Ebershaldenfriedhof

Der Ebershaldenfriedhof

Über 150 Jahre  Bestattungskultur in Esslingen am Neckar.

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Bestattungs- aber auch Grabart will wohl überlegt sein, eine spätere Änderung (Umbettung) ist in den meisten Fällen aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Der Ebershaldenfriedhof bietet folgende Bestattungsmöglichkeiten an:

Bestattungsart

Bestattungsart

Erdbestattung
Erdbestattung ist die Bestattung Verstorbener in einem Sarg in einer Grabstätte.

Feuerbestattung
Feuerbestattung ist die Einäscherung Verstorbener in einem Sarg und die Beisetzung der Asche in der Urne in einer Grabstätte.

Reihengrabstätten

Reihengrabstätten

Kinderreihengrab
In einen Kinderreihengrab kann nur ein Kind bis zum Alter von 10 Jahren beigesetzt werde. Die Grabstätte wird von der Friedhofsverwaltung vergeben und kann nicht frei gewählt werden. Nach Ablauf des 10-jährigen Sorgerechtes ist eine Verlängerung nicht möglich.

Erdbestattungsreihengrab
Erdbestattungsreihengräber sind Grabstätten für Erdbestattungen, die der Reihe nach belegt und im Todesfall für die Dauer der Ruhezeit zugeteilt werden.  Nach Ablauf der Ruhezeit ist eine Verlängerung des Nutzungsrechtes nicht möglich.

In einem Erdbestattungsreihengrab darf jeweils nur ein Verstorbener beigesetzt werden.

Die Lage der Grabstätte wird von der Friedhofsverwaltung für die Dauer der gesetzlichen Ruhezeit von 20 Jahren vergeben. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht.

Urnenreihengrab
Urnenreihengräber sind Urnengrabstätten die der Reihe nach belegt und im Todesfall für die Dauer der Ruhezeit zugeteilt werden. In einem Urnenreihengrab können mehrere Urnen gleichzeitig beigesetzt werden.
Die Lage der Grabstätte wird von der Friedhofsverwaltung für die Dauer der gesetzlichen Ruhezeit von 20 Jahren vergeben. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht. Nach Ablauf der Ruhezeit ist eine Verlängerung des Nutzungsrechtes nicht möglich.

Die Ruhezeit für Leichen und Aschen beträgt einheitlich 20 Jahre; bei Verstorbenen bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr 10 Jahre.

Wahlgrabstätten

Wahlgrabstätten

Kinderwahlgräber
Kinderwahlgrabstätten können innerhalb der ausgewiesenen Kindergrabfelder frei ausgewählt werden. Das Nutzungsrecht wird erstmals für 10 Jahre vergeben, es ist jedoch verlängerbar.

Erdbestattungswahlgräber
In Erdbestattungswahlgrabstätten sind (bei gleichzeitig laufenden Ruhezeiten) zwei Erd- und sechs Aschenbestattungen zulässig. Das Nutzungsrecht muss im Einzelfall entsprechend angepasst werden. Es wird zunächst wahlweise für 20 bis 30 Jahre vergeben und kann jedoch im Rahmen der Satzung verlängert werden. 

Urnenwahlgräber
In Urnenwahlgrabstätten können mehrere mit laufender Ruhezeit beigesetzt werden. Die Anzahl der Urnen, die beigesetzt werden können, richtet sich nach der Größe der Urnengrabstätte und der Urnen. Die Lage der Wahlgrabstätte kann jeweils von den Hinterbliebenen frei ausgewählt werden. Das Nutzungsrecht wird zunächst wahlweise für 20 - 30 Jahre vergeben. Es kann jedoch im Rahmen der Satzung verlängert werden.

Die Ruhezeit für Leichen und Aschen beträgt einheitlich 20 Jahre; bei Verstorbenen bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr, 10 Jahre.

Baumbestattung

Baumbestattung

Auf dem Ebershaldenfriedhof können Urnen am Fuße von Bäumen beigesetzt werden. Die Friedhofverwaltung hat dafür passende Areale ausgewiesen. Die einzelnen Bestattungsplätze können von den Angehörigen frei ausgewählt werden und bieten jeweils Platz für die Beisetzung von 4 Urnen.

Die einzelnen Bestattungsplätze sind jeweils mit einer Grabplatte versehen, die von einem Bildhauer mit dem Namenszug des Verstorbenen versehen werden kann.

Das Grabnutzungsrecht wird für mindestens 20 Jahre verliehen und kann nach Ablauf der Nutzungsdauer verlängert werden.

Infoblatt Baumbestattung (307 KB)

Grabstätten für Frühgeborene

Auf dem Ebershaldenfriedhof befindet sich eine Grabstätte für nicht bestattungspflichtige Frühgeborene und Fehlgeburten.

Ebershaldenfriedhof
Friedhofsgebäude
Friedhofsgebäude
Verabschiedungsraum
Erdbestattungsgräber
Urnenbestattungsgräber
Baumbestattungsplatz

Bestimmungen und Verordnungen

Grundsätzlich gelten die Bestimmungen und Vorgaben § 16 - 21 Friedhofsatzung der Stadt Esslingen am Neckar in der jeweils gültigen Fassung.

Auszug Friedhofsatzung § 16
Grabarten (1,3 MB)
Grabmalgenehmigungsantrag

Versetzanleitung für Grabeinfassungen und Grababdeckungen
Versetzrichtlinie (54 KB) (54 KB)

Friedhofsatzung
Friedhofgebührensatzung

Geschichte

Am Ende des 18. Jahrhunderts befanden sich alle Esslinger Friedhöfe innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern. Wie Julius Fekete in seiner lesenswerten Abhandlung zur Geschichte des Ebershaldenfriedhofs näher darstellt (siehe Literaturhinweis unten), sind Kirchhöfe um die Stadtkirche St. Dionys, an der Agnesbrücke, am ehemaligen St. Klara-Kloster in der Obertorvorstadt und am früheren Sirnauer Kloster in der Pliensau überliefert. Die Verstorbenen der westlichen Innenstadt wurden auf dem Agnes-Kirchhof begraben, die der östlichen Innenstadt und der Obertorvorstadt auf dem Klarakirchhof, die in der Beutau und der Mettinger Vorstadt auf dem Predigerkirchhof und die der Pliensauvorstadt auf dem Friedhof am ehemaligen Sirnauer Kloster. An der Pfarrkirche St. Dionys wurden die Vornehmen beigesetzt. In den Vororten Mettingen, Rüdern, Sulzgries und Sankt Bernhardt gab es ebenfalls Friedhöfe.
 
Der erste Begräbnisplatz außerhalb dieses jahrhundertealten Gürtels wurde 1808 vor dem Schelztor angelegt. Nach und nach wurden jedoch die innerstädtischen Kirchhöfe – teils aus hygienischen Erkenntnissen und gesundheitspolizeilichen Überlegungen heraus, teils aus Platzmangel – aufgelassen und eingeebnet. Damit war der Anlaß für die Anlage eines neuen Friedhofs außerhalb der damaligen Stadt gegeben. 1836 wurden in den Ebershaldengärten mit den Arbeiten dafür begonnen. Die Eröffnung des neuen Friedhofs erfolgte 1843, die erste Bestattung am 02.04.1844.
 
Im Jahre 1869 ist der noch heute vorhandene israelitische Begräbnisplatz eingerichtet worden; bis dahin diente der jüdischen Gemeinde der kleine Friedhof vor dem Beutautor. Er wurde bereits 1874 geschlossen und ist heute nur im Rahmen von autorisierten Führungen zugänglich.
Nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Keppler im Stile der italienischen Renaissance erbaut, ist 1902 die neue Bestattungshalle auf dem Ebershaldenfriedhof ihrer Bestimmung übergeben worden. Sie ist u.a. mit herrlichen Jugendstilfenstern ausgestattet.
Jüdisches Grabfeld
 
Das Gebäude wird bis heute mit verschiedenen, in der Zwischenzeit erfolgten Anbauten, als Sitz der Friedhofsverwaltung sowie als Leichenhaus und Feierhalle genutzt. Ab 1913 wurde neben dem Baukörper der Feierhalle das Krematorium angelegt. Der Gebäudekomplex ist beispielhaft für die Monumentalbaukunst des Späthistorismus in der Friedhofsarchitektur und daher seit 1986 ins Denkmalbuch eingetragen.
Erweiterungen des Ebershaldenfriedhofs erfolgten um 1930 und zwischen 1947 und 1951. Die Grabmäler dieses Friedhofs spiegeln in hervorragender Weise die Geschichte der Friedhofskultur von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit wieder.
 
Seit 1993 wurde die klassizistische Einfriedigung aus dem gusseisernen Staketenzaun mit Sandsteinsockel schrittweise saniert. Zwischenzeitlich ist auch der Innenraum der sehenswerten Feierhalle denkmalgerecht und ansprechend renoviert worden.
 
Weitere Informationen, auch zu den Themen Begräbniswesen, Friedhofsgärtner, Wildpflanzen und Vogelwelt sind zu finden in: 

Beiträge zu 150 Jahren Friedhofs- und Bestattungskultur in unserer Stadt, Heft 2 der Schriftenreihe des Grünflächenamtes, 1995

Jüdisches Grabfeld

Nachdem der Platz auf dem jüdischen Friedhof in der Beutau nicht mehr ausreichte hat die Stadt im Jahr 1874 ihren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern auf dem neu eröffneten Ebershaldenfriedhof ein Areal zur Verfügung gestellt.

Mayer Levi, Lehrer und Vorsänger der jüdischen Gemeinde war der erste, der dort bestattet wurde. Im Laufe der Jahre kamen zahlreiche Prominente Esslinger Bürger dazu, wie z.B. der Handschuhfabrikant Daniel Jettels (1832-1900), Jakob Lindauer, Kirchenvorsteher der israelitischen Gemeinde der Stadt, Anna Rotschild (1874-1925) Hausmutter am Israelitischen Waisenhaus und erste Frau Theodor Rotschilds.

Noch bis vor wenigen Jahren war es unbekannt, dass 15 im KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen verstorbene Häftlinge im Dezember 1944 nach Esslingen transportiert, im hiesigen Krematorium verbrannt und anschließend auf dem Ebershaldenfriedhof bestattet wurden. Erst die Historikerin Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt hat eine entsprechende Quelle in unserem Stadtarchiv entdeckt. Dank der Forschungen von Volker Mall und Harald Roth ist es gelungen, den Toten wenigsten einen Namen zu geben.

Bekannt waren hingegen die Namen von 19 Menschen, die im KZ-Außenlager Echterdingen ums Leben kamen und im Winter 1944/45 eingeäschert und beigesetzt wurden.

Der gemeinderätliche „Arbeitskreis Gedenken“ beschäftigte sich damit, den 15 Toten aus Hailfingen-Tailfingen ein ehrendes Gedenken zu geben und es wurde bald klar, dass die 19 namentlich bekannten Opfer aus Echterdingen in gleicher Weise gewürdigt werden müssen.

Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Von Beginn an war es der Stadt wichtig, die Entscheidung für eine konkrete Lösung auf ein breites gesellschaftliches und fachliches Fundament zu setzen. Eine Jury, der auch der Landesrabbiner Netanel Wurmser angehörte, hat sich der inhaltlich und gestalterisch komplexen Herausforderung angenommen. Die überregional angesehene Bildhauerin Rotraud Hofmann hat sich auf die Komplexität, die Geschichte und auch das Leid eingelassen, das diesen Ort kennzeichnet und mit großem Einfühlungsvermögen eine angemessene Lösung gefunden, die an den monumentalen Davidstern anknüpft und andererseits der Individualität der Opfer Raum gibt. 

Am 18. Juli 2013 fand die Grabsteinsetzung für die 34 Opfer aus den KZ-Außenlagern Hailfingen-Tailfingen und Echterdingen auf dem jüdischen Grabfeld des Ebershaldenfriedhofs statt.

Stadtarchiv und Grünflächenamt haben eine Dokumentation mit Texten von Dagmar Weinberg zusammengestellt. Diese Dokumentation ist in der Friedhofsverwaltung auf dem Ebershaldenfriedhof sowie im Bürgerbüro erhältlich.