Neue Wohnformen für mehr Selbstbestimmung im Alter
Esslingen will das Angebot für pflegebedürftige Menschen erweitern und setzt dabei auf neue Wohn- und Betreuungsangebote.
In Zell und Mettingen sollen ambulant betreute Wohngemeinschaften entstehen, die mehr Selbstbestimmung mit einer verlässlichen Betreuung verbinden. Der Verwaltungsausschuss hat nun die nächsten Schritte zur Realisierung der geplanten Bauvorhaben beschlossen.
Mehr Selbstständigkeit mit verlässlicher Unterstützung
Der Bedarf an Pflege- und Betreuungsangeboten wächst. Gleichzeitig unterscheiden sich die Wünsche und Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen immer stärker. Die neuen Wohngemeinschaften sollen deshalb das bestehende Angebot ergänzen und eine weitere Variante zwischen eigenem Zuhause und klassischem Pflegeheim schaffen.
Die Planungen gehen auf eine Strategie zur Zukunftssicherung der Städtischen Pflegeheime vom Dezember 2024 zurück. Ziel ist es, den steigenden Bedarf an Pflege- und Betreuungsangeboten auch mit neuen Wohnformen zu decken. Statt ausschließlich klassischer stationärer Pflege sollen ambulant betreute Wohngemeinschaften entstehen, in denen die Bewohnerinnen und Bewohner in einem eigenen Zimmer leben, aber gemeinschaftlich kochen, essen und den Alltag individuell gestalten. Unterstützung erhalten sie durch rund um die Uhr anwesende Präsenzkräfte sowie – nach individuellem Bedarf – ambulante Pflegedienste. Auch Angehörige können sich stärker einbringen als in einer stationären Einrichtung.
„Die Seniorenplanung 2030 hat den Bedarf an neuen Wohn- und Versorgungsformen deutlich aufgezeigt. Mit den ambulant betreuten Wohngemeinschaften setzen wir nun eine zentrale Maßnahme dieser Strategie um und schaffen ein weiteres Angebot für Menschen, die Unterstützung brauchen, aber möglichst selbstbestimmt leben möchten“, betont Sozialbürgermeister Yalcin Bayraktar.
Drei Wohngemeinschaften an zwei Standorten
In Zell entstehen am Standort „Am Alten Neckar“ zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften mit jeweils zwölf Plätzen. Ergänzt werden sie durch 16 Appartements für betreutes Wohnen. Für das Bauvorhaben sind Investitionen von rund zehn Millionen Euro vorgesehen. In Mettingen ist auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule eine weitere ambulant betreute Wohngemeinschaft mit zwölf Plätzen geplant. Dort soll das bestehende Gebäude abgebrochen werden, weil es sich nicht barrierefrei und altersgerecht umbauen lässt. Der Neubau ist mit rund 3,1 Millionen Euro veranschlagt.
Mit den beiden Standorten in Zell und Mettingen wird zugleich eine Lücke in der wohnortnahen Pflegeversorgung in den beiden Stadtteilen geschlossen. Zudem sind die vorgesehenen Grundstücke im Besitz der Stadt.
Realisierung nimmt Fahrt auf
In seiner jüngsten Sitzung beauftragte der Verwaltungsausschuss die Städtischen Pflegeheime, das Vergabeverfahren an ein Architekturbüro einzuleiten. Dieses soll die Planungen sowohl für Zell als auch Mettingen übernehmen. Die Umsetzung der Bauprojekte soll dann 2027 beginnen.
„Die Realisierung der ambulant betreuten Wohngemeinschaften rückt durch den Beschluss ein großes Stück näher“, sagt Thilo Naujoks, Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime Esslingen. „Nun wird sichtbar, woran die Projektgruppen der Städtischen Pflegeheime seit Monaten intensiv arbeiten.“
Rückenwind erhält das Vorhaben durch das neue Teilhabe- und Pflegequalitätsgesetz (TPQG). Ambulant betreute Wohngemeinschaften fallen nicht mehr unter das Heimgesetz und können dadurch flexibler organisiert werden. Die Neubauten sollen deshalb so geplant werden, dass sie auch auf künftige Entwicklungen in der Pflege reagieren können.
„Pflegeheime werden wir auch künftig in großem Umfang brauchen“, so Naujoks. „Ambulant betreute Wohngemeinschaften schaffen aber zusätzliche Wahlmöglichkeiten und stärken die Selbstbestimmung pflegebedürftiger Menschen. Genau diese Vielfalt wollen wir in Esslingen weiter ausbauen.“
Büro des Oberbürgermeisters
