Großteil der Adenauerbrücke gesperrt

Die Adenauerbrücke in Esslingen wird aus Sicherheitsgründen im Laufe des morgigen Freitags, 7. August, gegen 13 Uhr zum Großteil für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Es besteht zum jetzigen Zeitpunkt keine akute Einsturzgefahr. Eine Umleitung wird eingerichtet.

Übersichtskizze zur Sperrung der Adenauerbrücke.

Das ist die Ausgangslage

Seit mehr als 50 Jahren ist die Adenauerbrücke eine der zentralen Verkehrsadern in Esslingen. Das rund ein Kilometer lange Bauwerk führt über die B10, den Neckar sowie die Bahngleise und wird jeden Tag von rund 30.000 Fahrzeugen genutzt. In den vergangenen Jahren wurde der Zustand des Bauwerks regelmäßig und gründlich untersucht. Dabei hat das Gutachterbüro, das renommierte Büro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP), Anfang des Jahres weitere Risse im Beton festgestellt. Als erste Sofortmaßnahme zur Entlastung wurde vorsorglich ein rund 60 Meter langes Teilstück einer der beiden nach Norden führenden Fahrspuren gesperrt. Notwendig ist die umfassende Sperrung nun, weil bei neuesten Untersuchungen korrodierte, teilweise bereits angerissene bzw. ganz gerissene sogenannte Spannglieder festgestellt wurden. Die durch Korrosion entstandenen Schäden (Spannungsrisskorrosion) sind so erheblich, dass die Tragsicherheit der Adenauerbrücke in Teilen nicht mehr ausreichend gewährleistet ist, wenn sie weiterhin vom Kraftfahrzeugverkehr befahren
wird.

Im Inneren der Brücke verlaufen die Spannglieder über die gesamte Länge. Sie sind das tragende Element der Brücke und sorgen für ihre Stabilität. Die Spannglieder wurden bereits beim Bau der Brücke Anfang der 1970er-Jahre unter hoher Spannung eingebaut. Zwar sind sie im Brückenkörper vollständig einbetoniert, allerdings ist der damals standardmäßig verwendete Stahl anfällig für Spannungsrisskorrosion. Die hat man inzwischen bei vielen Brückenbauwerken aus der damaligen Zeit feststellt. Auch bei der seit dieser Woche gesperrten Kurt-Schumacher-Brücke in Ludwigshafen wurde Spannungsrisskorrosion festgestellt. Spannungsrisskorrosion war ebenfalls die maßgebliche Ursache für den Einsturz der Carolabrücke in Dresden im Jahr 2024.

Vertiefte Untersuchungen im Mai und Juni

Im Mai und Juni dieses Jahres fanden vertiefte Untersuchungen im nördlichen Bereich der Adenauerbrücke statt, bei denen insbesondere die Spannglieder im Fokus standen. „Bei einer routinemäßigen Hauptuntersuchung kann man Mängel an diesen Elementen nicht feststellen, da sie von außen nicht zu sehen sind. Dazu muss man vertieft untersuchen und den Beton öffnen“, sagt Thomas Gruseck, Brückenbauingenieur bei der Stadt Esslingen. Die grundlegenden Ursachen für diese Schäden haben ihren Ursprung bereits beim Bau der Brücke. Neben der Verwendung des risikobehafteten Stahls wurden die Hüllrohre, die schützend um die Spannglieder liegen, teilweise nicht vollständig mit Mörtel verpresst. Zudem wurden um die Spannglieder aus unbekannten Gründen an einigen Stellen Stahlmanschetten gelegt, so dass die schützende Wirkung des Mörtels nicht wirken konnte. Bei allen am Bauwerk untersuchten Spannelementen wurden mehr oder weniger große Risse an den Spanngliedern festgestellt. „Wir müssen also davon ausgehen, dass die Schäden auf dem gesamten nördlichen Abschnitt der Adenauerbrücke zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Ulmer Straße auftreten“, erklärt Thomas Gruseck. Die zuständigen Gutachter, das renommierte Büro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) und die Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart, kommen zu dem Schluss, dass die Weiternutzung des Bauwerks in dem untersuchten Teilstück nicht mehr sicher möglich ist. Ein Rückbau der Brücke wird empfohlen. „Die beschädigten Spannglieder können nicht ersetzt werden“, erläutert Gruseck. Es bestehe nach Einschätzung der Experten aber zum jetzigen Zeitpunkt keine akute Einsturzgefahr.

So fließt der Verkehr ab Freitag

Die Sperrung eines solch zentralen Bauwerks bleibt nicht ohne weitreichende Folgen. Der LKW- und PKW-Verkehr muss den Bereich weiträumig umfahren. Einzig der Rad- und Fußverkehr kann die komplette Brücke weiterhin wie gehabt passieren. 

Stadtauswärts

Der Verkehr stadtauswärts kann die Brücke von der Kurt-Schumacher-Straße in Richtung B10/Berkheim/Sirnau weiterhin befahren. Dieser Teil der Brücke ist etwas älter und von diesen Mängeln nicht betroffen. Denn in diesem Abschnitt wurde anderer Spannstahl verbaut, der nicht als spannungsrisskorrosionsgefährdet eingestuft wird. Aus dieser Fahrtrichtung bleibt auch die Neckarinsel erreichbar.

Stadteinwärts

Um die Kurt-Schumacher-Straße verkehrsmäßig nicht zu überlasten, wird die Adenauerbrücke stadteinwärts zwischen der B10 und der Zufahrt zur Neckarinsel allerdings für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr voll gesperrt. Ziel dieser Maßnahme ist es, die dortige Hauptfeuerwache nicht durch zu viel Verkehr in ihrer Einsatzfähigkeit einzuschränken. Das Passieren dieses Brückenabschnitts ist daher nur Einsatzfahrzeugen und dem Busverkehr gestattet. „Wir sind diesbezüglich mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und ÖPNV in intensiver Abstimmung“, sagt Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Für den Öffentlichen Nahverkehr sind derzeit keine Linienänderungen erforderlich. „Gleichzeitig werden wir die Verkehrssituation genau beobachten und gegebenenfalls mit weiteren Maßnahmen reagieren", betont Oberbürgermeister Matthias Klopfer.

Planungen werden mit Hochdruck vorangetrieben

Zugleich mache sich die Stadtverwaltung mit Hochdruck an die Planungen eines Neubaus. „Unser Ziel ist es, dem Gemeinderat bereits im Oktober verschiedene Optionen und Kostenschätzungen vorzustellen. Klar ist schon heute, die Einschränkungen werden die Esslingerinnen und Esslinger über viele Jahre begleiten bis eine neue Brücke steht“, kündigt Klopfer an. 

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(Erstellt am 06. August 2026)