Pressemitteilung 17.12.2021

Fichtenbestand auf dem Schurwald wird reduziert

Der Waldumbau im Esslinger Stadtwald ist seit Jahrzehnten in vollem Gange. Aktuell reduziert das Grünflächenamt den Fichtenbestand auf dem Schurwald.

Gefällte Baumstämme ©Stadt Esslingen

Im Auftrag der städtischen Forstverwaltung erntet in diesen Tagen ein Forstunternehmen zwischen Aichschieß und dem Jägerhaus schwerpunktmäßig Fichtenstämme im Stadtwald Esslingen. Die Bäume sind nicht zufällig ausgewählt. Sie werden im Rahmen des Waldumbaus hin zu klimastabileren Wäldern gefällt. Der Einschlag der Nadelbäume in den Waldgebieten Birkengehren, Braunhalde, Saißleshau und Gunzen wurde deshalb bereits 2016 im letzten 10-jährigen Waldpflegeplan für den Stadtwald festgeschrieben.

Mit der Ernte der Fichten werden Mischbaumarten in den genannten Waldgebieten gefördert, die Voraussetzungen für die Pflanzung von tiefwurzelnden Weißtannen geschaffen und die natürliche Ansamung und Entwicklung von Laubbäumen wie Rotbuchen und Bergahornen gefördert. Das geschlagene Nadelholz geht an regionale Sägewerke und Holzverarbeiter.

Für viele Altfichten ist der Erntezeitpunkt schon seit Jahren gekommen. Zahlreiche Bäume weisen bereits Pilzbefall und Stammfäule im Inneren auf, die nicht nur das Holz entwerten, sondern auch Auswirkungen auf die Stabilität haben. Vor einem Kahlschlag muss sich aber niemand sorgen: "Da alte Bäume, egal welcher Baumart, immer auch einen hohen Wert für das Landschaftsbild haben, werden in Sichtweite der Waldwege immer einige Exemplare belassen", erklärt Stadtförster Ingo Hanak.

Die anstehende Holzernte erfolgt aufgrund der dicken und langen Stämme maschinell. Zur Schonung des Waldbodens sind die Forstmaschinen mit besonders breiten Reifen oder mit so genannten Boogie-Bändern ausgestattet, die für Moorgebiete entwickelt wurden und den Bodendruck zusätzlich verringern.

„Der Waldumbau von nadelbaumdominierten Beständen hin zu standortsangepassten Mischwäldern im 1.700 ha großen Stadtwald ist kein Ergebnis der extremen Trockenjahre seit 2019“, sagt Ingo Hanak. „Bereits in den 1980er Jahren, als in mehreren warmen Jahren Borkenkäfern den Fichten auf dem Schurwald zu schaffen machten, wurden von den Esslinger Förstern auf den entstanden Kahlflächen nicht wie zuvor mit Fichte weitergemacht, sondern bereits damals großflächig Eichen, Linden und Hainbuchen gepflanzt“, erläutert der Forstingenieur.

Die Orkane seit 1990 haben zweifelsohne große Vermögenswerte, auch der Stadt Esslingen am Neckar, vernichtet und erhebliche Pflanz- und Pflegekosten verursacht, die bis heute andauern. Sie haben die Waldeigentümer und die bewirtschaftenden Forstleute aber auch gezwungen, ihre bisherige Art der Waldbewirtschaftung und Baumartenzielsetzung zu überdenken. Die Entwicklung der Wälder, hin zu standortsangepassten, gemischten und damit klimatoleranten Waldbeständen ist nicht nur in Esslingen, sondern in großen Teilen des Landes seit 40 Jahren in der Waldwirtschaft nichts Neues. So hat sich seit 1970 im Stadtwald Esslingen der Fichtenanteil von 30 % auf nur noch 8 % verringert. Der Laubholzanteil liegt mittlerweile bei stolzen 80 %.

Wälder sind im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Flächen sehr langfristige Kulturformen, die sich nicht einfach in kurzer Zeit verändern lassen. Selbst bei bester Planung und augenscheinlich besten Voraussetzungen hält auch die Natur noch Überraschungen bereit: So kann man auf dem Schurwaldrücken das Phänomen beobachten, dass sich 130 Jahre alte Fichten „bester Benadelung erfreuen“, während den gleichaltrigen Buchen in der Nachbarschaft, die natürlicherweise den Hauptbestand des Stadtwaldes ausmachen, buchstäblich „das Laub ausgeht“.

Die Esslinger Förster und die Forstwirte des städtischen Forstbetriebes werden den bewährten Kurs, strukturreiche, gemischte Waldbestände zu erhalten und wo nötig neu zu schaffen, beibehalten. Auch Fichten haben dort noch ihren Platz, nicht überall, aber wenn möglich, gerne dabei.

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