25 Jahre: Bürger gehen online
Die Initiative "Bürger gehen online" feiert Jubiläum: In Esslingen sind derzeit über 30 ehrenamtliche Digitalmentor:innen sind im Einsatz. Zu ihnen gehören Hans Nawratil, Ingrid Pfannenstein und Michael Maurer.

Wie bekomme ich meine Fotos vom Smartphone auf den Computer? Wie schreibe ich eine E-Mail an mehrere Empfänger? Wie kann ich ein Bahnticket online kaufen? Antworten auf diese und ähnliche Fragen geben die ehrenamtlichen Esslinger Digitalmentorinnen und -mentoren – und das bereits seit 25 Jahren. Derzeit engagieren sich 33 Menschen im Alter von Ende 20 bis über 80 Jahren an fünf verschiedenen Standorten, um anderen den Einstieg und Umgang mit der digitalen Welt zu erleichtern.
Einer von ihnen ist Hans Nawratil. Der 82-Jährige ist fast von Anfang an dabei und blickt zurück: „Ich wollte damals selbst immer wieder etwas Neues dazulernen und technisch auf dem Laufenden bleiben.“ Noch heute lerne er bei seinen Einsätzen ständig dazu. Was sich in den vergangenen 25 Jahren verändert hat? „Früher kamen die Menschen eher mit Fragen zum Computer zu uns, heute geht es häufiger um Schwierigkeiten mit Tablets und Smartphones.“
In den Schulen fing es an
Dass sich das Projekt so lange und erfolgreich etabliert hat, freut Katrin Gros, die auf städtischer Seite für das bürgerschaftliche Engagement und das Forum Esslingen – Zentrum für Bürgerengagement – zuständig ist. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Stadt Esslingen im Jahr 2001, damals mit drei Pilotschulen, die ihre PC-Räume für die Digitalmentorinnen und -mentoren öffneten. Bereits ein Jahr später gab es 19 Standorte in der ganzen Stadt. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Angebot mit kleineren Schwankungen, blieb aber durchgehend bestehen. 20 Jahre später habe sich vieles verändert, vor allem die Pandemie brachte nochmal einen neuen Schwung: „Zunächst fiel alles weg, dann entstand plötzlich ein großer Bedarf an Videokonferenzen, etwa mit den Enkeln“, erinnert sich Katrin Gros. Mit Fördermitteln des Landes wurden die Standorte nach und nach mit neuer Technik ausgestattet. Katrin Gros und ihr Team sorgen für die Infrastruktur sowie für Weiterbildungen und organisieren zudem Dankesveranstaltungen. „Unsere Digitalmentorinnen und -mentoren sind einfach großartige Menschen – und der Bedarf wird sicher nicht abreißen“, ist sie überzeugt. Auch Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar würdigt das Engagement: „Ich gratuliere der Initiative ‚Bürger gehen online‘ herzlich zum 25. Jubiläum und danke allen Beteiligten für ihr herausragendes Engagement – sie leisten echte Hilfe zur Selbsthilfe.“
Hilfe an fünf Standorten
Einer der heutigen fünf Standorte ist das Wohnstift Radäcker in Sulzgries, wo sich Ingrid Pfannenstein seit drei Jahren engagiert. Ihre Motivation: „Ich helfe gerne allen, die allein nicht weiterkommen – auch wenn ich kein Helfersyndrom habe“, sagt sie lachend. Die Mode- und Produktdesignerin wollte auch im Ruhestand aktiv bleiben. Im Wohnstift ist ihre Zielgruppe zwischen 60 und 90 Jahren alt, viele davon zwischen 70 und 75. Die meisten leben im betreuten Wohnen, einige kommen auch aus der Nachbarschaft. „In Ausnahmefällen gehe ich im Radäcker auch mal in die Wohnungen, wenn zum Beispiel die Druckerpatrone ausgetauscht werden muss“, verrät die Esslingerin.
Im Mehrgenerationen- und Bürgerhaus Pliensauvorstadt ist Michael Maurer tätig. In den Beratungen des 68-jährigen Elektrotechnikers gehe es häufig auch um Hardwareprobleme: „Ich tausche zum Beispiel Akkus oder Festplatten aus“, berichtet er. Besonders schätzt er die thematische Vielfalt: Es geht um das auslaufende Windows 10, das viele Seniorinnen und Senioren verunsichert. Aber auch um Alltägliches wie das Herunterladen von Apps. Oder um Menschen, die ein Tablet geschenkt bekommen haben und noch ganz am Anfang stehen. „Manche kommen mit Notizblock und einer konkreten Liste. Die arbeiten wir dann Schritt für Schritt ab – das sind mir die liebsten“, sagt er und schmunzelt. Zudem ist Michael Maurer, gemeinsam mit Ingrid Pfannenstein und einem weiteren Mentor, für die ehrenamtliche Leitung der Mentorinnen und Mentoren verantwortlich und plant regelmäßige Austausch- und Vernetzungstreffen
Lust auf Unterstützung?
Wer sich ebenfalls engagieren möchte, findet unter dem unten stehenden Button mehr Infos. Dort sind auch alle Termine und Standorte aufgeführt: im Forum, in der Stadtbücherei, im Café Meisennest in Berkheim, im Mehrgenerationen- und Bürgerhaus Pliensauvorstadt sowie im Wohnstift Radäcker in Sulzgries.
Büro des Oberbürgermeisters
