Beitrag 1003

VON M GmbH, Stuttgart

"EIN HAUS DES LEBENS, VIELE WEGE DES LERNENS ... Die Schule von heute und die von morgen sind Lernhäuser - in denen Inklusion gelebt wird - und damit wahrhaftige Lebensorte."
VON M GmbH, Stuttgart

Modell von vorne
Lageplan
Grundrisse

Erläuterungsbericht

EIN HAUS DES LEBENS, VIELE WEGE DES LERNENS

EIN HAUS DES LEBENS, VIELE WEGE DES LERNENS

„Wir erfahren die Welt nicht auf die gleiche Art und Weise. Deshalb gehen wir verschiedene Wege des Lernens.“ - Carl Friedrich Gauß
 
Die Schule von heute und die von morgen sind Lernhäuser – in denen Inklusion gelebt wird – und damit wahrhaftige Lebensorte. 
Gelernt wird in Gruppen, zu zweit oder alleine.
 
Das Schulhaus als dritter Lehrer stellt die dafür notwendigen Räume zur Verfügung und ermöglicht unterschiedliche Perspektiven und Lernzugänge.
 
Lernen und Bewegen, Verweilen und Toben, Spielen und Essen, Reden und Ruhe – all das findet in einem gesunden Rhythmus zusammen.
 
Lernen im Cluster
Die Anordnung der Lernräume folgt einer doppelten Schichtung um einen gemeinsamen rechteckigen Innenhof. Um diesen inneren Außenraum gliedern sich die pro Stockwerk zwei dreizügige Lern-Cluster. Die Lernräume sind dabei auf der dem Hof abgewandten Seite angeordnet und ermöglichen so eine konzentrierte Lernatmosphäre. Die Fachräume bilden hierfür eine Art Pufferzone nach Norden. Gleichzeitig sind sie an dieser Stelle des Hauses durch die gemeinsame Erschließungszone von allen Teilen des Hauses gut zu erreichen. 
 
Jeder Cluster verfügt über drei Klassenzimmer, die über eine freie Gemeinschaftszone rund um den Innenhof und durch diesen Hindurch Sichtbeziehungen zu den jeweils anderen Clustern ermöglicht. Dazu verfügt jeder Cluster über Differenzierungsräume, die getrennt von der Clustermitte oder als Erweiterung dieser flexiblen Gemeinschaftszone nutzen lassen. Auch der Inklusionsraum ist hier zwischen den Clustern angesiedelt und lässt sich von beiden Clustern nutzen. Die Teamstationen mit angeschlossenen Vorbereitungsräumen sind zentral in den Clustern angeordnet, so dass der wechselseitige Kontakt und die schnelle Erreichbarkeit zwischen Aufsichtspersonen und Schüler*innen gewährleistet sind. Gemeinsam bilden diese Zimmer eine räumliche Schwelle zur Öffentlichkeit des Hofs. So ergibt sich eine Folge der immer stärker werden Konzentration vom Hof aller, über die Differenzierungs-, Inklusions- und Teamräume hin zur Gemeinschaftszone der jeweiligen und der jeweiligen Klassenzimmer.
 
Durch die serielle Anordnung der Räume ist die Klassenzimmerbelegung ebenso flexibel, wie ein nachträglicher Umbau durch die nicht tragenden Innenwände möglich ist. So können die Raumgrößen künftigen Änderungen des Lern- und Lehrkonzepts ohne großen Aufwand angepasst werden.
Jeder Cluster verfügt über die Treppenhäuser über einen direkten Zugang zum Pausenhof und eine eigene WC-Anlage. Dazu gibt es auf jedem Stockwerk ein barrierefreies WC sowie zwei Lehrer*innen-Toiletten.
 
Der begrünte Innenhof, der die Cluster mit zusätzlichem Tageslicht versorgt übernimmt verschiedene Aufgaben. Zum einen bringt er Licht und grün in das Innere des Hauses, zum zweiten ermöglicht er Blickbeziehungen zwischen den Clustern auch über die Stockwerke hinweg und zum dritten kann er von der Werkstatt im Keller genutzt werden. Beispielsweise für das arbeiten an Skulpturen, großformatigen Werkstücken und als Lernraum im freien. So verfügt die im Keller angesiedelte Werkstatt über einen individuellen Freiraum. Die Ansiedelung der Werkstatt im Keller erfolgt zum einen aus Schallschutzgründen, zum anderen wird so die Reduktion der Baukörperlänge und damit die Freifläche im Süden des Neubaus
erst möglich.
 
Städtebau
Der Schulneubau gliedert sich zwischen die Bestandsbauten der Freien Waldorfsschule Esslingen im Westen und dem erhaltenen Altbauteil der ehemaligen Adalbert-Stifter-Schule entlang der Stuttgarter Straße ein. Dabei nimmt der neue Baukörper die nördliche Gebäudekante der Waldorfschule auf und wird so in einem sehr heterogenen Umfeld zum beruhigenden Vermittler zwischen den beiden bestehenden Schulhäusern. Der kleine CO2-Fußabdruck des nachhaltigen Neubaus spiegelt sich auch in seinem tatsächlichen städtebaulichen Abdruck am Ort wieder:
er ist merklich kürzer als der Vorgängerbau und sorgt durch eine neue Freifläche im Süden für ein Mehr an Luft und Licht auf der Schulinsel, die die beiden Lernorte gemeinsam bilden. 
Neu- und Altbau sind durch eine Fuge getrennt, die zum einen die beiden Volumen gliedert und zum anderen auch konstruktiv begründet ist. Die Baugrenze zum östlich gelegenen Hof wird eingehalten, so dass dieser keine Einschnitte erfährt.
 
Neubau
Hell und transparent, räumlich eindeutig, und dadurch überschaubar und klar wird das Innere des Gebäudes gestaltet. Einfache Mittel, wie räumliche Differenzierung, präzise Details und die solide Verarbeitung pur eingesetzter Materialien bestimmen die Architektur. Tragwerk und Hülle basieren auf einer durchgängigen, klaren geometrischen Ordnung sowie wenigen, bewusst und nachvollziehbar eingesetzten, Materialien.
Mit Ausnahme der Treppenkerne und des Untergeschosses wird das gesamte Gebäude in vorelementierter Holzbauweise errichtet. Stützen aus Baubuche und vorgefertigte Rippendecken in Holzbetonverbundbauweise bestimmen zum größten Teil das Bild der Räume. Eine ressourcenschonende und CO2-neutrale Bauweise in Holz und das kompaktes Gebäudevolumen sorgen für eine hohe Gesamtwirtschaftlichkeit sowohl im Bau als auch im Betrieb. Die natürlich belassene Holzoberflächen von Tragwerk, Trennwänden und Fassade, sowie der geschliffene und durchgefärbte Zementestrich, schaffen ein ebenso freundliches Arbeits- und Lern- wie angenehmes Raumklima.
 
Ein gemeinsames Foyer für Alt- und Neubau im Erdgeschoss bildet eine neue Adresse und dient als zentrale Verteilerebene für beide Teile der Schule. Durch die konsequente Fortschreibung der linearen Erschließungszone des Bestands, verschmelzen Alt und Neu hier innenräumlich zu einem neuen atmosphärischen Ganzen. Dieser zentrale Ort bietet eine direkte Anbindung an die oberen Stockwerke
ebenso, wie an die Mensa und den Musikraum, der durch seine Öffnungsmöglichkeit mit dem Foyer verbunden werden kann und dieses bei Bedarf erweitert – etwa zu Schulfesten, Aufführungen, Zeugnisverleihungen und dergleichen mehr.
Die Wege innerhalb des Schulhauses sind von hier schnell durchschaut: Treppe und Aufzug in die oberen Stockwerke des Neubaus und die in den Altbauteil sind optisch
mit einander verknüpft und werden durch einen, alle Stockwerke verbindenden quadratischen Lichthof von oben zusätzlich mit Tageslicht versorgt. Der Baukörper folgt sowohl einer inneren Schichtung der Lernräume als auch einer wirtschaftlichen
Logik, die auf die Belange der Vorfertigung ausgelegt ist. Bei einer hohen atmosphärisch-räumlichen Qualität gewährleistet er zugleich eine Reduktion der Hüllfläche. Die serielle Vorfertigung ermöglicht einen raschen und reibungslosen Aufbau des Neubautraktes vor Ort, der zudem mit relativ geringen Lärmemissionen und Verschmutzungen einher geht.
Die hochgedämmte Fassade wird mit grau lasiertem Holz bekleidet und transportiert den ökologischen, innovativen aber dennoch einfachen Ansatz des Gebäudes nach außen. Der Fensteranteil mit knapp unter 50% sorgt für eine ideale Balance von
Belichtungsqualität sowie sommerlichem und winterlichem Wärmeschutz. Die vorelementierte Bauweise der Gebäudehülle ermöglicht bei späteren Umnutzungen auch den partiellen Austausch von einzelnen Bereichen.
 
Altbau
Das Ziel im Altbau ist es, so wenig wie nur irgendwie möglich an Umbauten durchzuführen, die notwendigen Maßnahmen wiederum möglichst schnell durchzuführen. So werden die Vorzüge des seriellen Weiterbauens der Schule hinsichtlich Bauzeit und Emissionsschutz ebenso unterstützt, wie die Kosten insgesamt gering gehalten werden. 
Durch drei unkompliziert zu installierende Hebelifte wird der Aufzug im Neubau ergänzt und so auch im Altbau eine vollständige Barrierefreiheit erreicht. Einer der  bestehenden Lufträume im 1. OG des Altbaus muss für den Einbau des Hebelifts geschlossen werden, ein Preis der im Sinne des Inklusionsgedanken aber nicht zu hoch erscheint. Mit der Neuorganisation der weiteren Flächen im Altbau wird den Vorgaben der Auslobung gefolgt.
 
Möblierung
Für die Clustermitte wird ein individuell für die Schule gefertigtes Möbel vorgeschlagen. Der „Esslinger Hocker“ bildet dabei eine Einheit aus Tisch und Sitzgelegenheit. Diese Hocker bieten vielfältige Lernkonfigurationen, und können
von den Schüler*innen einzeln genutzt werden, zu kleinen und großen Runden zusammengestellt oder als mäandernder als Schlangenlinien für Workshop-Situationen platziert werden. 
 
 
 

ENERGIE UND NACHHALTIGKEIT

ENERGIE UND NACHHALTIGKEIT

Die Bauteil-U-Werte der thermischen Gebäudehülle werden im passivhaustypischen Bereich angesetzt. Durch ein Luftdichtheits- und Wärmebrückenkonzept sowie einer Optimierung der solaren Wärmegewinne, wird der energetische Standard weiter optimiert. Um die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz zu gewährleisten ist eine Sonnenschutz-Verglasung mit niedrigem g-Wert bzw. ein außenliegender Sonnenschutz angedacht. Die Ausführung wird in der Planung mittels thermischer Simulation im Zusammenspiel mit den Fensterdurchlassgraden optimiert. Eine weitere Optimierung des sommerlichen Wärmeschutzes wird durch ein natürliches (Nacht-)Lüftungskonzept für den Gebäudekern (konvektive Querlüftung) über Oberlichter (RWA) im Dach und Kipp-Öffnungsflügel in der Atriumverglasung erreicht.

Die Wärmeversorgung erfolgt über eine neue Wärmeübergabestation am Fernwärmenetz. Als Übergabesystem wird eine Fußbodenheizung für alle Bereiche außer den Sanitärräumen vorgesehen, die die gewünschten niedrigen Rücklauftemperaturen gewährleistet. Die Warmwasserbereitung des Neubaus erfolgt hygienisch und bedarfsgerecht dezentral elektrisch im Durchlaufprinzip. Für die bestehenden Bereiche Küche und Mensa wird eine Frischwasserstation installiert – ebenfalls im Durchlaufprinzip. Um Zirkulationsverluste zu minimieren, werden der Pufferspeicher und die Frischwasserstation im UG unter den versorgten Bereichen installiert. Klassen und Fachklassen werden mit dezentralen Klassenraum-Lüftungsgeräten in vertikaler Bauweise ausgestattet. Die Geräte verfügen über eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung, energiesparende EC-Ventilatoren und einen Sommerbypass.

Somit können sie effektiv für den sommerlichen Wärmeschutz und die Nachlüftung der Klassen eingesetzt werden. Der gegenüber einer zentralen Anlage höhere Wartungsaufwand für viele Einzelgeräte wird durch den geringeren Wartungsaufwand im Bereich Brandschutzklappen und Regelungstechnik kompensiert.

Die Sanitärbereiche werden über eine eigene Zu- und Abluftanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung als Kompaktgerät versorgt. Die Kombination aus optimierter Gebäudehülle und flächendeckender Wärmerückgewinnung ermöglicht passivhaustypische Energiekennwerte im Betrieb.

Zur Deckung des Strombedarfs der Lüftungstechnik und der Grundlast für Geräte und Beleuchtung wird auf dem Dach eine flächendeckende Photovoltaikanlage vorgesehen.

BRANDSCHUTZ

BRANDSCHUTZ

Bestand
Entlang der Achse A die einem früheren Bauabschnitt folgt wird das Gebäude in zwei Nutzungseinheiten unterteilt. Zum Neubau hin erfolgt eine Abschnittstrennung entlang Achse B. Im EG kann das mit einem Brandschutzvorhang realisierst werden, im OG durch eine qualifizierte Türanlage mit Offenhaltung. Die Treppenanlage des Bestands (1) wir durch die qualifizierte Abtrennung von Türen und Wänden zum 1. Rettungsweg (RW), der 2. RW erfolgt über eine Bypasslösungen. Das EG und OG der nördliche Seite werden über das Treppenhaus entfluchtet (2). Das OG der südlichen Seite über die neu angebaute Fluchtwegstreppe (3) . Die Mensa entfluchtet ebenfalls über das Treppenhaus direkt nach außen. Das UG auf der nördlichen Seite erhält einen Rettungsgraben auf Brüstungshöhe der Fenster auf ganzer Breite. Somit können die Räume hier alle direkt nach Außen entfluchten. Der 2. RW erfolgt hier über Bypasslösungen über das Treppenhaus 2.
 
Neubau
Der 1. RW führt jeweils in das Treppenhaus das direkt dem Cluster in Norden oder Süden zugeordnet ist. Der 2. RW ist jeweils über kreuz in das andere Treppenhaus. Der 1. RW der Fachräume führt über das Treppenhaus 4, der 2.RW jeweils über eine Bypasslösungen über das Treppenhaus 5. Bei Veranstaltungen im EG und
gleichzeitiger Belegung der OG. kann das Treppenhaus 4 zum EG durch Türen abgetrennt werden. Die Entfluchtung der OG erfolgt dann über das UG in den angrenzenden Lichthof.

Pläne

Typ Name Datum Größe
jpg 1003 Plan1.jpg 06.07.2020 2,8 MB
jpg 1003 Plan2.jpg 06.07.2020 1,5 MB
jpg 1003 Plan3.jpg 06.07.2020 1,6 MB

Rundgang


Info

Kontakt

Städtische Gebäude Esslingen (SGE)
Städtische Gebäude Esslingen (SGE)
Ritterstraße 17
73728 Esslingen am Neckar
Telefon (07 11) 35 12-22 76
Tuba Schmitt-Kavalci

Projektleitung - Neubauten und Generalsanierungen

Telefon (07 11) 35 12-23 96
Fax (07 11) 35 12-55 23 96
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