Voll auf Kurs zur Elektromobilität

Bis Ende 2026 einen vollständig elektrischen ÖPNV: Daran arbeitet der Städtische Verkehrsbetrieb intensiv. Sowohl der Ausbau der Oberleitungen wie auch die Produktion der neuen Busse schreiten gut voran.

Visualisierung der neuen Oberleitungsbusse von Skoda

Insgesamt 52 neue Busse und eine Erweiterung des Oberleitungsnetzes um fünf Kilometer: So lauten die ambitionierten Pläne des Städtischen Verkehrsbetriebs (SVE) bis Ende des Jahres. Damit kann der gesamte städtische Linienverkehr auf 100 Prozent Elektromobilität umgestellt werden - und Esslingen avanciert zu einer der ersten deutschen Städte, die ihren öffentlichen Nahverkehr vollständig elektrisch betreiben.

Erste Abschnitte abgeschlossen

Der Fortschritt dieser Pläne war in den vergangenen Monaten bereits an einigen Stellen im Stadtgebiet spürbar und sichtbar: Bereits im vergangenen Winter schloss der SVE in der Pliensauvorstadt den ersten Abschnitt zum Ausbau der Oberleitungen erfolgreich ab. Dieser erstreckte sich in der Stuttgarter Straße über eine Länge von 1,1 Kilometern. Unterwegs waren die Oberleitungsbusse dort bislang allerdings nur zu Testzwecken. „Endgültig in Betrieb nehmen können wir die Strecke, wenn uns gegen Ende des Jahres die zusätzlichen Busse mit Oberleitungstechnik geliefert wurden“, erklärt Johannes Müller, Technischer Werkleiter des SVE.

Im Herbst folgte schließlich der Ausbau auf dem Zollberg, der in der vergangenen Woche abgeschlossen werden konnte. Künftig können die Busse an der Haltestelle „Nellinger Linde“ andrahten und an der Oberleitung bis in den Jusiweg fahren. Was auf den ersten Blick wie ein recht kurzer Abschnitt erscheint, ist für den SVE dennoch von großer Bedeutung. Denn ab dem Pliensauturm fahren die Busse des SVE ausschließlich mit Energie aus der Batterie hoch nach Berkheim und durch die dortigen Straßen. „Daher sind wir froh um jeden Meter, bei dem wir unsere Busse wieder aufdrahten und deren Batterie aufladen können“, erläutert der Werkleiter. Wie in der Pliensauvorstadt auch wird dieser Abschnitt gegen Ende des Jahres in Betrieb genommen.

Im Übrigen feierte der SVE an der Baustelle auf dem Zollberg gewissermaßen eine Premiere: An der dortigen Oberleitung wurde die erste Weiche eines neuen Herstellers installiert. Rund zwei Dutzend dieser Weichen gibt es an den Oberleitungen im gesamten Stadtgebiet. Diese werden nun nach und nach ausgetauscht. „Damit stellen wir auf ein moderneres und wirtschaftlicheres System um, das uns zudem die Steuerung erleichtert“, berichtet Johannes Müller. Die 52 neuen Busse sind mit diesen Weichen bereits kompatibel, die Fahrzeuge aus dem bisherigen Fuhrpark werden dazu umgerüstet.

Herausforderungen in 2026

Seit Dezember 2025 arbeitet der SVE bereits am dritten von vier Ausbauabschnitten: Ausgehend von der Rotenackerstraße bis in Richtung Neckar Forum wird die Oberleitung in den nächsten Wochen ausgebaut. Nachdem in der vergangenen Woche bereits die ersten Masten gestellt werden konnten, arbeitet sich die Baufirma in den nächsten Schritt für Schritt in Richtung Mülbergerstraße vor. Fertiggestellt werden soll dieser Abschnitt, der rund 1,3 Kilometer lang ist, voraussichtlich Ende April. Geplant ist die Oberleitung dabei nur in städtauswärtiger Richtung, wie der Werkleiter erklärt: „Überall, wo wir mit unseren Bussen bergauf fahren, wollen wir ihnen über die Oberleitung Energie zuführen. Andersherum, wenn es hinab in die Stadt geht, brauchen wir keine Oberleitungen, da die Busse durch das Bremsen Energie gewinnen.“

Eine Herausforderung dabei: Der Hirschlandkopf. „Hier brauchen wir eine gut geplante Logistik, um die Masten zu stellen und die Oberleitung zu ziehen“, sagt Johannes Müller. „So wollen wir eine Vollsperrung der ganzen Kreuzung vermeiden, die für den Verkehr erhebliche Auswirkungen hätte.“ Nach aktuellem Stand werden die Masten Mitte Februar errichtet. Die eigentliche Oberleitung soll dann voraussichtlich im April gezogen werden.

An dieser Stelle, so der Werkleiter, könne der SVE bereits für die nächste, große Herausforderung üben: Den Altstadtring und insbesondere die Maille-Kreuzung. Denn nach Abschluss der Oberleitungen in Richtung Esslinger Norden folgt voraussichtlich ab Sommer der Ausbau der Oberleitung auf dem Altstadtring. Bis Ende des Jahres soll der Bereich zwischen Schelztorhalle und Maille-Kreuzung mit Oberleitungen ausgestattet werden - in diesem Fall sogar in beiden Fahrtrichtungen.

Was den Altstadtring selbst angeht, ist Johannes Müller zuversichtlich: „Das werden wir größtenteils als Wanderbaustelle erledigen können. Außerdem haben wir dort meistens vier Fahrspuren und können den Verkehr also gut um das Baustellenfahrzeug herumleiten.“ Anders sieht es jedoch bei der Maille-Kreuzung und bei der Kreuzung am Neckar Forum aus. Dort müsse während der Bauarbeiten mit Einschränkungen gerechnet werden. Dazu werde aktuell auch der Bauablauf mit allen Beteiligten durchgespielt, um die ideale Variante zu finden. „Gleichzeitig werden wir an diesen beiden Stellen wohl auch nachts arbeiten, um den Verkehr tagsüber möglichst wenig zu beeinträchtigen“, blickt der Werkleiter voraus.

Produktion in den Endzügen

Parallel zum Ausbau der Oberleitungen in Esslingen schreitet auch die Produktion der 52 neuen Busse voran. Anfang März gehen die Fahrzeuge beim tschechischen Hersteller Škoda Electric in die Fertigung. Voraussichtlich im Juni erhält der SVE dann die ersten beiden, nagelneuen Oberleitungsbusse - ein Standardbus und ein größerer Gelenkbus. „Diese beiden Fahrzeuge werden wir dann ausgiebig testen“, kündigt Johannes Müller an. „Zudem können wir mit diesen dann die notwendige Zulassung beim Regierungspräsidium beantragen.“

Im Spätsommer, nach der Testphase des SVE, werden dann die verbleibenden Busse ausgeliefert. So können mögliche notwendige Nachbesserungen aus der Testphase noch berücksichtigt werden. Bis Ende des Jahres sollen dann alle 52 neuen Oberleitungsbusse eingetroffen sein. Zusammen mit den 10 bisherigen Oberleitungsbussen ist der Fuhrpark des SVE dann komplett - und vollständig auf Elektromobilität umgestellt.

Büro des Oberbürgermeisters

Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Rathausplatz 2
73728 Esslingen am Neckar
Telefon 0711 3512-2570

Esslingen auf

social-media-icons wie im footer plus youtube

(Erstellt am 04. Februar 2026)