VFL-Post-Areal

Wettbewerb zur Bebauung des VFL-Post-Areals in der Pliensauvorstadt

Das Preisgericht prämierte städtebaulichen Struktur- und Freiraumentwürfe

Die nicht mehr für den Vereinssport benötigte, ca. 2,5 ha große Fläche des ehemaligen VFL-Post-Areals in der Pliensauvorstadt, soll künftig als Wohnquartier mit vielfältigen Wohnformen entwickelt werden.

Foto des VFL-Areals in der Pliensauvorstadt

Neben der Errichtung einer Wohnbebauung ist darüber hinaus die Herstellung einer ca. 6.500 m² große Grün- und Freifläche vorgesehen, die als Aktiv- und Bewegungsfläche für alle Bürger im Stadtteil zur Verfügung stehen soll.

Um dazu vielfältige und überzeugende Lösungen zu erhalten, hat die Stadt Esslingen als Eigentümerin des Areals einen Wettbewerb zur Ausarbeitung eines städtebaulichen Struktur- und Freiraumentwurfes ausgelobt. An diesem Wettbewerb haben sich 19 namhafte Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros beteiligt. Die Sitzung des Preisgerichts unter dem Vorsitz von Frau Professor Susanne Dürr fand am 30.11.2021 in der Osterfeldhalle in Esslingen-Berkheim statt.

Die beiden mit dem 1. Preis prämierten Büros - Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB, Tübingen mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung, Stuttgart und Superwien Urbanism ZT GmbH, Wien mit DnD Landschaftsplanung ZT KG, Wien -  gingen als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Zusätzlich hat das Preisgericht noch zwei dritte Preise und eine Anerkennung vergeben.
 

Am Ende wurden zwei Entwürfe mit jeweils einem ersten Preis prämiert, die sehr unterschiedliche Antworten auf die in der Auslobung formulierten Anforderungen gegeben haben. Während die eine Arbeit mit einem Quartiersparkhaus, vielfältigen Wohnformen in kleinteilig parzellierbaren Blockstrukturen überzeugt, überrascht der andere Entwurf mit großen, asymmetrisch geformten Einzelbaukörpern, die sich zu einer großzügig bemessenen Grün- und Freifläche öffnen.
 
Beide Entwürfe, die die Errichtung von bis zu 200 Wohnungen vorsehen, sollen nun, entsprechend den Vorgaben des Preisgerichtes, überarbeitet werden. Dabei steht nicht die Errichtung einer möglichst großen Anzahl von Wohnungen im Vordergrund, sondern die Entwicklung eines qualitativ hochwertigen Wohnquartiers mit angemessener Dichte. Deshalb sollen entsprechend den Wünschen der Vertreter des Stadtteils hinsichtlich der Herstellung einer für die Öffentlichkeit nutzbaren Aktiv- und Bewegungsfläche in angemessener Größe nachgekommen sowie den Nachweis geführt werden, dass durch eine Bebauung des Areals die für die Durchlüftung der Pliensauvorstadt relevanten Kaltluftströme nicht beeinträchtigt werden.

Die beiden ersten Preisträger:

Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung

Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung

Bewertung des Preisgerichtes für den Entwurf Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB, Tübingen mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung, Stuttgart:

Modellfoto Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitek-tur + stadtplanung
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: Modell Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung

Die Arbeit offeriert ein solides städtebauliches Grundgerüst aus drei Blockrand-organisierten Wohnhöfen, die durch ihre gezielte Dimensionierung und Ausrichtung sowohl eine Quartiersmitte formulieren als auch sinnfällige Verbindungen (Wege- und Sichtbeziehungen) in die Umgebung aufbauen. Die Wohnhöfe bestehen aus unterschiedlichen Bauformen - vom Stadthaus zum Stapelhaus und von der Baugemeinschaft zum Cluster-Wohnen - und lassen so eine starke soziale Durchmischung erwarten.

Hinzu kommen Gemeinschaftsflächen, die die Verfasser in Gebäudefugen und auf Flachdächern integrieren, die weitere Impulse im Hinblick auf eine langfristige Ausbildung stabiler Nachbarschaften erwarten lassen. Auch die Sondernutzungen wie Kita und Seniorenwohnen sind geschickt in die Wohnhöfe integriert. Die Höfe selbst sind weitgehend gut geschnitten und bieten weiteren Raum für nachbarschaftliche Aktivitäten. Die Höfe sind nicht unterbaut und können dementsprechend als grüne „Gartenhöfe“ großkronigen Baumbestand aufnehmen und der Retention und Versickerung von Regenwasser dienen.

Besonderes Merkmal des Entwurfes ist ein innovatives Verkehrskonzept. Auf kostenaufwändige Tiefgaragen wird zugunsten einer Quartiersgarage verzichtet, die im westlichen Teil des Areals verortet wird. Sie wird von Westen her erschlossen, womit das Quartier weitgehend vom Autoverkehr freigehalten wird. Dieses Prinzip wird allerdings durch die lange Zufahrtsmöglichkeit entlang der Hangfußkante konterkariert. Es stellt sich die Frage, ob die Stapelhäuser im Südosten des Areals nicht anderweitig für den Lieferverkehr angebunden werden können. Auch passen die Stellplätze vor der Kita nicht zum Anspruch, den Autoverkehr aus dem Quartier herauszuhalten. Es gelingt den Verfassern, die Quartiersgarage sinnvoll in die Gesamtstruktur einzubinden. Durch die Kombination mit dem südwestlichen Wohnhof wird die Baumasse geschickt integriert und zusätzlich der Lärm von Straße und Bolzplatz von den sensiblen Wohnnutzungen abgeschirmt. Die Garage erhält ein bespielbares Dach („Activity roof“), die Fassade wird begrünt oder als Kletterwand nutzbar gemacht. Darüber erhält die Quartiersgarage durch eine 5 geschossige punktförmige Eckbebauung – ein sog. Mobility-Hub mit Café – ein besonderes Gesicht zur Quartiersmitte, trägt also ihrerseits zur Belebung des öffentlichen Raumes bei.

Im Zusammenspiel von robusten Wohnhöfen und Quartiersgarage mit Mobility-Hub schält sich mithin ein gut dimensionierter Quartiersplatz heraus. Der Platz fungiert als Mitte, aber auch als Adresse des Quartiers und wird in seiner Bedeutung neben dem Mobility Hub durch ein Werkstatthaus unterstrichen, das sich im Westen an den Platz anlagert. Es enthält Räume für gemeinschaftliche Aktivitäten und ein Quartiersmanagement. Auch die Kita wird über den Quartiersplatz angedient, was zu dessen Belebung beiträgt.

Wie am Quartiersplatz so zeigt der Entwurf insgesamt eine ambitionierte Freiraumgestaltung. Im Besonderen versucht er, die waldartigen Freiräume am Hangfuß mit denen entlang des Champagnebaches zu verbinden und auch eine Verbindung entlang der Weilstraße zum Bolzplatz zu knüpfen. Die Jury würdigt diese Geste und begrüßt die Herausarbeitung des Bolzplatzes im Übergang zum nördlich angrenzenden Schulstandort. Sie vermisst aber konkretere Darstellungen zur Renaturierung des Champagnebaches und stellt insbesondere die Breite des Freiraums in diesem Abschnitt in Frage. Der Freiraum entlang der Parkstraße müsste breiter sein, um weitergehende Aufenthaltsqualitäten für die Pliensauvorstadt zu bieten und als wirkmächtige Kaltluftleitbahn zu fungieren. Sieht man von der zu schwachen Freiraumausprägung entlang der Parkstraße ab, so überzeugt der Entwurf durch die geschickte funktionale und stadträumliche Verknüpfung von innovativen Wohnformen und zukunftsweisender Mobilität. Es entsteht ein neues, gut vernetztes Quartier, das sich in einem heterogenen Umfeld behaupten und eine eigene Identität ausbilden kann. 

Zur Beschreibung mit Plänen und Ansichten des Entwurfverfassers (12,4 MB)

Perspektive auf das neue Quartier
Perspektive auf das neue Quartier, Entwurfsverfasser: Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung
Perspektive auf den Quartiersplatz
Perspektive auf den Quartiersplatz, Entwurfsverfasser: Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung
Modellfoto des neuen Quartiers Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB Partnerschaft mbH mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: Hähnig | Gemmeke, Architekten BDA Partnerschaft mbB mit bäuerle landschaftsarchitektur + stadtplanung

Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG

Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG

Bewertung des Preisgerichtes für den Entwurf Superwien Urbanism ZT GmbH, Wien mit DnD Landschaftsplanung ZT KG, Wien:

Modellfoto Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG

Die Arbeit formt durch 4 gleichmäßig, leicht gefaltete Baukörper zwei nach Süden geöffnete Baufelder. Diese bilden rechts und links einer gut proportionierten Mittelachse zwei weitläufige unterschiedlich tief ausgebildete Höfe, in die die Landschaft großzügig hineinfließt und dabei einen angemessenen Abstand zur steilen Hanglage hält. Zur Weilstraße präsentiert sich das neue Quartier mit einer langgezogenen geschlossenen Baukante und einem 7-geschossigen Hochpunkt der einen Dialog zu den oben am Hang stehenden Hochhäusern aufnimmt. Man gelangt von Norden entlang belebter Erdgeschosszonen und dem Bolzplatz zum zentralen Platz. Diese Wegeführung zitiert in Lage und Gestaltung die Trasse der ehemaligen Laufbahn, die als Bewegungsband bis in den Süden des Quartiers führt. Der Stadtplatz ist als Treffpunkt für das Quartier im Maßstab gut gewählt ist und wird durch eine zweite markante Raumkante gefasst. Dieser Baukörper nimmt neben der Gastronomie auch die Kita auf, die attraktive Freiflächen im Norden und Süden erhält. Alle 4 Gebäudeformen spielen bewusst mit den Gebäudehöhen zwischen 5 und 7 geschossen und bieten dadurch großzügige und attraktive Dachlandschaften an.

Eine Tiefgarage wird für das gesamte Quartier angeboten, die Einfahrt erfolgt von der Weilstraße in das hohe Kopfgebäude. Dadurch soll das neue Quartier von Autoverkehr freigehalten werden. An der zentralen Mittelachse wird ein Mobility Hub angeboten. Alternative Mobilitätsangebote werden nicht gemacht.

Die Privatheit der Wohnungen ist in die landschaftliche und mit Schwerpunkt auf Grün ausgeformten Höfe ausgerichtet, die attraktive Angebote für gemeinschaftliche Nutzungen mit Bewegungs- und Spielangeboten machen. Ein Wechsel von privatem und halböffentlichem Grün wird skizziert. Die Konzentration der Baumassen auf wenige Baukörper erlaubt eine sehr großmaßstäbliche Vernetzung von zusammenhängenden Grünflächen, die nach Süden und Osten das Quartier einfassen und durch ihre Tiefe auch neben den Nutzungsangeboten Lebensräume für Tiere bieten können, da sich die Nutzungen räumlich entflechten können. In den 4 Baukörpern stellen sich die Verfasser eine hohe Flexibilität von Wohnformen und Wohnungstypen vor. Zur Verteilung und Durchmischung trifft die Arbeit außer der Situierung des Seniorenwohnens im südlichen Baukörper allerdings keine Aussagen. Die gewünschten Reihenhaustypologien werden nicht angeboten. Inwieweit Baugruppen in den Großformen zielführend organsiert werden können, wird kontrovers diskutiert. Auch die geringe Parzellierung von 4 Parzellen wird in diesem Zusammenhang kritisch gesehen. Das Quartier soll sich in 4 Phasen entwickeln.

Die Sammelgarage wird mit der Silhouette an der Weilstraße im ersten Bauabschnitt errichtet. Der städtebauliche Entwurf bietet durch die Mittelachse und vor allem die großzügigen Freiräume im Osten auch zukünftig gute Strömungswege und damit eine Weiterleitung der Frischluft auch in den umliegenden Stadtraum. Durch die teilweise Offenlegung des Bachs, den Erhalt des Baumbestands, mit Angeboten von Retentionsräumen und Vorschlägen für Fassadengrün macht die Arbeit sinnhafte Vorschläge zur Klimaresilienz. Die Bündelung der Baumasse führt zu einer hohen BGF bei deutlich reduzierten Erschließungsflächen und überdurchschnittlichem Freiflächenanteil. Es werden 30% mehr Wohneinheiten als gefordert realisiert. Die Flächen der Kita sind 20% unter dem Soll, auch sind die Vorgaben für den Kitafreibereich und die Spielflächen nicht klar ablesbar. Kritisch diskutiert wird die Angemessenheit der städtebaulichen Struktur an diesem Ort.

Das Preisgericht stellt die Frage, ob der Maßstab der Arbeit nicht eher in urbanen, innerstädtischen Strukturen zu finden ist und ob sich diese in den Kontext der umliegenden Quartiere einfügt und damit den Dialog mit den Siedlungsstrukturen aufnehmen können wird.

Zur Beschreibung mit Plänen und Ansichten des Entwurfsverfassers (34,5 MB)

Perspektive auf das neue Quartier
Perspektive mit Blick von der Weilstraße, Entwurfsverfasser: Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG
Visualisierung des Quartiersplatzes
Perspektive mit Blick auf den Quartiersplatz, Entwurfsverfasser: Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG
Visualisierung mit Blick in den Gemeinschaftshof
Visualisierung mit Blick in den Gemeinschaftshof, Entwurfsverfasser: Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG
Modellfoto Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: Superwien Urbanism ZT GmbH mit DnD Landschaftsplanung ZT KG

Die beiden 3. Preisträger:

Project GmbH mit Cornelia Franke

Project GmbH Planungsgesellschaft für Städtebau, Architektur und Freianlagen, Esslingen mit Cornelia Franke

Modellfoto Project GmbH Planungsgesellschaft für Städtebau, Architektur und Freianlagen, Esslingen mit Cornelia Franke
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: Project GmbH Planungsgesellschaft für Städtebau, Architektur und Freianlagen, Esslingen mit Cornelia Franke

Die besondere Qualität des Entwurfs liegt in der konsequenten Anordnung der Grün und Freiflächen am östlichen Quartiersrand, da dadurch die Anforderungen an Kaltluftabfluss und das Angebot an zusammenhängenden Aktiv- und Bewegungsflächen sinnvoll miteinander verknüpft werden. Die zweite Strömungsachse für den Kaltluftabfluss wird in Form des zentralen Angers in Nord-SüdRichtung („Grüne Mitte“) angelegt. In Zuordnung zu diesem Anger werden Kita, besondere Wohnformen, Cafe, nicht störenden Gewerbe vorgesehen.

Eine dritte Kaltluftschneise verläuft im Bereich der geplanten Erschließungsstraße am westlichen Rand des Quartiers.

Für die Bebauung werden 4 ablesbare Baufelder mit L-förmigen Gebäudestrukturen (3-4 Geschosse) vorgeschlagen, mit drei 6-geschossigen Hochpunkten an den Quartiersrändern. Zur Förderung der Nachbarschaften innerhalb der Wohnhöfe schlagen die Verfasser vor, die Wohnungen größtenteils über die Innenhöfe zu erschließen.
Innerhalb dieser Baustruktur werden differenzierte Wohnformen angeboten (Miet-, Sozial-, Eigentumswohnungen) sowie gestapelte Reihenhäuser. So großzügig einerseits die öffentlichen Freiräume auch dimensioniert sind, so ist andererseits die Dimensionierung der Wohnhöfe zu gering, um attraktive Belichtungs- und Aufenthaltsqualitäten zu schaffen. Besonders deutlich wird dies in der zu knapp bemessenen Kita-Freifläche im Innenhof.

Die Parkierung erfolgt in Form zweier Tiefgaragen, die im nördlichen Teil der Erschließungsachsen angebunden sind und 2 Wohnhöfe unterbauen. Durch die Unterbauung ist die ökologische Wirksamkeit stark eingeschränkt, andererseits entstehen durch die großzügig bemessene Grün- und Freifläche funktionierende Strukturen mit hoher ökologischer Wirksamkeit für Biodiversität, Vernetzung, Retention, Mikroklima.

Die aufwendige Gestaltung des zentralen Angers mit Fontänenfeld etc. ist kritisch zu hinterfragen, die angebotenen Bausteine überzeugen hier nicht.
Das Angebot an privaten, gemeinschaftlichen und öffentlich nutzbaren Grünflächen ist differenziert. Grundflächenzahl und Geschossflächenzahl befinden sich im Mittel. Die relativ geringe Zahl an 119 Wohnungen ergibt sich neben der geringen Nettobaulandfläche von nur 11.549 m² auch aus dem vorgeschlagenen hohen Anteil an Reihenhäusern.

Thomas Schüler Architekten mit Planstatt Senner

Thomas Schüler Architekten, Stuttgart/Düsseldorf mit Planstatt Senner GmbH, Überlingen

Modellfoto Thomas Schüler Architekten, Stuttgart/Düsseldorf mit Planstatt Senner GmbH, Überlingen
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: Thomas Schüler Architekten, Stuttgart/Düsseldorf mit Planstatt Senner GmbH, Überlingen

Das neue Wohnquartier orientiert sich gelassen mit seiner Struktur an der Orthogonalität des bestehenden Bolzplatzes, entwickelt daraus seine städtebauliche Figur und nimmt so den Sportplatz selbstverständlich in sein Gefüge auf. Die vorgeschlagenen drei Baufelder nehmen geschickt die umliegende städtebauliche Körnung auf und vernetzten sich elegant mit der Nachbarschaft. Unterstützt wird dies durch die Aufnahme und Weiterführung der Gebäudehöhen aus dem Umfeld. Das vierte Baufeld im Ideenteil fügt sich ebenfalls ruhig in das neue Quartier ein und führt das Thema der Hofbildung fort. Der an das Gebiet angrenzende Freiraum wird beachtet, aufgenommen sensibel weitergeführt und zum wesentlichen Bestandteil des neuen Wohnumfeld. Lediglich die Spielflächen im Osten werden kritisch diskutiert, hier könnte mehr Fläche angeboten werden.

Die klar definierten Baufelder werden über ein kreuzförmiges Erschließungssystem geschickt angebunden und die Raumkammern, die dazwischen entstehen, lassen einen gut proportionierten und abwechslungsreichen öffentlichen Raum entstehen.
Am Kreuzungspunkt entsteht mit dem dort zentralen Quartierraum das Herzstück des gemeinschaftlichen Wohnens. Hier sind folgerichtige öffentliche Einrichtungen wie Quartiershaus, Kita und Nachbarschaftscafe verankert.

Das Mobilitätskonzept sieht hier einen verkehrsfreien Stadtraum vor, gewährleistet somit eine hohe Aufenthaltsqualität und schafft sinnvolle nutzungsoffene gemeinschaftliche Freiflächen. Kritische diskutiert wird die kompakte Größe und Funktionalität hinsichtlich Veranstaltungen diskutiert. Die Mobiltätsstation am Zugangsbereich der Weilerstraße versorgt das Quartier mit alternativen Verkehrskonzepten. Allerdings wird die vorgesehen Erschließung des Quartiers mit Bolzplatzumfahrung kritisch diskutiert. Der vorgesehene verkehrsfreie Innenbereich wird hoch anerkannt, allerdings sind die Zufahrten zu den Tiefgaragen zu nahe am Platzbereich und auch die Frage nach innovativen Mobilitätskonzepten wird nicht beantwortet.

Die klar und robust strukturierten Baufelder bieten einen stabilen Rahmen für kleinteilige bauliche Entwicklungen und lassen einen gut dimensionierten und lebendigen Hofbereich erwarten. Die vorgeschlagene Durchmischung ermöglicht flexible Typologien auf unterschiedlichen Parzellengrößen. Die Wohnungsbauten sind gemäß Ihrer Orientierung richtig proportioniert und lassen eine gute Wohnqualität erwarten. Die vorgeschlagene bauliche Dichte ist gut gewählt und fügt sich in das Bestandsgebiet selbstverständlich ein. Das neue VFL-Post-Areal überzeugt mit einem nachvollziehbaren und präzisen Städtebau, der sich unaufgeregt in die bestehende Nachbarschaft einbindet und eine neues lebendiges Stadtquartier mit hohen freiräumlichen Qualitäten erwarten lässt.

Anerkennung:

K9 Stadtplaner mit factorgrün

K9, Stadtplaner, Freiburg mit faktorgrün, Freiburg

Modellfoto K9, Stadtplaner, Freiburg mit faktorgrün, Freiburg
Modellfoto: kohler grohe architekten, Entwurfsverfasser: K9, Stadtplaner, Freiburg mit faktorgrün, Freiburg

Der Entwurf setzt ein stimmiges städtebauliches Ensemble aus drei Baufeldern mit offenen Wohnhöfen. Jedes Baufeld schließt unterschiedliche Typologien ein und bietet damit eine eine bunte Durchmischung der gewünschten Wohnformen an. Den vierten Baustein bildet die Quartiersgarage an der Weilstraße, die den Bolzplatz auf ihre Dachfläche verlagert hat. Die städtebauliche Setzung rahmt die Weilstraße mit einer nahezu geschlossenen Raumkante.

Im Inneren des Quartiers wird eine sehr schöne Ost-West-Durchwegung angeboten. Vom naturnah gestalteten Champagne-Park im Osten wird über die Außenterrasse eines Cafés, das dem Gebäude mit Seniorenwohnen zugeordnet ist, eine Raumsequenz aufgebaut, die den Blick in die Innenhöfe öffnet und dann zum sogenannten Entrée-Platz führt. Dieser Platz dient der Adressbildung und wird von Sonderwohnformen gesäumt. Der Weg führt weiter entlang einer Kaskaden-Treppe, die auf das Dach der Quartiersgarage und zum Bolzplatz führt.

Im Süden wird ein zweiter Wohnweg ausgebildet, der den Übergang zur Waldkante und grünen Innenhöfen bildet. Die Innenhöfe haben private Gärten in den Randbereichen und gemeinschaftliche genutzte Wohnhöfe in ihrer Mitte. Der im Osten gestaltete Champagne-Park bietet neben dem markanten Baumbestand Sitzstufen, Spielbereiche und Zugang zum Wasser an. Die fünf-gruppige Kita im Süd-Osten ist nur zu Fuß zu erreichen, aber sie gewinnt durch den vorgelagerten Park und die geschützten Freibereiche. Für den Kaltluftabfluss ist der Champagne-Park stadträumlich richtig positioniert, jedoch in seiner Tiefe zu knapp bemessen. Die Gestaltung als offener Retentionsbereich wird begrüßt.

Die große Gebäudetiefe über den Sonderbausteinen im Quartier wird genutzt für besondere Wohnformen. In Kombination mit fünf Vollgeschossen in der Quartiersmitte entsteht ein sehr dichtes Quartier mit einer GFZ von ca. 1,68. Die BGF überschreitet den Durchschnitt der Wettbewerbsarbeiten um mehr als 6.000 qm und bietet 20% mehr Nettobauland als die vergleichbaren Arbeiten. Der überwiegende Anteil der Wohnungen liegt im Geschoßwohnungsbau. Das Angebot gestapelter Reihenhäuser für einzelne Bauherren ist nachvollziehbar, für Baugruppen ist diese Typologie zu hinterfragen. Das Konzept mit Ankernutzungen zugleich Verantwortlichkeiten für die Pflege der gemeinschaftlichen Innenhöfe, für das Parkieren der Fahrräder und für die Ver- und Entsorgung, zu verbinden, klingt vielversprechend. Es fehlt allerdings erläuternden Angaben, um dieses Konzept nachvollziehen zu können.

Die Position der Quartiersgarage und der Bolzplatz auf ihrer Dachfläche werden sehr kontrovers hinsichtlich einer möglichen Umsetzung diskutiert. Der Verzicht auf diese wichtige Freifläche während der Bauzeit, die Hürde der Erschließung und der Verzicht auf die bisherige Freiraumqualität werden kritisch gesehen. Die Berücksichtigung von Schallschutzanforderungen ist erfolgt. Die Quartiersgarage selbst ragt im Nord-Westen dominant in den Straßenraum. Die Zufahrt ist zugleich auch der Zugang zum Quartier und damit wird ein stadträumlich schwieriger Quartiersauftakt erzeugt.

Für das Energiekonzept werden ein Nahwärmenetz mit Wärmepumpen und Erdsonden sowie PV vorgeschlagen.

Der Entwurf bietet einen wertvollen Beitrag zum Wettbewerb, auch wenn die dichte städtebauliche Setzung weder im Kontext der Weilstraße noch in ihrer Höhenentwicklung in Verbindung zu den Punkthäusern im Süden überzeugen kann. Trotz spannender Raumsequenzen wird der Wunsch der Auslobung nach einer flexiblen Aktiv- und Bewegungsfläche für das Quartier und seine Nachbarschaft mit der vorgeschlagenen Lösung nicht erfüllt.

Wie geht es weiter?

Aktuell geplanter zeitlicher Ablauf:

(Angabe in Monat/Jahr)

  • Anfertigen einer "Klimastudie" zu den beiden prämierten Arbeiten mit Überarbeitungshinweisen: 01/2022 
  • Überarbeitung der beiden Arbeiten: 03/2022
  • Finale Entscheidung des Preisgerichtes: 04/2022
  • Ausarbeitung der prämierten Arbeit durch das Siegerbüro zum städtebaulichen Entwurf: 07/2022
  • Ausarbeitung und Beschluss des Bebauungsplan-Vorentwurfes: 10/2022
  • Ausarbeitung und Beschluss des Bebauungsplan-Entwurfes: 07/2023
  • Satzungsbeschluss Bebauungsplan: 12/2023
  • Vergabe der Grundstücke in 2023
  • Beginn Erschließungsmaßnahmen ab 2024