Beitrag 1016

BURUCKERBARNIKOL Architekten BDA, Dresden

"Bewegte Grünzonen und Belagsflächen erzeugen die einladende Geste des Schulgeländes und verweben sich mit den nahe liegenden Außenräumen zu einem gemeinsamen Ganzen."
BURUCKERBARNIKOL Architekten BDA, Dresden

Modell von vorne
Lageplan
Grundrisse

Erläuterungsbericht

Rahmenbedingungen und Städtebauliche Einordnung

Rahmenbedingungen und Städtebauliche Einordnung

Die Stadt Esslingen am Neckar mit einer Einwohnerzahl von 93.000 liegt etwa zehn Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt von Baden - Württemberg und inmitten der gleichnamigen Region Stuttgart. 

Der historisch gewachsene Stadtteil der Pliensauvorstadt auf der gegenüberliegenden Seite des Neckars ist geprägt durch die Nutzungsmischung aus Gewerbegebiet, Wohngebiet mit vorwiegend Mehrfamilienhausstrukturen und vereinzelten Sonderbausteinen. 
Am Rande der Pliensauvorstadt, inmitten der verschiedenen Stadtstrukturen, befindet sich das Grundstück der neuen Schule Esslingen. Durch die Eberhard-Bauer-Straße ist das Gebiet im Osten mit dem Nahverkehr verbunden. Im Norden grenzen ein Gewerbegebiet und ein Wirtschaftsweg, dieser bedient die landwirtschaftlichen Nutzungen westlich des Grundstückes. Im Süden befindet sich, ganz im Sinne der anthroposophischen Philosophie erbaut, die freie Walddorfschule Esslingen. In dieser heterogenen Stadtstruktur soll sich der Neubau der Neuen Schule Esslingen präzise platzieren. Die städtebauliche Setzung der vormaligen Adalbert-Stifter-Schule wird dabei adaptiert. 

Baukörper

Baukörper

Die Neue Schule Esslingen wird als kompakter Baukörper im Westen des Grundstücks eingefügt. Die bewusste Entscheidung für einen 3-geschossigen Baukörper reduziert die zu versiegelnde Schulhoffläche auf das nötige Minimum und schafft ein effizientes Flächen-Volumen-Verhältnis, dass hierbei als Grundlage für einen Ressourcen schonenden Bau steht. Der in Nord-Süd-Richtung gestreckte Körper nutzt die Vorteile der natürlichen Gegebenheiten zur primären Belichtung aus Osten und Westen und bietet eine naheliegende Verbindung zum bereits existierenden Bestandsbau der Mensa. Die umlaufend auskragenden Fluchtbalkone bieten zudem die Möglichkeit zu einem effizienten Wärmehaushalt in Sommer- und Wintermonaten.

Durch die Platzierung des Neubaus können die Freiflächen des Grundstückes maximal genutzt werden und der Baumbestand nahezu komplett erhalten werden. Die dabei gewählte kompakte Geometrie steht in direktem Zusammenhang mit der hohen Architektur- und Nutzungsqualität, wirtschaftlichen Bauweise und der hohen energetischen Effizienz. 

Innere Struktur

Innere Struktur

Vom Schulhof kommend betritt man über einen Windfang das großzügige Foyer. Von hier gelangt man unmittelbar in den Öffentlichkeitsbereich des Schulensembles. In diesem befinden sich der zum Foyer erweiterbare Musikraum und gegenüberliegend der offene Ganztagesbereich. Dieses großzügige Raumgefüge bildet den Dreh- und Angelpunkt des gemeinsamen Schullalltags. Die Verbindung zwischen Neubau und Bestand folgt an dieser Stelle damit einer inneren Logik und bildet ganz selbstverständlich eine interne Verknüpfung zur bestehenden Mensa. Der Ganztagesbereich folgt dem Prinzip einer offenen Landschaft und kann mit unterschiedlichsten Einbauten und Funktionen nach Bedarf bespielt werden. Das kreative Miteinander wird hier gestärkt, gleichzeitig werden individuelle Rückzugsmöglichkeiten geboten. Das Gemeinschaftsgefühl und die Autonomie der SchülerInnen werden räumlich gefördert.

Aus der offenen Zone des Ganztagesbereichs verdichtet sich das Erdgeschoss Richtung Westen und bietet Platz für die Fachräume. Zwischen der offenen Landschaft und den Fachkabinetten befindet sich ein baulicher Puffer aus andienenden Funktionen:  Sammlungen, Bibliothek, WC-Kerne und die Treppen, die zu den Clustern in beide Obergeschossen führen. 

Die analog ausgebildeten Obergeschosse gliedern sich jeweils in drei Nutzungseinheiten, die je ein Cluster bilden. Jedes Cluster funktioniert um eine eigene Mitte, bestehend aus offener Lernfläche, flexibler Differenzierungsfläche und zentralem Lichthof. Die Clustermitte ist frei bespielbar und besitzt den hellen, nutzungsoffenen Charakter einer gemeinsamen Lernlandschaft. 

Die Lehrerbereiche befinden sich nach dem Prinzip der kurzen Wege dezentral zwischen den Clustern. Das zentrale Lehrerzimmer (A10) liegt gut erreichbar im ersten Obergeschoss des Bestandsgebäudes. Die Innere Struktur folgt der städtebaulichen Setzung und erzeugt eine klar ablesbare systemische Ordnung und logische Raumsequenzen, verbunden mit den Anforderungen an hochflexible Nutzungsszenarien.

Freiraum

Freiraum

Der Freiraum bildet einen formalen Kontrast zum Baukörper, die geschwungenen Gesten beziehen sich auf vorgefundene Elemente der näheren städtebaulichen Umgebung und bilden eine harmonische und naturnahe Atmosphäre der Freiflächengestaltung. Bewegte Grünzonen und Belagsflächen erzeugen die einladende Geste des Schulgeländes und verweben sich mit den nahe liegenden Außenräumen zu einem gemeinsamen Ganzen. Es entsteht ein intuitiv zu verstehender Außenraum, der die Abfolge des Ankommens an der Eberhard-Bauer-Strasse gliedert. Stufenlos werden die Übergänge des ruhenden Fahrrad- und PKW-Verkehr, die ruhig gelegenen Pausenflächen, der einladende Außenbereich der Mensa und der Eingang der Neuen Schule miteinander verbunden.

Konstruktion und Materialität

Konstruktion und Materialität

Die Neue Schule Esslingen wird als konstruktiver Holzbau vorgesehen und basiert auf einem gleichmäßigen Gebäuderaster von 62,5cm / 1,25m. Die regelmäßigen Spannweiten und der modulare Aufbau der Tragstruktur ermöglicht einen direkten Lastabtrag und gewährleistet ohne große bauliche Interventionen spätere Anpassungen der Nutzung.

Die Auswahl der Materialien erfolgt unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit. Im Wesentlichen wird die Verwendung von Holz (Brettschichtholztafeln, Fensterrahmen, Holzschalung, etc.) und Glas vorgeschlagen, da diese Materialien nachwachsende Ressourcen bzw. vollständig recycelbar sind. Der Einsatz von vorgefertigten Brettschichtholzelementen ermöglicht eine zeit- und kostenoptimierte Montage aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades. Diese Konstruktionsmethode weist eine hohe Energieeffizienz und eine lange Lebensdauer auf, sodass nur geringe zusätzliche Lebenszykluskosten zu erwarten sind. Die bauphysikalisch einfache Konstruktion garantiert eine hoch wirtschaftliche Gebäudekonstruktion. Gründung, Kerne und Aufzugsschacht des Baukörpers werden als Stahlbetonbau (unter Verwendung von Recyclingbetonen) konzipiert. Die Holz- Primärkonstruktion soll in Teilen unbekleidet mit entsprechend behandelter Holzoberfläche bleiben. Die Ausbaukosten werden hier auf ein Minimum gesenkt.  Die Aufenthaltsbereiche und Klassenzimmer werden mit entsprechend ergonomisch vorteilhaften und raumakustisch wirksamen Innenausbauten (Regalen, Wandschränken, Einbaumobiliar), mineralischen Wandbeschichtungen und -belägen ausgestattet. Die thermische Hülle des Gebäudes erhält eine hinterlüftete Holzwolldämmung mit einer Verschalung aus vertikalen Holzleisten. Die Wahl der Oberflächenbeschaffenheiten und -farbgebungen gewährleistet eine helle Raumwirkung und über die gleichmäßigen Fensteröffnungen in den Nutzräumen eine ausreichende Belichtung mit natürlichem Tageslicht. Die innenliegenden Lernlandschaften und Differenzierungsräume werden des weiteren über die begrünten Lichthöfe sonnengeschützt belichtet. Die geringe Sturzhöhe der Fenster begünstigt die natürliche Belichtung und kann dabei sowohl zu einem hohen Tageslichtquotienten als auch zu einer gleichmäßigen Helligkeitsverteilung des Tageslichts beitragen. 
 

Energetisches Konzept und Brandschutz

Energetisches Konzept und Brandschutz

Der notwendige erste bauliche Rettungsweg wird über die vorgelagerten umlaufenden Fluchtbalkone realisiert. Dieser ermöglicht die unmittelbare Rettung / Flucht aus jedem angrenzenden Aufenthaltsraum. Die verwendeten Materialien und Dimensionierungen der Profilquerschnitte entsprechen der jeweils geforderten Brandschutzklassifizierung. Sie verfügen damit über die entsprechende Tragfähigkeit im Brandfall.  

Ziel der technischen Konzeption ist die Vermeidung unnötiger Querungen brandschutzrelevanter Bauteile, langer Installationswege bei Erreichung größtmögliche Flexibilität. Die laufenden Energiekosten sowie die langfristigen Aufwendungen für Wartung und Betrieb sollen minimiert werden. Es wird eine energieeffiziente Gebäudeausrüstung unter Einbeziehung natürlicher Energieressourcen vorgesehen. Mit der architektonischen Gestaltung sowie den darüber hinaus vorgesehenen Maßnahmen zum baulichen Wärmeschutz sollen die Anforderungen der EnEV bezüglich des Heizenergie- und Primärenergiebedarfes unter Beachtung der Typologie des Schulneubaus deutlich unterschritten werden. 

Die Fachräume sowie die Klassenräume werden über eine Fußbodenheizung (Niedertemperierungssystem) mit Wärme versorgt. Die natürliche Frischluftversorgung erfolgt über eine Querlüftung mittels handbedienter Lüftungsflügel in der Fassade, Überströmöffnungen in den Türbereichen (Türoberlicht oder Spaltlüftung) zu den Geschossfluren. Diese Systematik kann auch mit einer zentralen Zuluft-Anlage in den Fluren ergänzt werden. Der Luftwechsel läuft in diesem Anwendungsfall immer von innen nach außen und ist damit unanfälliger gegenüber wechselnden Witterungsverhältnissen. Mit diesem System kann auch eine nächtliche freie Kühlung gewährleistet werden. Unverkleidete Massivbauteile der Kernzonen, Flurwände (Speicherwand) und Decken können als Speichermasse auf diese Weise für den darauffolgenden Tag ausgekühlt werden. Als Blend- und Sichtschutz kommen textile Screens zum Einsatz. Ergänzend hierzu wird die Beleuchtung mit bedarfs- und sensorgeführter Lichtregelung in Verbindung mit dimmbaren elektronischen Vorschaltgeräten ausgeführt. Damit sollen Energieverbrauch und Beleuchtungswärmelasten im Normalbetrieb reduziert werden. Für genauere Betrachtungen in den nächsten Leistungsphasen wird eine thermische Gebäudesimulation erforderlich. Diese ermöglicht deutliche Präzisierungen der gezielten Maßnahmen und ist dem vereinfachten Sonneneintritts-Kennwertverfahren vorzuziehen. Es werden hierbei u.a. die verschiedenen Sonnenstände, Regelbarkeiten des Sonnen- und Blendschutzes, Temperaturentwicklungen mit einbezogen. Zudem werden alle Komponenten in einer integralen Planung mit TGA-Fachplanern, Bauphysikern und Nachhaltigkeitssachverständigen zusammengeführt und hinsichtlich der zu wählenden Maßnahmen ausgewertet.

Im Zusammenspiel mit dem bewusst minimierten Versiegelungsgrad der Freiflächen und dem maximalen Erhalt der Baumsolitäre kann auf einfache Weise ein klimatisch angenehmes Umfeld auf dem Schulgelände auch bei langanhaltenden Extremtemperaturen gewährleistet werden. In Ergänzung durch Photovoltaik- und Solarpaneelen auf den Dächern, steht der Neubau der Neuen Schule Esslingen beispielhaft für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt. 

Pläne

Typ Name Datum Größe
jpg 1016 Plan1.jpg 06.07.2020 379 KB
jpg 1016 Plan2.jpg 06.07.2020 399 KB
jpg 1016 Plan3.jpg 06.07.2020 428 KB

Rundgang


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Städtische Gebäude Esslingen (SGE)
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