Wie eine Betonwand zum Hingucker wird
Drei Esslinger Schulen haben bei einem gemeinsamen Graffitiprojekt in den Weinbergen über der Mettinger Straße eine Mauer gestaltet. In das Motiv haben sie viele Esslinger Wahrzeichen eingebaut.
Amina malt den Himmel über Esslingen. Mit der Sprühdose in der Hand, auf der Leiter stehend, gesichert von ihrer Klassenkameradin, arbeitet sich die Achtklässlerin der Zollberg-Realschule Zentimeter für Zentimeter voran. „Ich hätte nie gedacht, dass ich bei sowas mal dabei bin“, sagt sie und strahlt hinter der Schutzmaske.
Zusammen mit neun anderen Schülerinnen und Schülern verbringt sie diesen Dienstagvormittag im Weinberg anstatt im Klassenzimmer. Die Aufgabe: eine vormals unschöne Betonwand mitten in den berühmten Esslinger Steillagen in einen echten Hingucker verwandeln. „Und das machen die Jugendlichen trotz der Hitze mit vollem Elan. Man merkt, dass sie da richtig Spaß dran haben“, sagt Julia Bolay, Projektleiterin im Grünflächenamt.
Die Projektwoche ist der gelungene Abschluss einer ganz besonderen Kooperation. „Wir wollten die Mauer schon länger verschönern lassen, aber konnten uns als Verein keine Künstler leisten“, sagt Margit Rapp von den Staffelsteigern. Im Gespräch mit Grünflächenamtsleiter Matthias Scheider sei dann die Idee aufgekommen, die Wand im Rahmen eines Schulprojekts zu gestalten. Diese Idee wurde im vergangenen Herbst bei der Schulleiterkonferenz vorgeschlagen. Einzige Vorgabe war dabei nur, dass das Motiv einen Bezug zur Stadt und eine gute Fernwirkung haben sollte.
„Ich freue mich sehr, dass wir gleich drei Esslinger Schulen bei diesem Kunstprojekt zusammengebracht haben“, sagt Bürgermeister Hans-Georg Sigel. 30 Schülerinnen und Schüler der Elisabeth-Selbert-Realschule, der Zollberg-Realschule und des Georgii-Gymnasiums haben sich intensiv mit der Gestaltung der insgesamt 25 Meter langen und vier Meter hohen Mauer in der Unteren Neckarhalde beschäftigt. Sie haben im Unterricht eigene Ideen gesammelt, sich bei einer Führung mit den Staffelsteigern die Mauer sowie die Weinberge vor Ort angeschaut und sich zudem zu einem Workshop mit dem Sozialpädagogen und Graffitikünstler Sergio Accardi getroffen.
Er hat schließlich alle Ideen in ein Motiv übertragen. In dieses sind ganz unterschiedliche Esslinger Wahrzeichen eingeflossen: der Dicke Turm und die Hochwacht, aber auch Weintrauben oder der Schornstein des Dick-Areals. Drei Tage lang haben die Schülerinnen und Schüler an dem Bild gearbeitet und dabei rund 200 Dosen Farbe verarbeitet.
Den Großteil der Arbeit haben damit die Jugendlichen übernommen – unter der Anleitung von Sergio Accardi, der als Profi das Motiv auf der Mauer skizziert hat und noch für den nötigen Feinschliff sorgen wird. Sämtliches Material wurde von der Stadt gestellt, die Azubis des Grünflächenamts haben zudem tatkräftig mitgeholfen und für die nötige Infrastruktur gesorgt.
Die Jugendlichen können ihre Stadt mitgestalten. Diese Beteiligung wird dazu beitragen, dass sie auch an anderen Stellen mehr auf ihre Umgebung achten“, betont Sergio Accardi, der dieses Projekt aber nicht nur deswegen sehr wertvoll findet. Er schätzt, dass die Jugendlichen dabei zusammenarbeiten, kognitiv gefordert sind und zudem viel über Graffitikunst lernen. Und letztlich ist Accardi vom Standort begeistert: „Das ist eine ganz besondere Wand, die weithin sichtbar ist. Das ist wirklich cool.“
Tatsächlich, so erzählt Julia Bolay, ist die Mauer unter anderem von der B 10, von der Pliensaubrücke und vom Zug aus zu sehen.
Wer sich das Graffitiprojekt aus der Nähe anschauen möchte, der sollte am besten den Esslinger Weinerlebnisweg begehen – dieser führt nämlich direkt an der Mauer in der Unteren Neckarhalde vorbei
Büro des Oberbürgermeisters




