Beitrag 1010

JUDARCHITEKTUR BDA, Stuttgart

"Das Grundprinzip des Entwurfes ist eine Abfolge grüner Lichthöfe, um die sich die Lerncluster in den oberen Geschossen sowie Foyer und Aula (Veranstaltungsfläche) im Erdgeschoss anordnen."
JUDARCHITEKTUR BDA, Stuttgart

Modell von vorne
Lageplan
Grundrisse

Erläuterungsbericht

Städtebau

Städtebau

Die Neue Schule Esslingen wird als dreigeschossiger Holzhybridbau an nahezu selber Stelle wie das ehemalige Schulgebäude platziert. Durch die Anbindung an den Bestand bleibt die winkelförmige Anordnung der Baukörper, sowie der bestehende Zugang im Gelenk, erhalten. Gegenüberliegend wird ein Nebeneingang mit Anlieferung auf der Nordseite, nahe der PKW Stellplätze, ausgebildet. Der adressbildende Eingang befindet sich an der Ostseite des Neubaus und wird über einen geschützten Vorbereich zum Schulhof ausgebildet.

Freiraum

Freiraum

Durch die Verortung des Neubaus bleibt der Schulhof weitestgehend unverändert. Ein sorgsamer Umgang mit dem Baumbestand ist gewährleistet. Vereinzelte Maßnahmen werten verschiedene Bereiche auf. Sitzstufen entlang der östlichen Grundstücksgrenze zur Eberhard-Bauer-Straße schaffen Aufenthaltsmöglichkeiten im Bereich der Tischtennisplatten. Südlich des Neubaus ergänzt ein Streetbasketballfeld das sportliche Angebot der Ganztagesbetreuung. Die überdachten Fahrradabstellplätze werden an der südlichen Grundstücksgrenze erschlossen. Westlich des Neubaus erweitern Pflanzbeete das Unterrichtsangebot der Fachklassen (Biologie, Chemie, etc.). Betonsitzbänke zonieren den Pausenhof und bilden einen Ort der Ankunft von welchem Neu- und Altbau erschlossen werden.

Gebäudeorganisation und Konzeption

Gebäudeorganisation und Konzeption

Das Programm wird auf drei Ebenen organisiert. Im Erdgeschoss befinden sich Räume für den allgemeinen Unterricht wie Fachklassen und Ganztagesbetreuung, in den beiden Obergeschossen jeweils drei Cluster mit den dazugehörigen Nebenräumen. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss werden mit dem Bestand ebenengleich verbunden. Durch die Platzierung des Aufzugs und die bauliche Anbindung, kann die oberste Ebene des Bestandes barrierefrei erschlossen werden. Im Erdgeschoss des Bestandes ist zusätzlich die Installation eines Treppenlifts für die barrierefreie Erschließung der Fachklassen (Schulküche, Aktivraum, etc. / 27, 29, 30, 39) erforderlich.
Der Bestand wird entsprechend umorganisiert, so dass die Anforderungen an die Schulverwaltung und entsprechende Fachräume nach den Vorgaben des Raumprogramms erfüllt werden. Eine brandschutztechnische Nachrüstung des Bestandes wird vorgesehen. Der Ganztagesbereich wird in das Erdgeschoss des Neubaus verlagert und erhält direkten Außenbezug.
 
Das neue Gebäude wird sowohl über den Pausenhof, als auch über die Verbindung zum Bestand erschlossen. Bei der Anbindung des dreigeschossigen Neubaus werden bestehende Wandfluchten und Flurbreiten aufgenommen und fortgeführt. Der geschützte Eingangsbereich und Foyer des Neubaus dient als Ort der Ankunft und ermöglicht eine direkte Verteilung der Lernenden in die jeweiligen Clusterbereiche der Obergeschosse.
Der bestehende Eingang („Gelenk“) funktioniert weiterhin als Verteiler. Die Nutzer gelangen rechter Hand zur Mensa, Schulverwaltung bzw. Fachklassen (PC-Raum, Textiles Werken etc.) und linker Hand in die Aula. Sie funktioniert als Eingangsbereich und Veranstaltungsfläche, die durch eine mobile Trennwand den Musiksaal erweitert. Entlang der Westfassade werden die naturwissenschaftlichen Fachklassen und deren Vorbereitung (Sammlung) angeordnet und intern miteinander verbunden. Zum Schulhof werden entlang der Ostseite Werkräume, Ganztagesbetreuung mit den jeweiligen Nebenräumen, sowie der BNT-Raum angeordnet.
 
Das Grundprinzip des Entwurfes ist eine Abfolge grüner Lichthöfe, um die sich die Lerncluster in den oberen Geschossen sowie Foyer und Aula (Veranstaltungsfläche) im Erdgeschoss anordnen. Die großzügig gestalteten Lichthöfe werden mit Kletterpflanzen bepflanzt. Die Mittelzone wird natürlich be- und entlüftet, sowie belichtet. Zwischen den ost- und westorientierten Lernbereichen, Differenzierungsräumen und den Lichthöfen entstehen attraktive, marktplatzähnliche Bereiche, die „Clustermitten“. Die flexibel nutzbare Zwischenzone erweitert das pädagogische Angebot, fördert klassenübergreifende Aktivitäten, ist identitätsstiftend und bildet das Herzstück eines jeden Clusters. Die Durchwegung der Cluster fördert zusätzlich Austausch und Kommunikation zwischen den Jahrgangsstufen. Das offene Lernkonzept nimmt räumlich Form an. Zwischen den jeweiligen Clustern befinden sich direkt an den Lichthöfen die Lehrerstützpunkte, kombiniert mit Lehrmittelräumen und Sanitärbereichen (Stunden WC). Im zweiten Obergeschoss werden die Clustermitten über Dachverglasungen zusätzlich belichtet. An der Nord- und Südseite befinden sich neben den Räumen für Gebäudetechnik, Lagerung und sanitären Einrichtungen, jeweils die notwendige Treppenhäuser, die den zweiten baulichen Fluchtweg aus den äußeren beiden Clustern (<400 m2) gewährleisten.
 
Auf räumliche Qualitäten, geschossübergreifende Blickbeziehungen und Außenraumbezüge, sowie eine nachhaltige und effiziente Planung wurden im Entwurf großen Wert gelegt. Erschließungszonen werden aktiviert, dienen als erweiterte Aufenthaltsflächen und werden in ihrer herkömmlichen Funktion aufgelöst. Der Erweiterungsbau schafft Synergien und funktioniert als Schulbau, in dem flexibel auf veränderte pädagogische Anforderungen reagiert werden kann. Das Gebäude ist barrierefrei konzipiert.

Struktur und Tragsystem

Struktur und Tragsystem

Der Baukörper wird in einer Stahlbeton-Holzhybridkonstruktion errichtet. Massive Stahlbetonwände und Holzständerwände bilden das Auflager für der Holzstahlbetonhybriddecken. Die Spannweiten der Decken liegen zwischen 8,00 und 9,00 m. Auf Holzbalkenunterzüge werden in ihrer Dimensionierung optimierte Stahlbetonhalbfertigteildecken aufgelegt und verbunden. Die Massivdecken werden speicherwirksam in das Energie- und Klimakonzept eingebunden. Außenwände sind als gedämmte Holzständerfertigteilwände mit Holzfaseraußendämmung geplant. Somit kann ein optimaler Dämmwert bei verhältnismäßig geringer Außenwanddimension, sowie eine Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes realisiert werden.

Die Aussteifung des Gebäudes erfolgt durch die Stahlbetonwände in der Mittelzone (Kerne). Eine Unterkellerung des Neubaus ist nicht erforderlich. Die Gründung kann, ausgehend von einem normal tragfähigen Baugrund ohne Grundwasser im oberflächennahen Bereich als Flachgründung erfolgen. Dem Grundriss liegt ein regelmäßiges Konstruktionsraster zugrunde. Die serielle Präfabrikation konstruktiver Bauteile, sowie Fenster- und Fassadenelemente ermöglichen eine rasche Bauzeit.
Durch den gezielten Einsatz nachwachsender und rezyklierbarer Baustoffe kann sowohl das statische, als auch das energetischen Konzept optimiert werden. Die Realisierung eines nachhaltigen Gebäudes ist gewährleistet.

Fassade und Materialisierung

Fassade und Materialisierung

Horizontale Aluminiumsimse gliedern die vorvergraute, vertikale Weißtannenschalung der Fassade. Große Holzaluminium-Fassadenelemente (Lärcheholz, Aluminium eloxiert) mit 3-fach-Isolierverglasung, schaffen helle freundliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Im Erdgeschoss ermöglichen raumhohe Verglasungen fließende Übergange zwischen Außen- und Innenraum. Ein textiler Sonnenschutz wird außenliegend installiert.
 
Im Innenraum werden natürliche, robuste und ökologische Materialien verbaut. Industrieparkettböden, Holztüren, Holzeinbauschränke und mit Weißtanne verschalte Holzrahmenbauwände gestalten den räumlichen Charakter der Lernbereiche. Sichtbetonwände (SB3) und Terrazzoböden prägen die Clustermitten und Erschließungsbereiche.

Energie und Nachhaltigkeit

Energie und Nachhaltigkeit

Durch eine einfache und klare interne Organisation des Gebäudes und eine effiziente Erschließung wird ein sehr kompaktes Volumen erzeugt. Ein optimiertes A/V Verhältnis wird generiert. Dies ist grundlegend für eine nachhaltige Gebäudeunterhaltung und optimierten Energieverbrauch. Eine hochgedämmte Hülle, eine leistungsfähige Dreifachisolierverglasung, ein hoher Nutzungsgrad an Tageslicht, sowie solare Wärmeerträge ermöglichen einen stark verringerten Primärenergiebedarf des Gebäudes. Eine natürliche Belichtung und Belüftung nahezu aller Räume wird ermöglicht.
 
Die Wärmeversorgung wird über die Anbindung an das Fernwärmenetz gewährleistet. Die Wärmeabgabe in den Räumen erfolgt über Fußbodenheizflächen und/oder über kleine flache Heizkörper in den, die eine flexible Wärmeabgabe garantieren. Sämtliche außen liegende Aufenthaltsräume können natürlich be- und entlüftet werden. Unterstützend kann eine maschinelle zentrale Lüftungsanlagen konzipiert werden. Die Luftführung in den Räumen wird unter der Decke als Mischlüftung vorgesehen. Die Flure werden in das Gesamtsystem mit eingebunden. Eine gleichmäßige Luftqualität im gesamten Gebäude, sowie der geforderte energetische Standard wird gewährleistet. Die Außenluft wird über einen Erdkanal geführt. Die Lüftungsanlagen erhalten effiziente Wärmerückgewinnungssysteme. Einzelraumregelungen ermöglichen einen bedarfsgerechten Betrieb der gebäudetechnischen Anlagensysteme in einzelnen Nutzungsbereichen.
 
Die Steuerung des Volumenstroms kann über Luftqualitätsfühler optimiert werden. Die Nachtauskühlung erfolgt über motorisch betriebene Öffnungsflügel in Fassade und Überströmungsöffnungen in den Oberlichtern der Flurtüren. Die grünen Lichthöfe sorgen für eine natürliche Belichtung und Belüftung der Mittelzone und werden in das Lüftungskonzept integriert. Die Nachtauskühlung kann durch die Kaminwirkung enorm verstärkt werden.

Eine intelligente Steuerung erfolgt über Wärmefühler und Wetterstation. Regenwasser wird gesammelt und kann zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt werden. Rigolen dienen der Versickerung auf dem Grundstück. Beleuchtungsanlagen werden tageslichtabhängig betrieben und reduzieren den Stromverbrauch. Alle Gebäudeseiten erhalten einen außen liegenden textilen Sonnenschutz. Fenster- und Glasfassadenanteile werden mit 3-fach-Isolierverglasung geplant. Die Flachdachkonstruktion wird extensiv begrünt. Das Aufbringen einer Photovoltaikanlage ist nach Bedarf einfach zu realisieren. Entsprechende Vorrichtungen und Anforderungen werden in der Planung berücksichtigt. Sämtliche gesetzliche energetische Vorgaben, (ENEV, EEG) sind deutlich unterschreitbar. Maßnahmen zur Einhaltung des Passivhausstandard sind planerisch berücksichtigt und realisierbar.

Vorüberlegungen zum Brandschutz

Vorüberlegungen zum Brandschutz

Sämtliche im Erdgeschoss befindliche Aufenthaltsräume des Neubaus werden direkt ins Freie oder über notwendige Flure entfluchtet. Die Clustergrößen der Obergeschosse liegen unter 400 m2. Jedes Cluster verfügt über zwei bauliche Fluchtwege, die direkt ins Freie führen. Im Bestand können Brand- abschnitte mittels F30-Verglasungen gebildet werden. Somit sind aus dem Obergeschoss zwei unabhängige, bauliche Fluchtwege gewährleistet. Auf der Nordseite des Erdgeschosses wird der zweite bauliche Fluchtweg über einen Fluchtbalkon gewährleistet. Vernetzte Rauchmelder sind vorgesehen.

Pläne

Typ Name Datum Größe
jpg 1010 Plan1.jpg 06.07.2020 487 KB
jpg 1010 Plan2.jpg 06.07.2020 397 KB
jpg 1010 Plan3.jpg 06.07.2020 472 KB

Rundgang


Info

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Städtische Gebäude Esslingen (SGE)
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73728 Esslingen am Neckar
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