Pressemitteilung 09.08.2019

Tag des offenen Denkmals®

Am 8. September, zum Tag des offenen Denkmals, hat die Stadt Esslingen zusammen mit über 200 Ehrenamtlichen ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Insgesamt 53 Programmpunkte behandeln den künstlerischen und architektonischen Umbruch, den die Moderne gebracht hat.

Esslingen zeigt seine jüngsten Kulturdenkmale: Ein Dutzend Kulturdenkmale der Moderne und der Nachkriegsmoderne gibt es in der vermeintlich rein mittelalterlichen Stadt. Das diesjährige Motto der Deutschen Stiftung Denkmalschutz passt daher sehr gut zur Stadt Esslingen. Am Tag des offenen Denkmals erweitern wir unsern Blickwinkel, nähern uns den jüngsten Denkmalen und lassen die Besucher daran teilhaben. Gebäude der 1950er und 1960er Jahre sind manchem fremd, doch die nähere Beschäftigung lohnt sich. Vier dieser Bauten: Die Schelztorsporthalle [O11], das Theodor-Heuss-Gymnasium [O12], St. Augustinus [B6] und die Christuskirche [O9] können Sie am 8. September 2019, dem diesjährigen Tag des offenen Denkmals, in fachkundigen Führungen erleben.

Gerade die jüngeren Denkmale erzählen - weil die persönlichen Erinnerungen noch stärker sind - mehr als ältere Gebäude vom damaligen Zeitgeist, von den gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Krieg und von den Erwartungen, die die Menschen beim Bau hatten. Beispielsweise fällt auf, dass das Theodor-Heuss-Gymnasium und die Schelztorsporthalle von ihren Nutzern sehr geliebt werden. Der Erste Bürgermeister Wilfried Wallbrecht erklärt: „Für viele Esslinger ist die Schelztorsporthalle ein positiv besetzter Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte. Die Weite, Leichtigkeit und Lichtfülle der vom Industriebau auf die Sportstätte übertragenen Konstruktion steht bis heute für den Aufbruch im Baugeschehen während der Nachkriegszeit in Esslingen.“ Und mit dem auf den ersten Blick abweisend wirkenden Baumaterial des rohen Beton (béton brut), aus dem das Theodor-Heuss-Gymnasium [O12] zwischen 1965 und 1967 errichtet wurde, haben die Architekten in geschickter Grundrissanordnung, unter Ergänzung von Holzeinbauten und Holzfenstern sowie mit einer durch die hölzerne Betonschalung erzielten hohen Oberflächenqualität einen überaus einladenden Schul- und Begegnungsraum geschaffen.

Dazu kommen die Kirchenbauten: Gerade die modernen Kirchenbauten sind ein Spiegel der Gesellschaft und ihrer Veränderungen. Neue liturgische Formen führten schon 1925 in der Südkirche [O8] zu neuen Raumformen. In St. Augustinus und der Christuskirche, beide in den 1950er und 1960er Jahren erbaut, kommt dies gleichermaßen deutlich zum Ausdruck. Vor allem erzählen die Kirchenbauten der Nachkriegszeit von den Menschen, die bei uns eine neue Heimat suchten und sich mit neuen Kirchen einen Zufluchtsort schufen. Neue Bilder für kirchliche Raumformen wie Zelt oder Schiff entspringen der Situation der Zufluchtssuchenden und dem kirchlichen Aufbruch nach dem Krieg. Die Kirchen stehen im Spannungsfeld zwischen Kargheit und Fülle, zwischen Sammlung und Ausrichtung – Anliegen des diesjährigen Mottos ist es auch, diese Brüche erlebbar zu machen.
Daher zeigen auch die beiden großen Kirchengemeinden in Esslingen das Spektrum der Entwicklungen von den mittelalterlichen Kirchbauten [O1 bis O6, O21 bis O24, B1 bis B5] bis zu den modernen Kirchen [O8 bis O10, B6 bis B8], von denen manche zwar keine Kulturdenkmale, aber doch ausdrucksstarke Zeugnisse ihrer Zeit sind.

Umbrüche sind auch der Kern unserer vier Stadtrundgänge in diesem Jahr: Umbrüche im öffentlichen Raum der Pliensau- und der Bahnhofsstraße [S1], das durch viele Brüche entstandene lebendige Mosaik der mittelalterlichen Pliensauvorstadt [S2], die vielen Denkmale und erhaltenswerten historischen Gebäuden im Zusammenspiel mit modernen Elementen in der Esslinger Gesamtanlage [S3] sowie die Umwandlung der Weinberge und Obstwiesen der Ebershalde zu Wohngebieten um 1900 [S4] zeigen: die Gesamtanlage und die Peripherie sind mit ihrer historischen Substanz verflochten, viele Details ergeben ein behutsames Zusammenspiel unterschiedlicher Epochen.
Heute stehen die Elektrofahrzeuge der Maschinenfabrik Esslingen [B12], das Alte Rathaus [O26], die Rathausuhr und das Astrolabium [O27], die Sektherstellung im Speyerer Pfleghof [O29], der Erbauer und der Erneuerer der Frauenkirche [B3] und das Dick [K1] für den Einzug der Moderne. Besonders eindrücklich zeigen die heutige Synagoge im Heppächer [O17] und das Figurentheater unter dem Kreuzrippengewölbe [O16] die Umbrüche der Stadt.
David Nonnenmann, der Leiter der neu gegründeten Jugendbauhütte Baden-Württemberg, die seit wenigen Wochen ihren Sitz im Technischen Rathaus hat, wird zusammen mit ehemaligen Teilnehmern die jüngste Jugendbauhütte Deutschlands vorstellen [B10]. Es gibt zahlreiche Informationen über Jugendbauhütten, Tipps für zukünftige Teilnehmer und Hinweise zu den Einsatzstellen. Der Stand auf dem Marktplatz und eine Wipp-Drechselbank laden zum Mitmachen ein.

Die Restauratorin Frau Friderike Fischer [O6] ist die diesjährige Hochwachtstipendiatin für historische Bauforschung. Von ihren Forschungsergebnissen und der vergleichenden Betrachtung der mittelalterlichen Wandmalereien in Esslingen berichtet sie in der Franziskanerkirche.

Die anstehende Modernisierung der Stadtbibliothek im Bebenhäuser Pfleghof [O13] ist ein aktuelles Thema im Herzen der mittelalterlichen Kernstadt. Die Führung der Denkmalpfleger zeigt die, bis auf die Gründungszeit des Pfleghofes zurückgehende, Bausubstanz anhand der jüngsten Untersuchungsergebnisse auf.

Das zweite internationale Glockenspiel-Festival [Ku1], diesmal u. a. mit Wouter Verheyden aus Belgien und Eckart Hirschmann besetzt, wird den Tag auf dem Rathausplatz ausklingen lassen und den zentralen Platz der Gesamtanlage spektakulär als Bühne inszenieren. Zudem werden mehrere Führungen zum Spieltisch des Glockenspiels [O28] angeboten.

Insgesamt 53 Programmpunkte – 4 Stadtrundgänge, 29 Objektrundgänge, zwei Kinderführungen sowie 18 besondere und kulturreiche Angebote – bilden wieder ein volles Programm. Frau Christine Keinath und Herrn Dr. Peter Dietl haben mit über 200 Ehrenamtlichen aus den Kirchengemeinden und der Bürgerschaft unter der Federführung des Baurechtsamtes in gewohnter Fülle den Tag gestaltet.

Bei neun Programmpunkten ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Die kostenlosen Karten für diese Führungen sind erst am Tag des offenen Denkmals ab 10:00 Uhr bei der Esslinger Stadtmarketing & Tourismus GmbH (EST) im Späth´schen Haus (Marktplatz 16) und an den im Programm angegebenen Stellen. Die ersten Führungen starten ab 11:30 Uhr.

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Weiterführende Links

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