinnern:

Gestaltung: zeilenbau.de

Zur Person

Albert Benno Dulk wird am 17. Juni 1819 in Königsberg geboren. Während Chemiestudium und Promotion knüpft er Kontakte zu Freidenkern und revolutionären Kreisen und beginnt zu schreiben. Sein bekanntestes Theaterstück „Lea“, über Joseph Süß Oppenheimer, wird 1848 uraufgeführt. Nach dem Scheitern der 48er-Revolution, an der Dulk aktiv teilnimmt, reist er nach Italien und verbringt im Anschluss mehrere Monate auf dem Sinai, teilweise alleine in einer Höhle. In den 50er-Jahren zieht er nach Stuttgart und arbeitet als Theaterkritiker und Literaturtheoretiker. Dulk gelingen auch sportliche Erfolge. Mit 46 Jahren durchschwimmt er als Erster den Bodensee an seiner breitesten Stelle. Ab 1871 lebt er in Untertürkheim und arbeitet dort, später auch in einem Forsthaus bei Esslingen, als Schriftsteller. In den Folgejahren schließt er sich der Arbeiterbewegung an und wird zu einem der wesentlichen Akteure beim Aufbau der Sozialdemokratischen Partei. 1882 gründet Dulk noch die erste Freidenkergemeinde in Stuttgart, 1884 stirbt er ebenda. Aufgrund seiner Popularität gerät der Trauerzug zur Massendemonstration.

Termine

12. Juli: Drei über Dulk – Szenische Lesung mit Schwimmern

© zeilenbau.de

Vereinsbad des SSVE, Neckarinsel Esslingen (hinter dem Eisstadion)
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: 5 € (für Vereinsmitglieder kostenfrei)

Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt - Überdachung ist vorhanden!

Szenische Lesung mit Texten von Albert Dulk
Schirin Brendel, Regina Lebherz, Barbara von Münchhausen
und Schwimmer des Schwimm-Sport-Vereins Esslingen
Textauswahl: Sabine Brandes

„Sein Leben ist ein Roman“ schreibt die Schriftstellerin Isolde Kurz im Jahr 1918 über Albert Dulk. Damit umreißt sie, warum sich seine Biographie mit einem ungebundenen Leben als Womanizer und Extremsportler, als Freigeist und Abenteurer immer wieder vor seine Passion als Dramatiker, Autor und Politiker drängt. Doch Dulk’s Werk bietet – bei allem zeitgemäßen 19. Jahrhundertpathos – immer noch eine Menge Anknüpfungspunkte, weil es religionskritische wie sozialdemokratische Positionen enthält, die auch heute noch mit Brisanz aufgeladen sind.

Wir wissen wenig von den drei Frauen mit denen Albert Dulk Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Johanna Dulk, Pauline Butter und Else Bussler liebten ihn und lebten – teilweise zu dritt – mit ihm zusammen, hatten Kinder von ihm und teilten den Alltag mit ihm. Sie unterstützen ihn in seinen Leidenschaften und seinem Schreiben. „Dulk konnte diese dreifache Ehe in Stuttgart ganz öffentlich und unangefochten durchführen, denn es wohnte damals in dem kleinen Schwabenland die weitherzigste Romantik Tür an Tür mit dem beschränktesten Spießertum" so Isolde Kurz über die ungewöhnliche, moderne Beziehung, die heute das Label „Polyamorie“ hätte.

Was wäre wenn Hannchen, Ini und Else an einem sonnigen Nachmittag zusammen im Schwimmbad wären? Wenn sie sich an den Geliebten erinnern, der als erster Schwimmer den Bodensee durchquerte, sich Alberts „Selbstverfassten Lebenslauf“ gegenseitig vorlesen und eine kleine Zeitreise in sein Werk unternehmen würden?
Im Vereinsbad des Schwimm-Sport-Vereins Esslingen erkunden drei Schauspielerinnen mit weiblichem Blick Albert Dulks Vita und sein Werk und lesen Auszüge aus Dramen, Reden, Gedichten und Briefen. Und ab und zu kommt ein junger Schwimmer vorbei!

13. September: Der unglaubliche Dulk – Lesung

© zeilenbau.de

Württembergische Landesbühne Esslingen, Podium 2
Beginn: 20 Uhr
Abendkasse: 8 € / ermäßigt 4 €

Ausgewählte Gedichte, spannende Reisebeschreibungen und der erste biografische Roman über Albert Benno Dulk von Ulrich Stolte.
Der Journalist und Literat Ulrich Stolte liest am 13. September aus seinem biographischen Roman „Der unglaubliche Dulk“, der gerade im Entstehen ist. Stolte wird außerdem Dulks eigene Gedichte vorstellen, sowie ausgewählte Stellen aus seinen Reisebeschreibungen vortragen.

Ein wilder Fechter, ein kühner Reiter, so beschreiben zeitgenössische Biographen den Revolutionär Albert Benno Dulk. Doch war er viel mehr: Ein Mann, der komplett aus seiner Zeit gefallen schien, der sich keinen Deut um bürgerliche Ordnung scherte, weder in seinen Beziehungen zu Frauen, noch in seiner Philosophie. Dulk lebte als Eremit auf dem Sinai, durchschwamm als Erster den Bodensee an seiner breitesten Stelle und erfand das Freiklettern, maßgeblich war er an der 48er Revolution in Königsberg beteiligt. Er nahm einen wichtigen Anteil an der Entstehung der SPD und gründete die Stuttgarter Freidenker. Der Philosoph und Revolutionär wurde 1819 in Königsberg geboren und starb 1884 in Stuttgart. Dort hatte er mit drei Frauen und sechs Kindern in der ersten sozialistischen Kommune der Welt gelebt, sein Rückzugsort war Esslingen.

20. Oktober: Der Apfelstrudel fällt nicht weit vom Königsberger Klops

© zeilenbau.de

Literarische Wanderung zum Dulkhäusle 
mit Ulrich Stolte und Gerhard Polacek
 

Treffpunkt am Amtsgericht, Ritterstraße 8, Esslingen
Beginn: 10 Uhr
Eintritt frei. Teilnehmerzahl begrenzt. Verbindliche Anmeldungen an kulturamt@esslingen.de, Tel. 0711 3512-2644.

Die Sozialisten und Sozialdemokraten hatten im deutschen Kaiserreich einen eigenen Pilgerpfad in Esslingen. Vom Hauptbahnhof ging es über das Amtsgericht durch die Altstadt hinauf zum Dulkhäusle, zu den Gedenkfeiern für den Königsberger Revolutionär und Philosophen Albert Benno Dulk. Bei diesen Feiern versammelten sich die Arbeiter der roten Neckarvororte zu Tausenden. Dort hielten die Anhänger der im Kaiserreich verbotenen SPD flammende Reden, dort wurde dem Abenteurer und Revolutionär Albert Benno Dulk gedacht. Denselben Spuren folgt eine literarische Wanderung, die vom Dulk-Experten Ulrich Stolte geführt wird. Los geht es um 10 Uhr am Amtsgericht in der Esslinger Ritterstraße 8. Die etwa vier Kilometer lange Strecke führt 200 Höhenmeter bergauf über Liebersbronn in die Römerstraße. Im Dulkhäusle liest gegen 12 Uhr der bekannte Esslinger Schauspieler und Apfelstrudel-Schnitzer Gerhard Polacek aus Dulks Oeuvre. Anschließend ist ein gemütlicher Ausklang in der Gaststätte Dulkhäusle geplant.

9. November: Lea – Szenische Lesung

© zeilenbau.de

Württembergische Landesbühne Esslingen, Podium 2
Beginn: 20 Uhr
Abendkasse: 8 € / ermäßigt 4 €

Das erste Drama in Deutschland, das für die Emanzipation des Judentums kämpft. Der 29-jährige Albert Benno Dulk nahm das Leben des Stuttgarter Bankiers Joseph Süßkind Oppenheimer (1698- 1738) viel schärfer in den Blick, als es Wilhelm Hauff in seiner Novelle „Jud Süß“ noch getan hatte. Im Gegensatz zu Hauff erkannte Albert Dulk klarer, dass der Bankier und Finanzier des württembergischen Herzogs Karl Alexander Opfer eines Justizmordes gewesen war. Inmitten der revolutionären Umbrüche in Königsberg 1848 kämpfte Dulk mit dem Drama „Lea“ unverdrossen für die Emanzipation des Judentums und für die Toleranz der Religionen.
Das Stück über Joseph Süßkind Oppenheimer und seine kluge wie schöne Tochter Lea spielt in der Bruchzone der absolutistischen Gesellschaft. Alles wartet darauf, dass Oppenheimer, „Jud Süß“, wie er verächtlich genannt wird, die Gunst des Herzogs verliert. Auf einem Maskenball kommt es zum Eklat. Die Bürger lassen nach und nach ihre Masken fallen und ihr blanker Hass gegen Oppenheimer wird sichtbar, der seinerseits nicht anders kann, als ihnen mit Hass und Verachtung zu antworten.
Die Württembergische Landesbühne ist die einzige Bühne in Deutschland, die das radikale Stück in der Neuzeit aufgeführt hat. Jetzt knüpft sie mit einer szenischen Lesung noch einmal an diese Pionierleistung an. Angesichts der aktuellen politischen Situation hat das Stück an Aktualität nichts verloren. 

Der WLB-Intendant Friedrich Schirmer und der Journalist und Literat Ulrich Stolte führen in das Drama ein.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Freunde jüdischer Kultur e.V. statt.

Mehr zu Albert Benno Dulk: Flyer zum 194. Geburtstag

Weitere Veranstaltungen anlässlich des Dulk-Jubiläums:

Anlässlich des Jubiläums wird in Stuttgart-Untertürkheim am 15. November der Albert-Dulk-Preis an den Kabarettisten Peter Grohmann verliehen. Zudem zeigt das Ortsmuseum im Alten Schulhaus in Rotenberg noch bis zum 6. Oktober eine Ausstellung zu Werk und Leben Albert Dulks. Auch die Stadtteilbibliothek Untertürkheim zeigt vom 8. Oktober bis zum 23. November eine Ausstellung unter dem Titel "Das Multitalent Albert Dulk (1819 -1864)".

Weitere Informationen unter:

www.albert-dulk-preis.de
www.bv-untertuerkheim.de
www.kulturhausverein.com
Stadtteilbibliothek Untertürkheim


Info

Kontakt

Kulturamt
Rathausplatz 3
73728 Esslingen
Telefon (07 11) 35 12-26 44
Mobiltelefon
Fax (07 11) 35 12-29 12

Flyer zum Download

Drei über Dulk (362 KB)
Der unglaubliche Dulk (568 KB)
Der Apfelstrudel fällt nicht weit vom Königsberger Klops (536 KB)
Lea (605 KB)

Dulk 2013 (3,5 MB)