Geschichte der Esslinger Feuerwehr

Die Entwicklung einer modernen Feuerwehr begann in Esslingen – wie in vielen anderen Städten – in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Welche gesellschaftlichen, technischen und organisatorischen Veränderungen dazu führten, wie sich das Feuerwehrwesen in Esslingen weiterentwickelte und welche Strukturen sich daraus bis heute ableiten lassen, erfahren Sie in den folgenden Kapiteln.

Die hier bereitgestellten Texte enthalten unter anderem Auszüge aus der Festschrift „150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Esslingen“, die anlässlich des Jubiläums im Jahr 2002 veröffentlicht wurde. Ein gedrucktes Exemplar der Festschrift ist weiterhin über die Geschäftsstelle der Feuerwehr Esslingen erhältlich.

Turnvereine und Bürgerwehren als Wegbereiter der Feuerwehr

Turnverein und Bürgerwehren

Der Weg zur Gründung

Der Weg zur Gründung

Organisation in der Anfangszeit

Organisation in der Anfangszeit

Die Grosmannsche Neuorganisation

Die Grosmannsche Neuorganisation

Aufstieg zum modernen Sicherheitsinstrument

Der Aufstieg zum bürgerlichen Sicherheitsinstrument

Die Weckerlinie – technischer Fortschritt im Alarmwesen

Die Weckerlinie

Guter Ruf und eigenes Häusle

Guter Ruf und eigenes Häusle

Veränderungen in der NS-Zeit

Veränderungen in der NS-Zeit

Bombennächte

Bombennächte

Demokratischer Neubeginn

Nach 1945 übernahmen die Alliierten die Aufsicht über die Feuerwehren. Die NS-Strukturen wurden aufgelöst, Kommandanten ausgetauscht – die Feuerwehr wurde wieder eine eigenständige Organisation außerhalb der Polizei.

In Esslingen trat Wehrführer Karl Fischer im September 1945 zurück. Die US-Militärregierung ernannte Paul Friesch zu seinem Nachfolger – ein erfahrener Feuerwehrmann, der nie NSDAP-Mitglied war. Unter seiner Führung kehrte die Feuerwehr Schritt für Schritt zur demokratischen Ordnung zurück: mit gewählten Gremien, Hauptversammlungen und bürgernaher Struktur. Friesch blieb Kommandant bis 1953.

Das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen

Das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen

Ausgewählte Fahrzeugbeschaffungen der 50er Jahre

Ausgewählte Fahrzeugbeschaffungen der 50er Jahre

Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr Esslingen 1952

Stadtmitte (Gerätehaus Kiesstraße)

Anzahl Fahrzeug / Gerät
2 Tanklöschfahrzeug (1500 l/min)
2 Löschfahrzeug (1500 l/min)
1 Drehleiter (18 m)
1 Stahl-Drehleiter (30 m)
1 Schlauch- und Gerätewagen
1 Personenkraftwagen
1 Sonderfahrzeug Waldbrand + TS (800 l/min)
1 Sonderanhänger Schnellkupplungsrohre

Vororte

Vorort Fahrzeug / Gerät
Wäldenbronn 1 Löschfahrzeug (800 l/min), 1 Hydrantenkarren, 1 Schiebleiter (12 m)
Hegensberg 1 Löschfahrzeug (800 l/min), 1 Schiebleiter (12 m)
Sulzgries 1 Löschfahrzeug (800 l/min)
Rüdern 1 Löschfahrzeug (800 l/min)
Sirnau 1 Löschfahrzeug (800 l/min)
Liebersbronn 1 Hydrantenkarren, 1 Schiebleiter (12 m)
Neckarhalde 1 Hydrantenkarren
Wiflingshausen 1 Hydrantenkarren

Alarmierung in den 1950er Jahren

In den 1950er Jahren erfolgte die Alarmierung der Innenstadt-Löschzüge über Wecker – sogenannte „Weckerlinien“. Die Vorortwehren wurden über Sirenen alarmiert. Erst ab 1960 begann mit der Einführung der Funkalarmierung in Wäldenbronn eine schrittweise Modernisierung.

Im Stadtgebiet waren 59 Feuermelder installiert, die bei Auslösung automatisch eine dreistellige Kennung an die ständig besetzte Feuermeldezentrale übermittelten – dort wurde die Meldung per Morseschreiber dokumentiert. Gleichzeitig wurden Uhrzeit und Meldepunkt notiert, die Alarmierung der Einsatzkräfte eingeleitet und weitere Stellen wie Polizei, Stadtwerke oder Stromversorger informiert.

In den Vororten konnten Sirenen per Druckknopf ausgelöst werden. Der Alarmierende musste vor Ort bleiben, um den eintreffenden Kräften die genaue Einsatzstelle mitzuteilen. Alternativ war eine telefonische Alarmierung über die Notrufnummer 19 möglich – allerdings oft mit Verzögerung, da die Rückverfolgung des Anruforts nicht automatisiert war.

Eine Anekdote zeigt die Tücken der damaligen Technik: Eine aufgeregte Anruferin meldete „Schnell! Weckerlinie! Bei uns brennt’s!“ – die Zentrale verstand „Schnell! Bäckermühle!“ und schickte das erste Fahrzeug prompt in die falsche Richtung. Erst eine Feuermeldung über den Melder korrigierte den Einsatzweg.

Ein besonderer Fall – Feuerwehrdienst als Bewährungsauflage (1952)

Im April 1952 bat der Esslinger Bewährungshelfer Eberhard Schaeufele die Feuerwehrleitung um Unterstützung in einem ungewöhnlichen Fall: Der 19-jährige Josef Z., verurteilt wegen Metalldiebstahls, sollte im Rahmen seiner Bewährung zur Stärkung des Bürgersinns bei der Freiwilligen Feuerwehr mitwirken – so entschied das Amtsgericht Esslingen.

Da Josef Z. in Feuerbach arbeitete und für den regulären Feuerwehrdienst nicht greifbar war, wurde er dem Spielmannszug zugeteilt. Doch bereits nach zwei Wochen blieb er Proben fern – der Bewährungshelfer musste informiert werden. Wie der Fall weiterging, ist nicht überliefert.

Solche Fälle gibt es heute nicht mehr: Seit 1997 schreibt die Feuerwehrsatzung einen „guten Ruf“ als Voraussetzung für die Aufnahme in die Freiwillige Feuerwehr vor (§3 Abs. 1 Nr. 3).

Ein Handelsschiff auf Abwegen – und seine Rückkehr (1961–1987)

Ein Handelsschiff auf Abwegen – und seine Rückkehr (1961–1987)

Einrichtung von Werkstätten – Zentrale Dienste ab den 1960er Jahren

Einrichtung von Werkstätten – Zentrale Dienste ab den 1960er Jahren

Ein neues Löschgruppenfahrzeug – zäher Kampf um Ersatz

Ein neues Löschgruppenfahrzeug – zäher Kampf um Ersatz

Krankentragenhalterung für die Drehleiter – Esslinger Eigenbau mit Fernsehruhm

Krankentragenhalterung für die Drehleiter – Esslinger Eigenbau mit Fernsehruhm

Schnellbergungswagen – Esslingen als Pionier

Kommunikationstechnik im Wandel – 1977 als Meilenstein

Kommunikationstechnik im Wandel – 1977 als Meilenstein

Von wenigen Kräften zur rund um die Uhr besetzten Wache

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte die Stadt hauptamtliche Feuerwehrleute – zunächst für Werkstatt- und Verwaltungsaufgaben. Mit steigendem Einsatzaufkommen konnten kleinere Einsätze bald tagsüber allein durch das Hauptamt abgearbeitet werden. Nachts blieb man auf die Freiwilligen angewiesen.

Erst Anfang der 1990er Jahre wurde ein Nachtdienst eingeführt, der im Wechsel mit dem 2. Zug besetzt wurde. Am 1. Januar 1997 begann dann die ständige Besetzung der Hauptfeuerwache durch vier Wachabteilungen und einen Tagesdienst – rund um die Uhr. Der Gemeinderat verankerte die neue Hauptamtliche Abteilung im Oktober 1997 in der Feuerwehrsatzung.                                            

Ziel war es, durch die Kombination aus Haupt- und Ehrenamt langfristig keine Berufsfeuerwehr vorhalten zu müssen – eine Lösung, die bis heute erfolgreich Bestand hat.

Mit dem Umzug der Feuerwache an den Pulverwiesen (2008) wurde ein neues Schichtmodell eingeführt, 2016 folgte der 24-Stunden-Einsatzleitdienst. Heute sorgt diese Struktur dafür, dass Einsatzdienst, Leitstelle und Führungsdienst rund um die Uhr verlässlich besetzt sind.

Stadt Esslingen am Neckar

Feuerwehr

Feuerwehr Esslingen am Neckar
Pulverwiesen 2
73728 Esslingen am Neckar
Telefon 0711 3512-3700

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