Adenauerbrücke: Mögliche Varianten vorgestellt
Eigentlich war der Plan klar: Nach dem erfolgreichen Ersatzneubau der Mettinger Brücke und des 2027 anstehenden Ersatzneubaus der Pliensaubrücke über dem Neckar sollte schließlich die Adenauerbrücke an der Reihe sein. Bis dahin hatte die Stadt Esslingen vor, die mit Abstand größte Brücke Esslingens mit kleineren Maßnahmen stand- und verkehrssicher zu halten.
Doch als Anfang August die Ergebnisse der vertieften Bauwerksuntersuchung eintrafen, war dieser Plan hinfällig: Demnach waren die sogenannten Spannglieder im Inneren der Brücke, die für die Stabilität sorgen, in Teilen beschädigt. Daher sperrte die Stadt Esslingen einen Teil-Abschnitt der Adenauerbrücke unverzüglich für den motorisierten Verkehr. „Gleichzeitig haben die Planungen für eine neue Brücke, mit denen wir bereits begonnen hatten, augenblicklich an Priorität gewonnen“, berichtet Hans-Georg Sigel, Bürgermeister für Infrastruktur, Bauen und Umwelt.
Varianten für die neue Adenauerbrücke
Im jüngsten Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz des Esslinger Gemeinderats wurden diese Planungen für eine neue Adenauerbrücke nun vorgestellt. Bislang gingen die Planerinnen und Planer von Drees & Sommer von vier Szenarien aus: Eine Generalsanierung, ein Mix aus Sanierung und Neubau, ein Ersatzneubau an derselben Stelle sowie ein Neubau in seitlich versetzter Lage.
Von diesen vier Varianten sind nach den neuesten Ergebnissen der Bauwerksuntersuchung nur noch zwei übrig: der Ersatzneubau an gleicher Stelle sowie der seitlich versetzte Neubau. „Denn die Einschätzung des renommierten Gutachterbüros Leonhardt, Andrä und Partner ist eindeutig: Die jetzige Brücke kann nicht saniert werden und muss abgerissen werden“, erläutert Hans-Georg Sigel. „Daher scheiden die Varianten, die auf eine vollständige oder teilweise Sanierung gesetzt hatten, aus.“
An gleicher Stelle
Möglich ist also zum einen, die Adenauerbrücke zurückzubauen und anschließend an gleicher Stelle und in ähnlicher Dimension neu zu errichten. Sie würde also weiterhin zunächst über die B10, dann über den Neckar, anschließend über das Gewerbegebiet und zuletzt über die Bahngleise führen. Diese Variante würde eine vergleichsweise höhere Planungs- und Kostensicherheit bieten. Zudem wäre das Genehmigungsverfahren für einen Ersatzneubau in gleicher Lage voraussichtlich mit einem geringeren Zeitaufwand zu realisieren. Jedoch würde das auch bedeuten, dass verkehrliche und städtebauliche Optimierungen nur in geringerem Umfang realisiert werden können.
Seitlich versetzt
Zum anderen überlegt die Stadt Esslingen eine neue Brücke zu bauen, die etwas westlich der bisherigen Brücke gelegen nur noch über die B10, den Neckar und Teile des Gewerbegebiets führt. Etwa auf Höhe der Eberspächerstraße würde diese dann in einen Tunnel münden, der die Bahngleise unterquert und den Verkehr auf die Ulmer Straße leitet. Damit könnte ein zentraler Bereich Oberesslingens rund um den Bahnhof städtebaulich neu gedacht und aufgewertet werden – schließlich wären die bisherigen Auf- und Abfahrtsrampen dann nicht mehr notwendig. Diese Variante würde aber vermutlich deutlich aufwendigere Planungs- und Genehmigungsverfahren nach sich ziehen.
„Festhalten lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt lediglich folgendes“, bilanziert Hans-Georg Sigel. „Während der Ersatzneubau in gleicher Lage vermeintlich schneller realisiert werden könnte, hätten wir mit der seitlich versetzten Variante städtebaulich mehr Chancen, den Stadtteil Oberesslingen und den Verkehr der Zukunft entsprechend zu gestalten. Das ist am Ende ein Abwägungsprozess, bei dem wir im Gemeinderat intensiv diskutieren werden.“
Acht Kriterien für die neue Brücke
Getroffen wird die Entscheidung, welche neue Brücke an dieser Stelle gebaut wird, letzten Endes von einer Mehrheit im Esslinger Gemeinderat. Dazu erarbeitet die Stadt Esslingen derzeit acht Kriterien, anhand derer die beiden Varianten eingängig überprüft und gegeneinander abgewogen werden können.
Diese reichen von technischen Kriterien, die sich um die Konstruktion der Brücke oder deren Erhaltung in den kommenden Jahrzehnten drehen, über Aspekte wie Umwelt- und Landschaftsschutz und die Interessen der umliegenden Akteure wie Gewerbe- und Wohngebiete sowie den ÖPNV bis hin zu Faktoren wie dem Städtebau, also dem Potenzial für die Stadtentwicklung, oder selbstverständlich den Kosten und dem Verkehr.
„All diese Kriterien sollen letztlich mit dem Gemeinderat abgewogen werden“, kündigt Hans-Georg Sigel an. „Wir könnten also beispielsweise festlegen, dass die Kosten wichtiger sind als der Städtebau oder die Umwelt – und umgekehrt.“ Unter Berücksichtigung und Gewichtung all dieser Faktoren kann der Gemeinderat dann voraussichtlich im kommenden Jahr eine Entscheidung treffen, welche Variante weiterverfolgt und schließlich realisiert wird.
Neubau wird noch dauern
Bis die neue Brücke tatsächlich genutzt werden kann, wird es jedoch noch dauern. Nach der Entscheidung für eine Umsetzungsvariante gehen die externen Planerinnen und Planer, die mit der Machbarkeitsstudie der Varianten betraut waren, von einem Realisierungszeitraum zwischen elf und 14 Jahren aus. „Das sieht auf den ersten Blick nach einer extrem langen Zeitspanne aus“, ist sich Bürgermeister Sigel bewusst. „Doch wir sprechen hier von der mit Abstand größten Brücke der Stadt und teilweise jahrelangen Planungs- und Genehmigungsverfahren, die kaum ein schnelleres Tempo zulassen.“
So gibt es beispielsweise nur sehr begrenzte Zeitfenster, in denen über den Bahngleisen gebaut werden darf. Gleichzeitig sind die Fristen für die Vergabe von Planungs- und Bauleistungen gesetzlich vorgegeben und lassen sich nicht beschleunigen. „Und zu guter Letzt ist der Bau einer neuen Brücke über einer Bundesstraße, über dem Wasser und über ein ganzes Gewerbegebiet hinweg deutlich komplexer als der Bau auf einer grünen Wiese“, erläutert Hans-Georg Sigel.
„Angesichts einer geplanten Nutzungsdsauer von über 80 Jahren konzentrieren wir uns nun erst einmal auf den nächsten Schritt – und das ist die bestmögliche Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat. Anschließend treiben wir die Planungen und den Bau mit Hochdruck voran. Hierbei sollen auch alternative Vergabe- und Umsetzungsmodelle geprüft werden, um die Realisierung bestmöglich zu beschleunigen.“
Büro des Oberbürgermeisters


