Anlaufstelle am Bahnhofplatz
Sie sind unübersehbar, präsent und wachsam: In blauer Uniform und mit Schutzweste ausgestattet stehen die Einsatzkräfte der Mobilen Wache auf dem Bahnhofplatz. Seit knapp zwei Jahren sind sie hier im Einsatz – jeden Donnerstag, Freitag und Samstag von 15 bis 22 Uhr.

Die Mitarbeitenden gehören zum 14-köpfigen Team des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Esslingen. Die Mobile Wache ist Teil der kommunalen Kriminalprävention und leistet im Rahmen des Projekts „Sicherheit im Bahnhofsquartier“ regelmäßig Einsätze. Meist sind zwei Kolleginnen und Kollegen auf Streife, manchmal bis zu vier. Sie wechseln alle zwei Stunden durch, denn die Dienste können es in sich haben.
Die Bilanz für das Jahr 2025 zeigt, wie gefragt die Mobile Wache ist: Insgesamt absolvierte das Team 106 Dienste. Dabei ahndeten die Mitarbeitenden fast 600 Verstöße und kümmerten sich um rund 550 Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern. „Unser Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken und gleichzeitig direkt vor Ort Hilfe zu leisten“, erklärt Teamleiter Antonios Kyriakidis.
Es ist ein Donnerstag am späten Nachmittag, die Sonne senkt sich langsam über dem Bahnhof. Alexander Hartel und Evgeni Vasilev haben den Platz fest im Blick. Im Laufe ihres heutigen Dienstes werden sie fünf Verstöße gegen die Polizeiverordnung und das Jugendschutzgesetz feststellen – und sieben Menschen weiterhelfen. „Wir geben zum Beispiel Auskunft bei Bahnausfällen, kümmern uns um verwirrte Personen oder ahnden Kleinmüllverstöße, wie weggeworfene Zigarettenkippen“, sagt Alexander Hartel. Seit sieben Jahren ist er beim KOD – und noch immer begeistert: „Es ist eine spannende Arbeit, jeder ag ist anders.“ Besonders rund um den Bahnhof ist immer viel los. „Wo viele Menschen sind, entstehen auch Probleme – und wir können Teil der Lösung sein“, sagt der 33-Jährige. Gerade in den Abendstunden kann der Platz mitunter zum Brennpunkt werden. Gemeinsam mit seinen Kollegen achtet er darauf, dass in der Alkoholverbotszone nicht getrunken wird, Jugendliche unter 18 nicht rauchen und niemand seine Notdurft öffentlich verrichtet. „Wir greifen bei Verstößen ein, aber immer mit Augenmaß“, betont Alexander Hartel. Die Kolleginnen und Kollegen schlichten auch Streitigkeiten oder halten Ladendiebe fest. „Wenn eine Situation eskaliert oder es sich um eine Straftat handelt, rufen wir sofort die Polizei dazu“, ergänzt Evgeni Vasilev, der seit vier Jahren im Team ist. Manchmal kann es auch rau werden. Eine Schlägerei mit mehreren Beteiligten, bei der sogar Flaschen flogen, ist ihnen noch gut in Erinnerung. „Da Eigenschutz immer vorgeht, haben wir zunächst auf die Polizei gewartet“, sagt Hartel.
„Person liegt am Boden“ Plötzlich knarzt eine Meldung durch das Funkgerät: „Wir brauchen Verstärkung in der Bahnhofstraße – eine Person liegt am Boden.“ Das Duo eilt zu den Kollegen, die von zwei Passantinnen alarmiert wurden. Der Rettungswagen ist bereits unterwegs, eine junge Frau liegt in stabiler Seitenlage. Die Mitarbeitenden der Mobilen Wache überprüfen sofort ihren Zustand. Sie ist bei Bewusstsein. Als die Rettungskräfte eintreffen, sorgen die KOD-Mitarbeitenden für Sichtschutz, schicken Schaulustige weiter und regeln den Verkehr. „Zum Glück standen hier eine Falschparker, sonst hätte der Rettungswagen Schwierigkeiten gehabt“, sagt Teamleiter Antonios Kyriakidis, der die Situation ruhig koordiniert.
Was motiviert die Männer bei ihrer Arbeit? Immer wieder sprechen sie vom Kontakt zu den Menschen. Viele Begegnungen seien von Dankbarkeit geprägt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen ein Mädchen, das in einem Bus sexuell belästigt wurde. „Sie kam weinend zu uns und hat uns alles erzählt“, erinnert sich Alexander Hartel. Der Täter konnte bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Die Eltern bedankten sich später mehrfach bei den Kollegen. „In so einer Situation helfen zu können, bedeutet mir viel“, sagt Alexander Hartel und sein Kollege Evgeni Vasilev ergänzt: „Wir sind die Anlaufstelle am Bahnhofplatz. Viele Eltern sagen ihren Kindern inzwischen, dass sie sich bei Problemen jederzeit an uns wenden können.“
Auch die Einsatzbilanz zeigt die Bedeutung der Präsenz vor Ort: 2025 wurden 32 besondere Vorkommnisse registriert, darunter Hilfeleistungen für gestürzte oder stark alkoholisierte Personen, die Betreuung verwirrter älterer Menschen oder Unterstützung der Polizei bei Ladendiebstählen. In 27 Fällen musste der KOD aktiv eingreifen – etwa bei Streitigkeiten, Belästigungen oder anderen Gefahrenlagen. Damit wird deutlich: Die Mobile Wache sorgt nicht nur für sichtbare Präsenz, sondern greift bei Bedarf auch konsequent ein. „Im Schnitt stellen wir pro Einsatz rund fünf Verstöße gegen die Polizeiverordnung oder das Jugendschutzgesetz fest und nehmen etwa ebenso viele Bürgeranliegen auf“, sagt Antonios Kyriakidis. „Das zeigt, wie wichtig unsere präventive Arbeit rund um den Bahnhofplatz ist.“
Büro des Oberbürgermeisters
