Unterstützung für einen bewussteren Alkoholkonsum
Wer das eigene Trinkverhalten verändern möchte, muss nicht zwangsläufig abstinent werden. In dem Ambulanten Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken begleitet die Psychosoziale Beratungsstelle Menschen auf dem Weg zu einem bewussteren Umgang mit Alkohol.

Selbstbestimmt Ziele setzen
„Viele kommen mit dem Wunsch zu uns, etwas an ihrem Konsum zu verändern“, sagt Nicole Benz von der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB). „So wie es gerade ist, soll es nicht bleiben, ein Leben ganz ohne Alkohol ist dabei jedoch nicht für alle das angestrebte Ziel.“
Das Programm kontrolliertes Trinken verfolgt einen zieloffenen Ansatz. Im Mittelpunkt steht die Frage, welches Ziel die Teilnehmenden selbst erreichen möchten. „Sie entscheiden selbst, wohin die Veränderung gehen soll“, erklärt die Sozialpädagogin. „Das kann beispielsweise eine deutliche Reduzierung des Konsums sein.“
Das Konzept, das der Suchtforscher Joachim Körkel entwickelt hat, wird bereits seit 1999 eingesetzt. Um das Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken anbieten zu können, hat Nicole Benz eigens eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert. Es handelt sich dabei nicht um eine Therapie oder Selbsthilfegruppe. Das Angebot folgt einer klaren Struktur mit festgelegten Themen und Übungen. „Gerade Menschen, die sich noch unsicher sind, ob ein Gruppenangebot etwas für sie ist, profitieren oft von diesem klaren Rahmen und Ablauf“, erläutert Nicole Benz. „Im Vorfeld führe ich zudem mit Interessierten bis zu zwei kostenlose Vorgespräche, um zu klären, ob das Programm für sie geeignet ist.“
Austausch und neue Perspektiven
In den Gruppensitzungen beschäftigen sich die Teilnehmenden unter anderem mit ihren Trinkgewohnheiten, Zielen, Strategien zur Zielerreichung, Risikosituationen und dem Umgang mit Rückschlägen. Ein zentraler Bestandteil ist das Führen eines Trinktagebuchs. Darin werden Konsummenge, Anlass und Begleitumstände notiert. „Allein das Verschriftlichen verändert schon viel“, berichtet die Kursleiterin. „Viele merken erstmals, wie regelmäßig oder wie viel sie tatsächlich trinken. Das schafft Bewusstsein und ist oft der erste Schritt zur Veränderung.“
In den ersten drei Wochen wird zunächst nur beobachtet und dokumentiert. Erst anschließend formulieren die Teilnehmenden persönliche Ziele und entwickeln Strategien, um diese zu erreichen. Auch Ausrutscher werden nicht ausgespart: Hier wird gemeinsam analysiert, warum eine Situation schwierig war und welche Strategien künftig helfen können. „Rückschläge gehören dazu“, sagt Benz. „Wichtig ist, daraus zu lernen und herauszufinden, was beim nächsten Mal anders laufen kann.“ Eine wichtige Rolle spielen zudem soziale Gefährdungssituationen. Dafür erarbeiten die Teilnehmenden Möglichkeiten, wie sie Trinkangebote ablehnen und neue Verhaltensweisen entwickeln können.
"Das Wertvollste war für die bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kontakt zu anderen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen“, so Nicole Benz. „Und sie waren erleichtert zu sehen: Das sind alles ganz normale Menschen, sie könnten genauso gut ein Nachbar oder eine Bekannte sein.“
Nächster Kurs startet im September
Das Angebot richtet sich an Erwachsene ab 25 Jahren, die ihren Alkoholkonsum hinterfragen und etwas verändern möchten. Eine Abhängigkeit ist dafür keine Voraussetzung. „Man muss nicht schon morgens trinken, um ein Problem mit Alkohol zu haben“, betont Benz. „Viele Menschen stehen mitten im Berufsleben und funktionieren nach außen völlig normal. Gleichzeitig sind sie oft sehr erschöpft, weil sie ihr Trinkmuster sehr viel Kraft kostet.“
Der nächste Kurs beginnt am Dienstag, 22. September. Die insgesamt zehn Termine finden wöchentlich immer dienstags von 17:30 bis 19:45 Uhr in der Psychosozialen Beratungsstelle Esslingen, Kollwitzstraße 8, statt. Die Teilnahme kostet 300 Euro, inklusive Arbeitsbuch.
Interessierte können sich für weitere Informationen und die Anmeldung an die Psychosoziale Beratungsstelle (PSB) der Stadt Esslingen, Telefon 0711 3511432 oder E-Mail psb@esslingen.de, wenden.
Büro des Oberbürgermeisters
