Beitrag 1014

Schaller Architekten BDA, Stuttgart

"Kein Schulgebäude, das einer strengen Ordnung um der Ordnung willen folgt, sondern ein eher frei und differenziert ausformuliertes, aber trotzdem hoch funktionales räumliches Gebilde (...) in dem man auf ,,Entdeckungsreise" gehen kann...."
Schaller Architekten BDA, Stuttgart

Modell von vorne
Lageplan
Grundrisse

Erläuterungsbericht

ln Esslingen am Neckar im Stadtteil Pliensauvorstadt soll eine neue dreizügige Realschule mit Ganztagsbetreuung entstehen, in der auch neue pädagogischen Konzepte umgesetzt werden sollen. ln unmittelbarer Nachbarschaft des Baugrundstücks befinden sich heute schon verschiedene Bildungs- und Kultureinrichtungen. Die auf dem Grundstück vorhanden Gebäude einer ehemaligen Werkrealschule sollen teilweise (Klassentrakt) rückgebaut werden. Ein Gebäudeteil von 2011 in dem u.a. Mensa, Schulverwaltung, Lehrerzimmer sowie diverse Unterrichtsräume untergebracht sind, soll erhalten und durch einen neuen Erweiterungsbau mit 24 Klassenzimmern organisiert in 6 Clustern, sowie Fachklassenbereich, Musikraum, Werkräumen usw. ergänzt werden.

Architektur

Architektur

Besonders Wert wird auf innere Transparenz und variable Nutzbarkeit der neuen Räume und eine attraktive Architektur- und vielfältige Außenraumgestaltung gelegt. Es soll eine neue Schulanlage entstehen, die gute Unterrichtsmöglichkeiten bietet, die aber auch das selbständige und forschende Lernen fördert. Dabei sollen das Gebäude und die Außenanlagen dem Bewegungsdrang der Schüler gerecht werden, aber auch Rückzugsmöglichkeiten und Orte der Ruhe bieten. Und nicht zuletzt wird angestrebt, dass nicht nur ein Schulgebäude entsteht, sondern ein Ort der ganzheitlichen Bildung und des sozialen Austauschs für das ganze Quartier.

Vielfältige Anforderungen werden an die Aufgabe gestellt, denen man nicht mit eindimensionalen, sondern mit ebenso vielfältigen und differenzierten architektonischen Lösungen begegnen sollte, sowohl im inneren räumlichen Gefüge, als auch in der äußeren Erscheinung der Schule.

Darüber hinaus sollte der neue Erweiterungsbau in seiner architektonischen Ausformung und städtebaulichen Anordnung derart sein, dass er zusammen mit dem zu erhaltenden Bestandsgebäude nicht nur eine funktionale Einheit, sondern auch im architektonischen ein homogenes neues Ensemble bildet. Und keinesfalls sollten hierarchischen Unterschiede zwischen ,,Alt und Neu" zu sehr sichtbar werden. Neubauten und Bestandsgebäude sollten sich gleichberechtigt und freiwillig zu einem neuen harmonischen Ganzen fügen. Und das bauliche Ensemble aus ,,Alt und Neu" sollte sich städtebaulich gut in die Umgebung einfügen, sich dabei aber auch selbstbewusst und prägnant nach außen zum Stadtraum zeigen. Nur so kann es seiner Rolle nicht nur als Schule, sondern auch als für die Bürger offener und einladender Begegnungsort gerecht werden.

Auf Basis dieser Überlegungen hat sich der Entwurf entwickelt: Es wird vorgeschlagen, das zu erhaltenden Gebäudeteil um einen zweiflügeligen, im Grundriss,,L-förmig" angelegten dreigeschossigen Neubau zu ergänzen. Dieser ist nach außen zu den Straßenräumen streng orthogonal und somit urbaner, aber nach innen zum landschaftlicher angelegten Pausenhof formal etwas freier formuliert. Die beiden neuen Gebäudeflügel bilden jeweils eigene Häuser, in denen die Unterrichtsbereiche - je Geschoss jeweils ein Cluster mit 4 Klassenräumen - liegen. Das bedeutet, dass in jedem Haus bzw. Flügel 12 Klassenräume (insgesamt 24) nebst zugehörigen Nebenräumen untergebracht sind.

Der L-förmige Neubau schließt an der östlichen Stirnseite an das Bestandsgebäude an. Er ist so ausgeformt und so platziert, dass ein Flügel eine schützende Raumkante nach Norden, zum landwirtschaftlich genutzten Weg hin bildet. Der andere Flügel gliedert den Außenbereich der Schule in einen nach innen orientierten, geschützten Pausenhof und in einen nach außen zum Straßenbereich orientierten, öffentlicheren Vorbereich. Über diesen Vorbereich erfolgt auch die Erschließung der Schule. Hier an der Straße liegen folgerichtig auch die PKW-Stellplätze.

ln dieser Art der Ordnung von Neubauten und deren Verknüpfung mit dem Bestand entsteht ein in sich, und nach außen homogen wirkendes, neues dreiflügeliges Schulgebäude, dessen einzelne Flügel über eine zentrale Eingangshalle miteinander verbunden sind und hier verschmelzen. So wird nicht nur eine schlüssige städtebauliche Anordnung und eine ideale Gliederung gut proportionierter Außenräumen geschaffen, sondern auch eine Ordnung, die ideale funktionalen Abläufe im lnneren der Schule ermöglicht.

Die mit Galerien und Lufträumen durchzogene und somit räumlich attraktive Halle bildet das Herz der Schule, in dem ,,Alt und Neu" über alle Geschosse miteinander verknüpft werden. Der Aufzug ist so platziert, dass alle Ebenen, auch die des Bestands mit nur einem Aufzug barrierefrei erreicht werden können. Die Halle mit unmittelbarem Bezug zur Mensa ist das lebendige Zentrum der Schule in dem man sich trifft und wo Veranstaltungen stattfinden können. lm EG, direkt angrenzend an die Halle und zur Halle hin öffenbar, liegt auch der zweigeschossige Musikraum. Insgesamt bietet dies ideale und vielfältige Möglichkeiten der schulinternen und öffentlichen Nutzung der Halle.
Von der Halle aus kann man sich dann in die geschützt um die Halle herum, sternförmig angeordneten ruhigeren Häuser mit den in Clustern organisierten Unterrichtsbereichen zurückziehen, ohne andere, fremde Bereiche /Cluster durchqueren zu müssen. Bestehendes und neu Hinzugefügtes liegen gleichberechtigt an dieser zentralen Mitte und bilden auch nach außen eine homogene Einheit.

Die Fachklassen und die Werkräume liegen im Gartengeschoss unter dem Erdgeschoss des an der nördlichen Grenze liegenden Gebäudeflügels und sind auch über Aufzug, offene Treppen direkt von der Halle aus zu erreichen, sowie räumlich über Lufträume verknüpft. Die nach Norden ausgerichteten Werkräume etc. werden über einen großzügigen Werkhof belichtet. Die Fachklassen werden über eine landschaftlich gestaltete Geländemodellierung, die sich nach lnnen zum Pausenhof öffnet, belichtet. Mit ihrer Begrünung, Sitzstufen und frei angeordneten Treppenanlagen entstehen so zusätzliche Spiel- und Aufenthaltsflächen und insgesamt vielfältigere Möglichkeiten für die Schüler/innen in der Nutzung des Außenraums.

Die Nutzungen im Bestandsgebäude bleiben weitestgehend erhalten. Es wird nur vorgeschlagen, das Lehrerzimmer im 1.OG an die westliche Stirnseite des Bestandsgebäudes zu verlagern. Hier am Ende des Bestandsgebäudes liegt das Lehrerzimmer etwas privater und könnte auch eine Außenterrasse auf dem Dach des eingeschossigen Bestandsgebäudeteils erhalten. Anstelle des ehemaligen Lehrerzimmers wird vorgeschlagen, die Bibliothek einzurichten. Somit läge auch die Bibliothek zentral und wäre gut von der Halle bzw. allen anderen Bereichen aus zu erreichen.

Kein Schulgebäude, das einer strengen Ordnung um der Ordnung willen folgt, sondern ein eher frei und differenziert ausformuliertes, aber trotzdem hoch funktionales räumliches Gebilde mit vielfältigen räumlichen Möglichkeiten, in dem man auf ,,Entdeckungsreise" gehen kann, könnte entstehen, mit einer auch prägnanten und in den Stadtraum wirkenden äußeren Erscheinung.

Energiekonzept

Energiekonzept

Ziele des Energiekonzeptes sind laut Auslobung ein Heizwärmebedarf von kleiner 15 kWhim2a und ein Primärenergiebedarf von kleiner 85 kWh/m2a. Erreicht werden diese Ziele u.a. durch folgende Ansatzpunkte:

  • kompakter Baukörper
  • optimale Ausrichtung des Gebäudes und dessen Öffnungen (passiv-solare Ausrichtung)
  • beweglicher Sonnenschutz
  • Sehr gute Wärmedämmung und 3-fach-Verglasung
  • Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und wartungsarmen Komponenten
  • Windschutz des Gebäudes durch die Außenanlagen
  • Natürliche Be- und Entlüftungsmöglichkeiten (u.a. Solarkamin z.B. über der zentralen Halle)
  • Lüftungsquellbrunnen Halle / Zuluft über Erdkanal in den Außenanlagen

Dachaufbauten:
Es ist ein extensiv begrüntes Dach vorgesehen mit einer süd-orientierten PV-Anlage sowie Solarabsorbern (Solarthermie). Wärmeerzeugung: Die sinnvolle Maximierung passiver Gewinne mit dem Fokus auf solarer Energie ist ein zentrales Element des Energiekonzeptes (Passiv-Solar): Wärmeverluste werden minimiert, Restwärmebedarf wird nach Möglichkeit passiv gedeckt. Die Wärmeerzeugung erfolgt über den Fernwärmeanschluss. Zukünftige Optionen: Solarabsorber-Anlage und Mini-BHKW zur aktiven Unterstützung. Aktivierte Bohrpfähle (Erdwärmetauscher) sind eine zusätzliche weitgehend wartungsfreie Option.
Wärmeübertragung: Die Wärmeübertragung in die Klassenräume erfolgt durch die an den Außenwänden angebrachten Heizkörpern, welche nur in Spitzenlastfällen zum Einsatz kommen werden. ln der Eingangshalle werden ebenfalls Radiatoren eingesetzt.

Warmwasser-Erzeugung:
Die Warmwasser-Erzeugung erfolgt mittels dezentraler Durchlauferhitzer im Bedarfsfall direkt am jeweiligen Waschtisch. Über Solarabsorber kann eine zentrale Vortemperierung erfolgen. Zur Einhaltung der Trinkwasserhygiene werden entsprechende Hygiene- Spülstationen installiert.

Sonnenschutz:
Der sommerliche Wärmeschutz wird durch einer außenliegenden, individuell steuerbaren Raffstoreanlage mit Tageslichtlenkung sichergestellt. Dadurch gelangt selbst bei vollständiger Verschattung genügend Resthelligkeit in den Raum, um auf den Einsatz von Kunstlicht verzichten zu können.
Zusätzlich zum außenliegenden Sonnenschutz werden innenliegende Blendschutzelemente installiert. Lüftungskonzept: Erdkanälen temperieren die Luft vor (im Sommer vorgekühlte und im Winter vorgewärmte Luft). Vertikale Schächte bringen die Luft in die Mittelbereiche, wo sie wiederum über kleine Stichkanäle ¡n die einzelnen Cluster geleitet, und dort über Deckenschlitze ausgelassen wird.
Die Absaugung erfolgt mittels Überdruck aus den Clustern in die Halle und von dort über einen Solarkamin nach Außen. Der Großteil der Wärmeenergie wird dabei zurückgewonnen und zur Erwärmung der neu zugeführten Außenluft eingesetzt (Wärmerückgewinnungsgrad > 93%). Durch Luftqualitätsfühler (CO2-Sensoren) kann die erforderliche Zuluft und Abluftmenge automatisch und bedarfsabhängig angepasst werden.
Als redundante Elemente zur Lüftung werden zusätzlich Fensteröffnungen in den Klassen- und Lehrerzimmern vorgesehen, Die Möglichkeit, Fenster komplett öffenbar vorzusehen, ist in Absprache mit dem Bauherrn und dem Nutzer zu klären.

Versiegelung / Regenwassernutzung:
Versiegelte Flächen werden mit einer gebäudenahen Regenwasserzisterne kompensiert. Das gesammelte Regenwasser wird für die Toilettenspülung verwendet. Sollte aufgrund von starken Regenfällen die Zisterne gefüllt sein, wird überschüssiges Wasser in die Kanalisation geleitet. Außerdem kann sowohl durch einen verzögerten Abfluss von Regenwasser auf dem Dach eine gewisse Retention erreicht werden.
 

Nachhaltigkeit nach NBBW

Nachhaltigkeit nach NBBW

Die Erreichung der Ziele nach NBBW wird angestrebt. lm Folgenden werden diese punktuell beschrieben:

Konstruktion und Material:
Holzhybridkonstruktion: Brettschichtholz-Träger werden kraftschlüssig mit einer 10 bis 12cm Betondecke verbunden. Darauf wird ein schwimmender Estrich gegossen. Der Abstand der Balken zueinander beträgt ca. 1,25m bis 1,50m. Parallel zur Fassade wird ein Randträger platziert. lm Gebäudeinneren werden die Träger horizontal über einen Lastsammler abgefangen und die Kraftvertikal über Stützen abgeleitet (2.8. Stahl- oder Betonstütze). Die Fassade kann tragend ausgebildet werden. Die Erschließungskerne bestehen aus Stahlbeton.

Kosten im Lebenszyklus - NAKR 05:
Die Optimierung der Kosten nach DIN 276 durch Optimierungen in den Kostengruppen KG 300, KG 400, KG 530 (teilweise), KG 540, KG 550 (teilweise) und KG 570 (teilweise) erfüllt: Für das gesamte Gebäude werden möglichst günstige, ressourcenschonende und nachwachsende Materialien und Konstruktions-, Energie- und Technikkonzepte gewählt, deren Investitionskosten mit den Aspekten der resultierenden Nutzungskosten bzw. der technischen Nutzungsdauer abgewägt werden.

Optimierungen der Kosten nach DIN 18960:

  • KG 311 Versorgung- Wasser:
    Reduzierung der LZK durch Nutzung von Niederschlagswasser für z.B. Toilettenspülung und die Versickerung von Regenwasser.
  • KG 312- 316 Betriebsmittel:
    Reduzierung durch Energie- und Technikkonzept (Fernwärme, PV, etc.), Fassadengestaltung mit hohem Anteil geschlossener Elemente, kompakte Baukörpergestaltung, Sensibilisierung der Nutzer zum Umgang mit einem Passivhaus, effizientes Betreiberkonzept, Beleuchtungskonzept basierend auf Tageslicht, Beleuchtung mit Bewegungsmeldern, Lüftungs- und Klimakonzept (s.o.), Regenerative Gebäudeenergiekonzepte (s.o.), Lüftungskonzept mit wenig mechanischem Luftwechsel und optional durch öffenbare Fenster.
  • KG 331, 332 und 333 - Unterhalts-, Glas- und Fassadenreinigung:
    Reduzierung durch geometrische einfache und durch gut erreichbare, eingeschossige Fassade, Reinigung der Fenster bei Bedarf, geringerer Reinigungsaufwand intern durch Sauberlaufzonen an den Eingängen, pflegeleichte Materialien und Oberflächen (Linoleum, Fliesen, etc.), Nutzer werden auf die Handhabung des Gebäudes hingewiesen.
  • KG 352 - lnspektion und Wartung der Baukonstruktion:
    Gute Zugänglichkeit der Baukonstruktion und geringer Komplexitäts- und Technologisierungsgrad
  • KG 353 - lnspektion und Wartung der TGA:
    Gute Zugänglichkeit der TGA und geringer Komplexitäts- und Technologisierungsgrad
  • KG 410: lnstandsetzung der Baukonstruktion und
  • KG 420'.lnstandsetzung der TGA:
    Reduzierung durch geringen Komplexitäts- und Technologisierungsgrad der Immobilie, Anforderungen an Anlagenverfügbarkeiten und Reaktionszeiten, Servicelevel des technischen Facility Managements, Instandhaltungsstrategie Bau/TGA (reaktiv, präventiv).

Pläne

Typ Name Datum Größe
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jpg 1014 Plan2.jpg 06.07.2020 330 KB
jpg 1014 Plan3.jpg 06.07.2020 393 KB

Rundgang


Info

Kontakt

Städtische Gebäude Esslingen (SGE)
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Ritterstraße 17
73728 Esslingen am Neckar
Telefon (07 11) 35 12-22 76
Tuba Schmitt-Kavalci

Projektleitung - Neubauten und Generalsanierungen

Telefon (07 11) 35 12-23 96
Fax (07 11) 35 12-55 23 96
Raum: 125

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