So wirkt sich die Hitze in Esslingen aus

Esslingen schwitzt: Seit mehr als einer Woche liegen die Temperaturen deutlich über 30 Grad, der Deutsche Wetterdienst warnt ununterbrochen vor der starken Hitzebelastung. Wie sich dieses Klima auf das Leben in der Stadt auswirkt:

Rasenfläche der Burg wird bewässt, im Hintergrund der Dicke Turm
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„Diese Temperaturen sind ein Vorgeschmack auf das zukünftige Klima hier bei uns in Esslingen“, erklärt Dr. Katja Walther, Leiterin der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz. „Denn in einigen Jahren werden wir hier die Temperaturen erleben, die heute in Madrid vorherrschen.“ Besonders belastet von der Hitze sind zum einen die Stadtteile im Tal, wo sich die Wärme staut – zum anderen vor allem Kinder, Ältere oder gesundheitlich angeschlagene Personen.

Mehr Notfälle, höherer Wasserverbrauch

Das zeigt sich derzeit im Klinikum Esslingen: Laut Dr. Johannes Wagner, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin, werden in diesen Tagen rund 15 bis 20 Prozent mehr ältere Menschen eingeliefert. „Denn bei den aktuell hohen Temperaturen nehmen Beschwerden wie Schwindel, Kreislaufschwäche, Kopfschmerzen oder Dehydrierung deutlich zu“, erläutert der Chefarzt. Grundsätzlich steige auch die Zahl hitzebedingter Behandlungen in der Notaufnahme. Dort erscheinen Patientinnen und Patienten mit Fällen von Hitzeerschöpfung oder einem verschlechterten Zustand bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Wir hatten zuletzt auch einen Patienten mit Hitzschlag und einer Körpertemperatur von 42 Grad“, berichtet Dr. Johannes Wagner. „Mit viel Trinken und Infusionen können wir ihnen aber meist schnell helfen.“

Und auch bei den Stadtwerken Esslingen (SWE) zeigen sich die Auswirkungen der Hitze. So verzeichnen die SWE an den aktuellen Hitzetagen einen erhöhten Verbrauch von Trinkwasser. Derzeit verbrauchen die Esslingerinnen und Esslinger pro Tag etwa 25 Prozent mehr Trinkwasser als üblich – am besonders heißen 22. Juni waren das etwa 20.000 Kubikmeter Trinkwasser. Besonders viel verbraucht wird dabei in den Abendstunden zwischen 18 und 20 Uhr: Dann, wenn also Blumen gegossen oder sich der Schweiß des Tages abgeduscht wird.

Mehr Aufwand, früherer Arbeitsbeginn

Sehr durstig sind aktuell auch die Esslinger Bäume und Grünanlagen: „Wir gießen ohne Ende“, berichtet Matthias Scheider, Leiter des Grünflächenamts. „Derzeit sind bis zu sechs Gießfahrzeuge unterwegs, die bis zu 50 Kubikmeter Wasser pro Tag ausbringen.“ Neben den Rasenflächen in der Maille und auf der Burg, die bis zum Schwörfest und dem Kino auf der Burg standhalten sollen, widmen sich die Mitarbeitenden des Grünflächenamts vor allem den jungen, frisch gepflanzten Bäumen: Für diese ist die Hitzebelastung extrem. Sie werden nach einem festen Rhythmus gegossen – denn in Zukunft sollen sie dringend notwendigen Schatten spenden.

Dabei versuchen die Mitarbeitenden, den Großteil der Arbeit ab 6 Uhr morgens am Vormittag zu erledigen – und gegen Nachmittag wenn möglich auf schattige Arbeitsplätze auszuweichen. Das gilt auch für die Mitarbeitenden des städtischen Bauhofs, wie dessen Leiter Hans-Joachim Pietsch berichtet: „Unsere Teams starten schon seit einigen Wochen um 6 Uhr mit der Arbeit.“ Sie können bei großer Hitze früher ihren Dienst beenden und sich mit bereitgestellter Sonnencreme oder Mützen schützen.

Auf diese Strategie setzt auch der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreis Esslingen (AWB). Deren Angaben zufolge legen die Mitarbeitenden der Müllentsorgung täglich bis zu 15 Kilometer zu Fuß zurück und bewegen bis zu zehn Tonnen Material in den Mülleimern. „Die Mitarbeitenden der Entsorgungsunternehmen leisten derzeit körperlich Außergewöhnliches“, betont Michael Potthast, Geschäftsführer des AWB. „Die Kombination aus Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und der enormen körperlichen Arbeit ist eine extreme Herausforderung.“ Daher beginnen auch die Trupps des AWB aktuell bereits um 6 Uhr, also eine Stunde früher als sonst. Der AWB bittet alle Bürgerinnen und Bürger, ihre Mülltonnen also rechtzeitig bis spätestens 6 Uhr bereitzustellen.

Hitzefrei an Schulen und Museen

Doch nicht überall lassen sich die Auswirkungen der Hitze vermeiden. So war das J. F. Schreiber-Museum in den vergangenen Tagen hitzebedingt geschlossen. Wegen seiner Lage im Dachgeschoss des Salemer Pfleghofs herrschten dort Temperaturen, die einen regulären Museumsbesuch – vor allem für Kinder – nicht möglich machten.

Einschränkungen gab es in dieser Woche auch im Schulbetrieb: Eltern konnten ihre Kinder in den Ganztagsgrundschulen auf Wunsch bereits nach dem Mittagessen abholen. Ansonsten fand dort ein angepasstes Programm in der Nachmittagsbetreuung statt: Rückzug in kühlere Räume, Aktivitäten in schattigen Schulgärten oder Wasserspiele. Die weiterführenden Schulen entscheiden individuell, ob es hitzefrei gibt – so galt am Schelztor-Gymnasium in dieser Woche beispielsweise für die Klassenstufen 5 bis 10 hitzefrei nach der 6. Unterrichtsstunde. Lediglich der Unterricht der Oberstufe fand auch am Nachmittag statt.

Steigende Gefahren

Zu guter Letzt kämpfen auch diejenigen mit Hitze, die sich von Berufs wegen damit beschäftigen: „Je nach Lage passen wir die Schutzkleidung an, um die Wärmebelastung zu reduzieren“, berichtet Andreas Gundl von der Feuerwehr Esslingen. „Zudem ist viel trinken für uns das A und O.“

Im Blick behalten die Feuerwehrkräfte derzeit zwei besondere Risiken: Zum einen ist die Waldbrandgefahr rund um Esslingen aktuell als hoch eingestuft. Offene Feuer im Freien sind untersagt, zudem wird um besondere Vorsicht mit glühenden Zigaretten gebeten. Zum anderen warnt Andreas Gundl vor dem Baden im Neckar – auch wenn der neue Neckaruferpark an manchen Stellen dazu einladen könnte. „Das ist nicht ungefährlich. Strömungen, der Schiffsverkehr und schwer einschätzbare Gefahren machen es sehr riskant.“

All diese Schilderungen zeigen für Dr. Katja Walther eines ganz deutlich: „Wir werden lernen müssen, mit solchen Hitzewellen zu leben.“ Denn die Klimamodelle für Esslingen zeigen, dass diese künftig häufiger auftreten und länger andauern werden. „Daher ist es umso wichtiger, dass wir Esslingen konsequent an diese Folgen des Klimawandels anpassen.“

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(Erstellt am 26. Juni 2026)