Hilfe bei psychischen Belastungen
Der Gemeindepsychiatrische Dienst unterstützt Betroffene und Angehörige und bietet niedrigschwellige Beratung in schwierigen Lebenslagen.

Bei manchen Menschen schleicht sich eine psychische Belastung langsam in den Alltag ein, bei anderen gerät das Leben durch einen Schicksalsschlag, eine Krise oder eine Erkrankung plötzlich aus dem Gleichgewicht. In solchen Situationen brauchen Betroffene und ihre Angehörigen Beratung und Unterstützung. Genau dafür gibt es den Gemeindepsychiatrischen Dienst (GPD) der Stadt Esslingen.
Je nach persönlicher Situation bietet der GPD unterschiedliche Formen der Hilfe an und vereint zwei Angebote unter einem Dach: den Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) und den Sozialpsychiatrischen Wohnverbund (SWV). Beide richten sich an psychisch erkrankte Erwachsene zwischen 18 und 67 Jahren aus Esslingen und Aichwald.
Erste Anlaufstelle in schwierigen Lebenslagen
„Psychische Erkrankungen können jede und jeden treffen“, sagt Carolin Bischoff, Abteilungsleiterin Soziale Beratung und Betreuung im Amt für Soziales, Integration und Sport. „Umso wichtiger ist es, zu wissen, dass es ein niedrigschwelliges und freiwilliges Beratungsangebot gibt, das Betroffenen und Angehörigen Unterstützung bietet.“
Der Sozialpsychiatrische Dienst ist eine Anlaufstelle für Menschen, die ihren Alltag aufgrund einer psychischen Erkrankung oder psychischen Belastung nicht mehr gut bewältigen können und Unterstützung benötigen. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde oder Nachbarn können sich beraten lassen. Der SpDi bietet eine kostenfreie, freiwillige und vertrauliche Beratung und Begleitung, die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht. Zu seinen Kernaufgaben gehören die Grundversorgung, Vorsorge, Nachsorge sowie die psychosoziale Krisenintervention. Diese Leistungen sind im Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz verankert.
Die Mitarbeitenden hören zu, klären gemeinsam die aktuelle Situation und überlegen, welche Hilfe sinnvoll ist. Das können entlastende Gespräche sein, Unterstützung bei Behördenangelegenheiten oder die Vermittlung an Kliniken oder andere Beratungsstellen. Der Sozialpsychiatrische Dienst ersetzt keine Psychotherapie oder psychiatrische Behandlung. Er ergänzt diese durch sozialarbeiterische Beratung und Begleitung und unterstützt Menschen beispielsweise während der Wartezeit auf einen Therapiepatz oder beim Übergang nach einem Klinikaufenthalt.
„Viele wissen zunächst gar nicht, an wen sie sich wenden sollen“, erklärt Juliane Kuhn, Stellvertretende Leiterin des Gemeindepsychiatrischen Dienstes. „Wir bieten keine Therapie, aber wir beraten, welche Schritte als Nächstes sinnvoll sind und wie der Weg zu weiterer Unterstützung aussehen kann. Wie viele Beratungsgespräche mit den jeweiligen Klientinnen und Klienten geführt werden, ist individuell sehr verschieden. In manchen Fällen genügt ein Termin, in anderen ist eine längerfristige Begleitung sinnvoll.“
Ziel ist ein möglichst selbstständiges Leben
Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung langfristig Unterstützung im Alltag benötigen, können im Sozialpsychiatrischen Wohnverbund begleitet werden. Ziel ist es, ihre Selbstständigkeit zu erhalten oder zu fördern und ihnen eine möglichst selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die Begleitung findet entweder im betreuten Einzelwohnen oder in Wohngemeinschaften mit drei bis sechs Personen statt. Die Unterstützung richtet sich nach dem individuellen Hilfebedarf. Das Wohnverbund-Team begleitet unter anderem bei der Alltagsstruktur und Organisation des täglichen Lebens sowie bei Arzt- und Behördenterminen. Wie intensiv die Betreuung ausfällt, richtet sich nach dem individuellen Hilfebedarf. Für Menschen, deren Bedarf höher ist, gibt es zudem das Wohnkolleg, in dem acht Klientinnen und Klienten zusammen in einer WG wohnen.
„Unser Ziel ist es nicht, Dinge für die Menschen zu übernehmen“, betont Juliane Kuhn. „Vielmehr wollen wir sie dabei unterstützen, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“
Beratung ist freiwillig
„Alle Angebote des Gemeindepsychiatrischen Dienstes beruhen auf Freiwilligkeit. Niemand wird zur Beratung verpflichtet“, bekräftigt Carolin Bischoff. „Wir können Unterstützung anbieten – ob sie angenommen wird, entscheidet die betroffene Person selbst.“
Wer Unterstützung sucht oder sich informieren möchte, kann telefonisch unter 0711 3512-2451 oder per E-Mail an gpd@esslingen.de Kontakt mit dem Gemeindepsychiatrischen Dienst aufnehmen. Die Mitarbeitenden vereinbaren dann einen Termin für ein Erstgespräch. Weitere Informationen zum GPD gibt es auf esslingen.de. Menschen über 67 Jahre können sich an den Sozialpsychiatrischen Dienst für alte Menschen (SOFA) wenden.
Büro des Oberbürgermeisters
