Pressemitteilung 10.12.2019

Ausbildungsallianz für Pflegeberufe gegründet

Die Esslinger Ausbildungsallianz für Pflegeberufe ist startklar: Am 01.04.2020 kann der erste Jahrgang mit der Ausbildung zur Pflegefachfrau/ zum Pflegefachmann nach dem neuen Pflegeberufegesetz beginnen.

Foto zum Pressegespräch: v.l.n.r. Oliver Cosalter, Thilo Naujoks, Ingo Rust, Bernd Sieber, Johannes Sipple

Mit der Pflegeberufe-Reform vollzieht sich ein Paradigmenwechsel im Sinne der EU-Beschäftigungs- und Bildungspolitik. Die ehemals eigenständigen Ausbildungsgänge in der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege werden zu einer dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau / zum Pflegefachmann mit einer EU-weiten Anerkennung zusammengefasst. Damit die Ausbildung gelingt und sich die künftigen Azubis während der Einsätze in den unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens ein breites Fachwissen erwerben können, braucht es starke Partner.

Aus diesem Grund haben sich das Klinikum Esslingen, die Städtischen Pflegeheime Esslingen am Neckar, die Sozialstation Esslingen und die Johanniter Unfallhilfe mit der Schule für Pflegeberufe am Klinikum Esslingen zusammengetan und einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Denn um ausreichend Ausbildungskapazitäten zu schaffen, braucht es eine kooperative Haltung der verschiedenen Ausbildungsträger und die Bereitschaft, den eigenen Ausbildungsort auch für andere zu öffnen. Die Ausbildungsallianz ist offen für weitere Heime und Pflegedienste, die beitreten möchten.

Vorstellung der neuen Ausbildungsallianz

Im Beisein von Bürgermeister Ingo Rust, zu dessen Dezernat derzeit sowohl das Klinikum Esslingen als auch die Städtischen Pflegeheime Esslingen am Neckar gehören, stellten die Kooperationspartner am 09.12.2019 die neu gegründete Ausbildungsallianz vor: Bernd Sieber, Geschäftsführer des Klinikums Esslingen GmbH, Thilo Naujoks, Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime Esslingen am Neckar, Johannes Sipple, stellvertretender Geschäftsführer der Sozialstation Esslingen e.V. sowie Oliver Cosalter, Geschäftsführer der Johanniter Unfallhilfe e.V., Regionalverband Stuttgart, Dienststelle Esslingen.

Die Ausbildung zur Pflegefachfrau / zum Pflegefachmann dauert drei Jahre in Vollzeit und ist aufgeteilt in 2.100 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht und 2.500 Stunden praktische Ausbildung. Die Träger der praktischen Ausbildung schließen einen Ausbildungsvertrag mit den Auszubildenden ab. In diesem Ausbildungsvertag wird die Vertiefungsrichtung festgelegt: entweder die allgemeine Akutpflege, die stationäre Langzeitpflege, die ambulante Akut- und Langzeitpflege oder die pädiatrische Versorgung. Die Wahl der Vertiefungsrichtung hat zur Folge, dass im 3. Ausbildungsjahr ein Vertiefungseinsatz im Umfang von 500 Stunden im gewählten Fachbereich erfolgt.

Die praktische Ausbildung umfasst 1.460 Stunden beim jeweiligen Träger der praktischen Ausbildung, also dem Klinikum, dem Pflegeheim oder dem ambulanten Dienst.  Jeweils 400 Praxisstunden werden dann bei den anderen Ausbildungspartnern absolviert. Hinzu kommen je 120 Stunden in der Kinderkrankenpflege und in der psychiatrischen Versorgung.

Bereits mit Abschluss des Ausbildungsvertrages wird ein verbindlicher Praxisplan für die gesamte dreijährige Ausbildung erstellt. Der theoretische Unterricht findet in der Schule für Pflegeberufe am Klinikum Esslingen statt. Im Rahmen der schulischen Ausbildung ist im 3. Ausbildungsjahr eine Spezialisierung in der Kinderkrankenpflege oder Altenpflege möglich. Bei allen Partnern der Ausbildungsallianz erhalten die Auszubildenden durch fest zugeteilte und berufspädagogisch ausgebildete Praxisanleiter die optimale Voraussetzung, sich gut auf den späteren Beruf vorbereiten zu können.

Ausbildungsentgelt und Voraussetzungen für die Ausbildung

Es gibt ein attraktives Ausbildungsentgelt nach dem Ausbildungstarifvertrag im öffentlichen Dienst (TVAöD-Pflege):

  • 1. Ausbildungsjahr 1.140,69 €,
  • 2. Ausbildungsjahr 1.202,07 €,
  • 3. Ausbildungsjahr 1.303,38 €.

Voraussetzungen für die Ausbildung sind:

  • 1. Mittlerer Schulabschluss
  • 2. Hauptschulabschluss plus erfolgreich abgeschlossene
    a. mindestens zweijährige Berufsausbildung
    b. mindestens einjährige Assistenz- oder Helferausbildung gemäß den Mindestanforderungen
    c. eine bis zum 1. Januar 2020 begonnene, erfolgreich abgeschlossene landesrechtlich geregelte Ausbildung in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe von mindestens einjähriger Dauer
  • 3. Erfolgreich abgeschlossene zehnjährige allgemeine Schulbildung
  • 4. Deutsches Sprachniveau B2.

Zukunft von Pflegeberufen sichern

Bis zum Jahr 2040 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf ca. 5 Mio. anwachsen. Damit steigt auch der Personalbedarf: Vorsichtig geschätzt benötigen wir im Vergleich zu heute 300.000 zusätzliche Pflegekräfte (untere Variante), alleine in der Altenpflege. Dabei klafft bereits heute eine erhebliche Lücke zwischen der Zahl der benötigten Pflegekräfte und den vorhandenen. Neue Untergrenzen für Pflegpersonal in den Kliniken und eine bessere Finanzierung nach dem Pflegepersonalstärkungsgesetz werden auch dort zu einem Personalmehrbedarf führen.

Mehr Personal – aber woher nehmen? Das ist eine Mammutaufgabe. Die mit Abstand wichtigste „Quelle“ ist die Ausbildung. Auf hohem Qualitätsniveau ausbilden – das ist Zukunftssicherung in der Pflege! Mit der neuen generalistischen Ausbildung sollen bundesweit 10% mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden. Um dies erreichen zu können, müssen alle ausbildungswilligen Partner eng zusammenrücken, denn die Koordination der Praxiseinsätze ist komplex, Engpässe drohen in der ambulanten Pflege, in der Pädiatrie und im psychiatrischen Einsatz. Es wird einer gewaltigen Kraftanstrengung bedürfen, um die Ausbildungskapazitäten ausweiten zu können.

„Unsere Ausbildungsallianz ist dafür ein erster Schritt, weitere Kooperationspartner sind jederzeit willkommen und notwendig“, so Bürgermeister Ingo Rust. Die Finanzierung der Ausbildung über ein Umlagesystem bringt für die Träger der Praktischen Ausbildung nochmals deutliche Verbesserungen und sichert erstmals eine umfangreiche Anleitung der Auszubildenden durch qualifizierte Praxisanleiter.

„Wir hoffen, dass wir damit an den Erfolg in der Altenpflegeausbildung anknüpfen können: Seit Einführung einer verbindlichen Ausbildungsumlage für alle Pflegeanbieter im Jahr 2006 hatten wir Zuwachsraten von über 30% in der Pflegeausbildung – und dies trotz geburtenschwacher Jahrgänge“, so Thilo Naujoks. Das zeigt, dass Pflege in allen Einsatzbereichen ein faszinierender Beruf ist, der eine hohe Attraktivität für junge Menschen besitzt und vielfältige Karrieremöglichkeiten eröffnet. Attraktiv muss die Ausbildung aber auch für Berufswiedereinsteiger, Berufsumsteiger und Menschen mit Migrationshintergrund bleiben.

„Mach Karriere als Mensch“, so der neue Slogan der Öffentlichkeitskampagne der Bundesregierung für den Pflegeberuf, der es gut auf den Punkt bringt: Wir brauchen Pflegekräfte mit hoher sozialer Kompetenz und ausgeprägtem Einfühlungsvermögen. Dabei fordert der Beruf auch ein hohes Maß an physischer und psychischer Belastbarkeit. Dafür bieten wir eine äußerst sinnvolle Tätigkeit von hoher gesellschaftlicher Bedeutung, Anerkennung und Wertschätzung.

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Städtische Pflegeheime Esslingen am Neckar
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