Pressemitteilung 27.09.2022

Seyran Ateş erhält den Theodor-Haecker-Preis

Der Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen am Neckar – Internationaler Menschenrechtspreis für politischen Mut geht 2023 an die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ateş. Der Preis ist mit 10.000,-- Euro dotiert, die Preisvergabe findet am 24. März 2023 um 19 Uhr im Esslinger Neckar Forum statt.

Seyran Ates © Atelier Ates

Die deutsche Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin türkischer und kurdischer Abstammung wird für ihr Engagement gegen die Diskriminierung und Unterdrückung von muslimischen Frauen ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit ist Seyran Ateş seit vielen Jahren Hoffnungsträgerin für viele Mädchen, Frauen und Mitglieder der LGBTQ+ Communtiy, die unter einem patriarchalischen Rollenverständnis und einer traditionellen Gesellschaftsstruktur leiden. Sie wünscht sich einen friedlichen, demokratischen, gewalt- und diskriminierungsfreien Islam. Deshalb setzte sie sich für die Gründung einer alternativen Moschee in Berlin und für eine zeitgemäße und geschlechtergerechte Auslegung des Koran sowie der Hadithen ein. In den vergangenen Jahren positionierte sie sich auch in Fragen zur Migration.

Indem sie Seyran Ateş den Theodor-Haecker-Preis zuerkennt, möchte die Stadt Esslingen am Neckar unter anderem ein Bewusstsein dafür stärken, dass noch immer insbesondere junge Frauen von Diskriminierung und Unterdrückung, von Zwangsheirat, häuslicher Gewalt oder Gewalt im Namen der Ehre bis hin zum Ehrenmord bedroht sind – auch in Deutschland.

Die Theodor-Haecker-Ehrung 2023 erhält der Stuttgarter Verein Esther Ministries. Der einmalige Ansatz des Vereins gab dabei den Ausschlag für die Entscheidung – sein Engagement gegen Zwangsprostitution und sexuelle Ausbeutung umfasst viel mehr als Unterstützung und Aufklärung. Vor allem hilft Esther Ministries mit seinem breiten Nachsorgeangebot den Opfern und bietet echte Alternativen und Chancen, nachhaltig aus dem Rotlichtmilieu auszusteigen und ein eigenständiges Leben nach der Prostitution führen zu können. Die Ehrung ist mit einer Geldsumme von 1.500,-- Euro dotiert; überreicht wird sie im Rahmen der Theodor-Haecker-Preisverleihung.

Der Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen am Neckar – Internationaler Menschenrechtspreis für politischen Mut wird im Turnus von drei Jahren an eine Person oder Gruppe des öffentlichen Lebens verliehen, die sich in herausragender Weise um Menschenrechte, Demokratie, Freiheit, Frieden und Menschlichkeit bemüht und deren Werk der Tradition Haeckers würdig ist. Die Stadt Esslingen am Neckar verleiht den Preis seit 1995 zum Andenken an den Namensgeber Theodor Haecker und in Erinnerung an eine leidvolle deutsche Vergangenheit. Als Internationaler Menschenrechtspreis zählt er zu den am höchsten dotierten Auszeichnungen seiner Art in Deutschland.

Mit der zugehörigen Theodor-Haecker-Ehrung kann beispielsweise eine Person oder Gruppe ausgezeichnet werden, die sich auf besondere Weise mit Themen wie Radikalismus, Gewalt, Frieden oder Diktatur auseinander gesetzt hat. Sie wird an in Deutschland Engagierte vergeben mit besonderem Fokus auf die Region Stuttgart und dem süddeutschem Raum.

Theodor Haecker wurde 1879 in Eberbach geboren und lebte später in Esslingen am Neckar. Während des Nationalsozialismus war Haecker mit Rede- und Publikationsverbot belegt. In dieser Zeit entstand sein wichtigstes Werk, die »Tag- und Nachtbücher«. Diese Tagebuchnotizen sind das Dokument eines Intellektuellen gegen den Nationalsozialismus. Haeckers Ausführungen galten im Widerstand gegen das Hitler-Regime als wichtigstes schriftliches Dokument. Theodor Haecker hatte Bindungen an den Kreis der Geschwister Scholl, in dessen Runde er mehrfach Auszüge seiner »Tag- und Nachtbücher« vortrug. Er starb 1945 in Ustersbach.

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