Pressemitteilung 26.11.21

Trockenheit zollt ihren Tribut: Grünflächenamt muss Bäume fällen

Nach Abschluss der diesjährigen Baumkontrollen steht das Ergebnis nun fest: Etwas über hundert Bäume müssen insgesamt in den nächsten Wochen im öffentlichen Grün entfernt werden.

Baumreihe entlang der Neckarstraße


Auffällig dabei ist die Zunahme von Bäumen, die vertrocknet sind oder Trockenschäden aufweisen. Besonders auffällig ist hier die Birke. Betrachtet man die Baumentfernungen der letzten 10 Jahre, so ist der stetige Anstieg bei dieser Baumart mit der schönen, weißen Rinde erst seit 2015 zu beobachten. Seitdem mussten – die diesjährigen Baumfällungen mit eingeschlossen – über 50 Birken entfernt werden. Davon allein 60 % in den letzten 3 Jahren. Aktuell sind z.B. 5 Birken im Bereich Am Ziegelbrunnern/Seestrasse in Berkheim und ein Exemplar in der Schubartanlage in der Pliensauvorstadt abgestorben und müssen entfernt werden.

Während der letzten Dekade wurden rund 110 Bäume der Gattung Ahorn gefällt. Auffällig hierbei ist die Häufung bei den Bergahornen und bei der Naturform des Spitzahorns. So sind aktuell etwa in der Zollbergstrasse, der Köngener Strasse sowie in der Neckarstrasse Spitzahorne abgängig und zu ersetzen. Ebenfalls in der Grünanlage am Wasserhaus.
Auch bei den fast 60 in den letzten 10 Jahren gefällten Linden ist ein Anstieg der abgestorbenen Exemplare hauptsächlich in den letzten 3 Jahren zu beobachten. 50 % davon fielen erst während dieser Zeit aus. Hier zeigt sich die Auswirkung der extrem heißen und trockenen Sommer in 2018, 2019 und 2020.

Schaut man auf das Alter der entfernten Bäume, fällt auf, dass vorwiegend Exemplare mittleren Alters, zwischen 30 und 60 Lebensjahren, betroffen sind. Daraus lässt sich ableiten, dass gut eingewachsene, alte Bäume, tief verwurzelt in ihren Standorten, trockene Witterungsphasen in der Stadt ganz gut ertragen. Die mittleren Altersgruppen dagegen leiden unter schlechten Standortbedingungen, die man damals - meist aus  mangelndem Wissen - vor der Pflanzung nicht verbessert hat. Die schlechte Versorgung mit Wasser führt dann dazu, dass diese Bäume keine Reserven mehr haben, um gegen große Hitze und Trockenheit anzukommen. Viele heimische Baumarten, u.A. die o.g. Birke, kommen mit den fast schon mediterranen Verhältnissen einfach nicht mehr zurecht.

Erfreulicher: In den letzten 20 Jahren gepflanzte Bäume sind kaum auf der Liste der zu fällenden Bäume zu finden. Das zeigt, dass der Aufwand, den das Grünflächenamt seit vielen Jahren in das Jungbaummanagement steckt, Früchte trägt. Die richtige Wahl der Baumarten und –sorten, das Anlegen von großen Baumgruben mit ausreichendem Wurzelraum und die fachgerechte Pflege der Bäume, ist eine gut angelegte Investition in die Zukunft. Denn das Ziel aller Bemühungen ist weiterhin eine lebenswerte Stadt für die Bürgerschaft zu haben, in der man sich im Sommer trotz großer Hitze noch im kühlenden Schatten von Bäumen aufhalten kann.

Leider ist in diesem Jahr ein bekanntes Naturdenkmal auf der Fällliste. Im Esslinger Norden, an der Wiflingshauser Straße etwas unterhalb der Römerstraße, muss die Friedenslinde, aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt werden. Die sehr alte Linde wurde vor vielen Jahrzehnten beim Bau der Straße im Wurzelbereich beschädigt. Lange konnte das Grünflächenamt den Baum durch verschiedene baumpflegerische Maßnahmen noch erhalten. Nun aber haben Holzfäulepilze, die durch beim Straßenbau gekappte Wurzeln in den Baum eingedrungen sind, die Standsicherheit des Baumes vollständig aufgelöst. Im Herbst 2022 wird nach entsprechenden Vorarbeiten ein Ersatzbaum gepflanzt.
Das Grünflächenamt versucht die gefällten Bäume grundsätzlich, wo räumlich möglich, zu ersetzten. In den letzten Jahren konnten 80% der entfernten Straßenbäume nachgepflanzt werden.

Bei Ersatz- und Neupflanzungen setzt das Grünflächenamt darauf, den Artenreichtum bei den Bäumen zu erhöhen, um langfristig gegen Klimaänderungen und den stetig zunehmenden Extremen, wie langanhaltende Trockenheit, Sommerhitze, Spätfröste, Starkregen, Sturm usw., besser gerüstet zu sein. Betrachtet man die Gesamtzahl der städtischen Bäume, fällt nämlich auf, dass der Hauptteil nur aus wenigen Gattungen besteht: Ahorn und Linde machen allein 40 % der Gesamtartenanzahl im öffentlichen Grün in Esslingen aus.

Auch das Auftreten immer neuer Schädlinge und Krankheiten, die durch wärmere Temperaturen begünstigt werden, nimmt stetig zu. Deshalb ist es sinnvoll, auf ein breites Artenspektrum zurückgreifen und den Horizont bei der Gehölzauswahl auf die ganze Welt zu erweitern. Vor diesem Hintergrund werden die Neupflanzungen aus einem immer breiteren Spektrum an unterschiedlichen und sogar exotischen Baumarten und –sorten bestehen.

Um die Gattung Ahorn nicht ganz verschwinden zu lassen kann hierfür z.B. auf den heimischen Feldahorn zurückgegriffen werden. Aber auch neue Züchtungen von Ahornarten, die ihren Ursprung in Nordamerika oder China haben, sind mit dabei. Die vom bekannten Triebsterben betroffenen Eschen haben aus Amerika stammende, resistente Verwandte. Zerreiche und Hopfenbuche aus Südeuropa, Zelkove aus Japan, Chinesischer Spitzahorn, Ungarische Silberlinde oder Eiche, Persisches Eisenholz und noch viele andere neue Gattungen und Arten werden langfristig die Straßenzüge der Innenstädte begleiten. Sogar Nadelgehölze, wie die Kiefer, der Ginkgo, der Urweltmammutbaum oder der Lebensbaum können für die Begrünung der Innenstädte geeignet sein.

„Wichtig ist, dass wir für unsere Bäume die besten Voraussetzungen schaffen, damit Neuanpflanzungen den nächsten Generationen von Stadtmenschen zuverlässig Schatten spenden und vollumfänglich ihre klimatische Funktion übernehmen können,“ sagt Florian Pietsch vom Grünflächenamt. „Um der stetigen Erhitzung der Innenstädte zu begegnen, müssen auch baumlose Straßen dringend begrünt werden“, führt der Baumexperte weiter aus. Beste Qualitäten bei den Jungpflanzen, optimale Pflanzbeetvorbereitung und eine fachlich hochwertige, gärtnerische Anwachspflege sind hier essentiell, um den frisch gepflanzten Bäumen beste Startbedingungen mit auf den Weg zu geben“, erklärt Pietsch.
Pietsch ist Mitglied im Arbeitskreis Stadtbäume der Gartenamtsleiterkonferenz. Der seit den 1970er Jahren bestehende Arbeitskreis beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Straßenbaum in der Stadt. Neben der Straßenbaumliste, einer Empfehlung und Einordnung von Bäumen über ihre Eignung als Straßenbaum, erarbeitet der Arbeitskreis aus Vertreter/innen zahlreicher Städte regelmäßig Positionspapiere zu aktuellen, Bäume betreffenden Themen. So profitiert das Grünflächenamt regelmäßig vom Austausch aktuellster Neuigkeiten rund um das Thema Stadtbäume.

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