Beitrag 1006

Günter Hermann Architekten, Stuttgart

"Die Neugründung einer dreizügigen Realschule für Esslingen im Stadtteil Pliensauvorstadt dient als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines zeitgenössischen und innovativen Schulcampus – sowohl in technischer als auch konzeptioneller Weise."
Günter Hermann Architekten, Stuttgart

Modell von vorne
Lageplan
Grundrisse

Erläuterungsbericht

Städtebau

Städtebau

Die Neugründung einer dreizügigen Realschule für Esslingen im Stadtteil Pliensauvorstadt dient als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines zeitgenössischen und innovativen Schulcampus – sowohl in technischer als auch konzeptioneller Weise. 

Im Neubau wird das pädagogische Konzept einer Ganztagesschule mit Inklusionsbereichen und Vorbereitungsklassen in Form einer Clusterschule umgesetzt. Gleichzeitig sollen die sechs neugeschaffenen Cluster nicht als einzelne Häuser, sondern als ein Haus des gemeinsamen Lernens erfahrbar gemacht werden. Als Treffpunkte für Lehrer, Schüler und Eltern dienen, neben den Clustermitten, die dezentralen Aufenthaltsbereiche. 

Auf dem Fußabdruck des zum Abriss freigegebenen Gebäudes entsteht ein dreigeschossiger Neubau, der Ressourcen und aber auch Flächen effizient nutzt und somit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Der Neubau löst die bauliche Verbindung zur Waldorfschule auf und erlaubt so dem Grünraum, die neue Schule zu umspülen. Gleichzeitig wird so räumlich durch eine südlich gelegene Baumallee eine Grenze in Form eines grünen Filters zur Waldorfschule hin geschaffen, die den Freiraum fasst und die Gliederung und Orientierung in der Gesamtanlage unterstützt. An dieser ruhigen Seite der Freiflächen finden sich auch grüne Klassenzimmer, die das Lernen an und in der Natur ermöglichen.

Zur westlich gelegenen Straße hin setzt sich der abgetreppte Schulhof durch eine begrünte Pergola – als Teil der neuen überdachten Pausenfläche – und weitere Baumpflanzungen ab. So kann direkt an der stark befahrenen Straße ein geschützter Bereich entstehen, welcher die Schüler zum Entspannen und Verweilen einlädt. Die flachen Stufen, die mit Sitzelementen zu Sitzstufen und somit zur Tribüne ergänzt werden, schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität und ermöglichen die Entwicklung einer Außenbühne, die für Sommerfeste und aber auch nachbarschaftliche Veranstaltungen genutzt werden kann. Die bisher stark versiegelte Fläche wird durch Grünflächen und Rasenpflaster aufgebrochen. Die Begrünung der Dächer mit Bienenbeeten trägt als Ausgleichsfläche für das ganze Quartier bei. 

Durch diese Terrassierung wird der Weg zum neuen, leicht auffindbaren Haupteingang noch weiter betont. Die Zufahrt entlang der Mensa bleibt auch weiterhin bestehen.  Nach Norden und Süden hin schließt sich der Neubau. Nur durch seine Loggien, die gleichzeitig der außenliegenden Entfluchtung dienen, inszeniert sich der Ausblick in die Landschaft. 

Der Baukörper wird durch drei Innenhöfe gegliedert, die eine optimale Tageslichtausnutzung garantieren und zur Orientierung innerhalb des Gebäudes beitragen. 

Die notwendigen PKW-Parkplätze sind weiterhin leicht auffindbar im Norden des Grundstücks platziert und werden im Süden von 180 Fahrradstellplätzen ergänzt, von denen die Hälfte durch das Gebäude überdacht ist. 

Architektur

Architektur

Der bestehende Altbau wird funktional und räumlich eng mit dem Neubau verbunden und somit ein stimmiges Gesamtkonzept für die Schule sichergestellt. Gemeinsame Nutzungen wie der Ganztagesbereich, die Mensa sowie die Verwaltung bleiben im Altbau bestehen und ermöglichen so bei Bedarf seine separate Nutzung. Im Neubau werden die sechs Klassenzimmercluster in den beiden Obergeschossen untergebracht, was ihre separate Erschließung und somit unabhängige Nutzung garantieren. Das einladende Erdgeschoss öffnet sich mit seinem überdachten Haupteingang zum Pausenhof hin und ist durch den Musikraum beliebig zur Aula erweiterbar. Direkt angrenzend finden sich die neuen Fachklassen, welche eine ideale Synergie von Vorbereitungs- bzw. Nebenräumen und Fachklassenräumen abbilden. 

Die beiden durch die Innenhöfe belichteten Treppenhäuser führen die Schüler in ihre jeweiligen Cluster. Diese öffnen sich zu den hellen Innenhöfen und balkonartigen Außenbereichen, was die Clustermitten zu idealen Lern- und Begegnungszonen mit hoher Aufenthaltsqualität macht. Sie sind vielseitig nutzbar und erlauben Schülern sowie Lehrern Freiräume innerhalb des täglichen Schullebens zu entwickeln. Durch eine entsprechende Möblierung sind problemlos Ruhe- und Lernzonen einzurichten. Durch eine Änderung der Möblierung entsteht eine Mitte für Experimente und Aktionen für verschieden große Schülergruppen. Die belichteten Flächen an der Ost- und Westfassade werden ausgenutzt und belichten so die Klassenzimmer großzügig. Dies ermöglicht auch im Winter eine passive Solarnutzung, ohne zur Überhitzung der Räume im Sommer zu führen. 

Die Schrankzone zwischen Clustermitte und Klassenzimmer ist von beiden Seiten nutzbar und gewährt durch verglaste Öffnungen Durch- und Einblicke. Sie bietet ausreichend Stauraum für Garderobe, Regale und im Klassenzimmer benötigte Materialien. Ergänzt wird dies durch die vier Team- und Lernmittelräume, die gemeinsam mit Sanitärkern und Treppenhaus den Clustern zwischengeschaltet sind. 

Gleichzeitig ist das ganze Gebäude durch seine Dimensionierung und Zonierung nachhaltig auch für andere pädagogische Konzepte oder gar gänzlich andere Nutzungen ohne große Umbauten weiter nutzbar. Auch eine Erweiterung ist denkbar.  Das Untergeschoss mit der Lüftungszentrale orientiert sich zum Bestandsgebäude und ermöglicht so eine optimale Verbindung der haustechnischen Konzepte. 

Material

Material

Das Gebäude ist als Holz-Hybrid-Bau und somit auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Durch die Holz-Beton-Verbunddecken werden die Vorteile beider Materialien genutzt. Ergänzend schaffen das Stütztragwerk als Holz und die aussteifenden Betonkerne eine Weiterführung dieser Leitidee. Beides sind natürliche Materialien, die sich auch im weiteren Innenausbau wiederfinden: abgehängte Holzakustikdecke und Innenwände in Holzständerbauweise. Gleichzeitig wird durch die spezifische Kombination der Bauteile ein hoher Vorfertigungsgrad erreicht, welcher eine kurze Bauzeit und so eine gekürzte Beeinträchtigung des Schulbetriebs ermöglicht.

Die feingliedrige Holzfassade ist durch ihre außenliegenden Lamellen rhythmisiert. Die zeitlose Fassade erlaubt den Schülern und Besuchern sich im menschlichen Maßstab des Gebäudes wiederzufinden.

Holz und Beton schaffen gemeinsam eine klare und einfach Materialität, unabhängig von Mode und Trends in der Architektur. Bei der Ausführung wird eine Wahrhaftigkeit angestrebt, indem die Gebäude außen das Material zeigen aus welchem sie im Inneren konstruiert sind. Im Inneren werden Raumklima und Behaglichkeit durch den hohen Verwendungsgrad der natürlichen Materialien gestärkt.

Gedämmt wird das Gebäude mit einer Zellulose Einblasdämmung aus recyceltem Papier. Die opaken Teile der Außenhülle bestehen aus einer vorvergrauten vertikalen Holzverschalung aus Weißtanne. Im Inneren bleibt die Oberfläche der Holzwände teilweise sichtbar und wird mit hell gestrichenen Trockenbauoberflächen ergänzt. Die Böden erhalten einen robusten Linoleumbelag in frischen Farben. 

Energie

Ziel der Energiekonzeption ist eine nachhaltige Gesamtlösung, die auf den 9 Bausteinen des Energieeffizienten Bauens basiert und ein Optimum in Hinblick auf Umweltwirkung, Wirtschaftlichkeit und Nutzerkomfort darstellt. Die vorgeschlagene Lösung ermöglicht die Realisierung eines im Betrieb CO2-neutralen Gebäudes. Die wesentlichen Aspekte des Energiekonzeptes werden im Folgenden erläutert: 
Wärme erhalten: Eine kompakte Bauweise mit geringen A/V-Verhältnis sowie eine sehr gute thermische Hülle. 

Wärme effizient gewinnen: Als Hauptwärmeträger dient die vorhandene Fernwärmeanbindung. Die Fernwärmeleitung mit Wärmeübergabestation wird im Altbestand untergebracht. Unterstützt wird das System durch eine thermische Solaranlage auf dem Dach des Neubaus.  Überhitzung vermeiden: Der optimierte Verglasungsanteil stellt einen guten baulichen Sonnenschutz dar, der durch effektive außenliegende Sonnenschutzsysteme in den Fensterflächen ergänzt wird.  Natürlich lüften: Sämtliche Aufenthaltsräume sind mit direktem Fassadenanschluss konzipiert und können so natürlich belüftet werden. Eine Nachtauskühlung ist so ebenfalls möglich. 

Effizient maschinell Lüften: Alle Aufenthaltsräume werden zur dauerhaften Sicherstellung einer guten Luftqualität über eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung mit Frischluft versorgt. Die zentrale Lüftung erfolgt über vertikale Systemführung in der Schrankzone. Der Bestand kann bei Bedarf mit dezentralen Lüftungsgeräten nachgerüstet werden. 

Tageslicht nutzen: Die Fassaden besitzen einen der Nutzung angepassten und in Format und Größe optimierten Verglasungsanteil. Treppenhäuser, Lernzonen und Clustermitten erhalten eine zusätzliche Belichtung über Innenhöfe und Logien. 

Kunstlicht optimieren: Das gesamte Gebäude wird mit effizienter Beleuchtungstechnik auf LED-Basis ausgestattet, die mit tageslicht- und präsenzabhängiger Steuerung ergänzt wird. Helle Materialoberflächen geben eine gute Lichtreflexion. 

Strom dezentral gewinnen: Das Flachdach bildet eine optimale Grundlage für die Installation eines Photovoltaiksystems zur solaren Stromerzeugung.  Regenwassernutzung: Es ist eine Zisterne als Pufferspeicher für Regenwasser, das für die Toilettenspülung genutzt werden soll, geplant. Das restliche Regenwasser wird über eine Rigole versickert. 

Pläne

Typ Name Datum Größe
jpg x1006 Plan1.jpg 06.07.2020 2,1 MB
jpg x1006 Plan2.jpg 06.07.2020 1,8 MB
jpg x1006 Plan3.jpg 06.07.2020 1,2 MB

Rundgang


Info

Kontakt

Städtische Gebäude Esslingen (SGE)
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Ritterstraße 17
73728 Esslingen am Neckar
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