Mit Traubenkernen auf die Hochwacht

Die neue Hochwacht-Stipendiatin der Stadt Esslingen am Neckar und der Wüstenrot Stiftung heißt Elfa D’Avis. Mit ihrem Vorhaben, den mittelalterlichen Weinbau in Baden-Württemberg archäologisch zu untersuchen und dabei die ehemalige Reichsstadt Esslingen als Ausgangspunkt zu nehmen, überzeugte sie die Jury und darf nun, von Mai bis Oktober 2026, auf der Esslinger Hochwacht leben und forschen.

Junge Frau lächelt in die Kamera
Elfa D'Avis

„Die Möglichkeit, die Esslinger Hochwacht als Wohn- und Arbeitsort nutzen zu dürfen ist natürlich etwas ganz Besonderes“, freut sich die Stipendiatin, „hierauf bin ich sehr gespannt“.

Elfa D’Avis (geb. 1999 in Lund, Schweden) studierte von 2019 bis 2023 Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie des Mittelalters im Bachelor und seit 2023 Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Master an der Universität in Tübingen. Ihre Studienschwerpunkte liegen in der Mittelalterarchäologie und der Archäobotanik. „Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mich mit botanischen Resten aus einem mittelalterlichen Befund in Esslingen auseinandergesetzt, wobei ich auf Nachweise von Traubenkernen gestoßen bin. Aus dieser Arbeit heraus ist mein Interesse entstanden, mich näher mit dem mittelalterlichen Weinbau in Esslingen zu beschäftigen,“ erzählt Elfa D‘Avis. „Das Hochwacht-Stipendium bietet mir hierfür ideale Voraussetzungen, da es mir ermöglicht vor Ort zu arbeiten und somit den Weinbau auch anhand von archäologischen Funden oder bauhistorischen Nachweisen zu fassen.“ Ihre Forschungsergebnisse sollen in ihre geplante Dissertation zur Archäologie des mittelalterlichen Weinbaus in Südwestdeutschland einfließen.

Während ihrer Zeit auf der Hochwacht wird die Stipendiatin durch das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sowie durch die Einrichtungen, die für die (Bau-)Geschichte der Stadt Esslingen am Neckar zuständig sind, begleitet. „Ich möchte, soweit möglich, auch schriftliche Quellen aus dem Esslinger Stadtarchiv einbeziehen, um ein möglichst differenziertes Bild zu gewinnen,“ hat sie sich vorgenommen. „Dabei ist es mir wichtig, meine Ergebnisse verständlich aufzubereiten und sie Menschen, die sich für die Geschichte Esslingens interessieren, näherzubringen.“ Zum Ende des Hochwacht-Stipendiums wird Elfa D’Avis die Möglichkeit bekommen, den Fortschritt an ihrem Projekt in einem öffentlichen Vortrag zu präsentieren. Doch auch während des ganzen Sommers wird die neue „Hochwächterin“ hier und da in der Stadt anzutreffen sein, denn: „Am meisten freue ich mich darauf, Esslingen kennenzulernen und die historisch-archäologischen Ergebnisse in ihrem Zusammenhang mit der heutigen Stadt und dem Weinbau vor Ort nachvollziehen zu können.“

Das Hochwacht-Stipendium wird durch das Esslinger Kulturamt gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung ausgelobt. Es richtet sich an den wissenschaftlichen Nachwuchs aus den Bereichen Architekturgeschichte, Denkmal- und Bauforschung, Kunstgeschichte, Stadtgeschichte, Mittelalterarchäologie, Restaurierung oder verwandten Forschungsgebieten und umfasst neben der freien Nutzung der Esslinger Hochwacht einen Unterhaltszuschuss von 1.500 Euro monatlich. 

Die Hochwacht ist Teil der „Esslinger Burg“, der mittelalterlichen Befestigungsanlage der ehemaligen Reichsstadt Esslingen am Neckar. Sie war das Domizil eines der Hochwächter, der die Aufgabe hatte, die Bewohner der Stadt rechtzeitig vor Brand und Feind zu warnen.

Stadt Esslingen am Neckar

Hochwacht-Stipendium

Kulturamt
Rathausplatz 3
73728 Esslingen am Neckar
Telefon 0711 3512-2644
Gudrun Fretwurst

Leitung Öffentlichkeitsarbeit Kulturamt

Das Hochwacht Stipendium wird gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung ausgelobt.

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(Erstellt am 28. April 2026)