Gleichstellung braucht Verbündete – warum wir mehr über Männlichkeiten sprechen müssen
Gleichstellung wird nach wie vor häufig als „Frauenthema“ verstanden. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz – und sie erschwert letztlich Fortschritte. Denn Gleichstellung betrifft alle Geschlechter. Und sie kann nur gelingen, wenn sich auch Männer* als Teil dieser Prozesse verstehen und einbringen.
Beim Fachtag „Male Allies – Männer in der Gleichstellung“, organisiert vom Projekt Männlichkeiten 2.1, wurde genau das am 26. Februar 2026 in Stuttgart verhandelt – mit internationalen Fachpersonen, klaren Analysen und durchaus unbequemen Fragen.
Männer* im Gleichstellungskontext: zwischen Privileg und Druck
Gleichstellungspolitik richtet ihren Fokus zurecht auf Diskriminierung, Gewalt und strukturelle Ungleichheiten – insbesondere gegenüber Frauen* und queeren Personen. Gleichzeitig geht sie darüber hinaus. Sie zielt auch auf Solidarität, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die gegenseitige Anerkennung aller Menschen. Damit wird deutlich: Gleichstellung bedeutet nicht nur, bestehende Ungleichheiten abzubauen. Sie bedeutet ebenso, gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, Begegnungen auf Augenhöhe zu fördern und unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen.
Ein wichtiger Impuls der Tagung war, Männer* differenziert in den Blick zu nehmen. Einerseits profitieren Männer* häufig von bestehenden Strukturen. Andererseits erleben bestimmte Gruppen von Männern* auch Ausgrenzung, Gewalt oder gesellschaftlichen Druck. Dabei spielen Themen eine Rolle, die bislang zu selten im Kontext von Gleichstellung zusammengedacht werden: Erwerbsarbeit als zentraler Maßstab für Anerkennung, die Abwertung von Care-Arbeit sowie Erfahrungen von Überforderung, Beschämung und Gewalt. Diese Perspektiven zu berücksichtigen, relativiert bestehende Ungleichheiten nicht. Sie erweitert vielmehr den Blick und schafft eine Grundlage für wirksame Gleichstellungsarbeit.
Für die kommunale Gleichstellungsarbeit ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Gleichstellung muss breiter gedacht und adressiert werden. Dazu gehört, Männer* gezielt als Verbündete anzusprechen, unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar zu machen und Räume für Austausch und Aushandlung zu schaffen. Denn Fragen wie „Wie können alle Geschlechter gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben?“ betreffen selbstverständlich auch Männer*.
Dialog als Voraussetzung für Veränderung
Die Tagung hat deutlich gemacht, dass unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch gebracht werden müssen. Diese Aushandlungsprozesse sind nicht immer einfach, bilden jedoch die Grundlage für verantwortliches Handeln – sowohl im gesellschaftlichen Alltag als auch in Verwaltung und Pädagogik.
Für uns als Referat für Chancengleichheit ist es eine zentrale Aufgabe, diese Prozesse anzustoßen und zu begleiten. Denn Gleichstellung entsteht nicht von selbst. Sie entwickelt sich dort, wo Verantwortung übernommen wird und Menschen bereit sind, ihre eigene Rolle zu reflektieren. Oder anders gesagt: Gleichstellung braucht Verbündete. Und sie braucht konkretes Handeln – jeden Tag.
Stadt Esslingen am Neckar
Referat für Chancengleichheit
Gerne nehmen wir uns auch für ein persönliches Gespräch mit Ihnen Zeit - nach Terminvereinbarung.
Beauftragte für Chancengleichheit
