Kleine Oase in bester Verfassung
Zwei Teichhühner schwimmen über das Wasser, zwischen den blühenden Seerosen schimmert die Sonne und im Schatten der Pflanzen sammeln sich kleine Fische. Sie sind so gut zu erkennen, dass Florian Pietsch vom Grünflächenamt zufrieden auf den Berkheimer See blickt. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt er. Denn wer die Fische so deutlich sehen kann, weiß: Dem kleinen Gewässer geht es richtig gut.

Und das ist angesichts der vergangenen heißen und trockenen Wochen keine Selbstverständlichkeit. Zwar treiben hier und da kleinere Algentuffs an der Oberfläche – vermutlich abgestorbene Pflanzenteile, die von unten aufsteigen. Auch ein leichter Schleier aus Staub und Pollen liegt auf dem Wasser. Doch insgesamt präsentiert sich der Berkheimer See in einem hervorragenden Zustand.
Besonders freut sich Pietsch über den Besuch der beiden Teichhühner. Die Vögel gehören einer in Deutschland potenziell gefährdeten Art an, haben sich bereits zum zweiten Mal den See als Zuhause ausgesucht und ziehen ihren Nachwuchs in der Uferbepflanzung groß. Ein schönes Zeichen dafür, dass sich hier ein vielfältiger Lebensraum entwickelt hat.
Viele kleine Maßnahmen wirken
Dass der See heute so stabil ist, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren einiges dafür getan, das ökologische Gleichgewicht des kleinen Gewässers zu unterstützen. Unter anderem wurden Teichmuscheln eingesetzt, die das Wasser filtern. Auch die Fische leisten ihren Beitrag: Sie fressen Algen und entziehen dem Wasser Nährstoffe. Werden es an einzelnen Stellen doch einmal zu viele Algen, fischt die Stadt diese zusätzlich ab.
Zwei Solarsprudler sorgen außerdem dafür, dass Sauerstoff ins Wasser gelangt. Und auch der Zulauf des Sees wird im Blick behalten. Er ist derzeit etwas zugewachsen und soll freigeschnitten werden, sobald die Teichhühner ihren Nachwuchs großgezogen haben.
Vom großen zum kleinen See
Der heutige Berkheimer See ist übrigens deutlich kleiner als früher. Ein Blick auf den Straßenamen „Seestraße“ erinnert noch daran, dass das Gewässer einst ungefähr doppelt so groß war. Seine ursprüngliche Form lässt sich teilweise sogar noch erkennen.
Vor rund zehn Jahren sank jedoch der Wasserspiegel, weil die Teichfolie undicht geworden war. Damals stand sogar die Frage im Raum, ob der See vollständig aufgegeben und zugeschüttet werden sollte. Die Stadt entschied sich jedoch für die Sanierung – und dafür, den See etwas kleiner neu anzulegen.
Das hatte mehrere Gründe. So sollte mehr Abstand zu den Bäumen geschaffen werden, deren Wurzeln die Teichfolie beschädigen können. Gleichzeitig sollte möglichst wenig Laub in den See gelangen. Das Quellwasser aus der Brunnenstraße und aus dem Dürrgarten sorgen bis heute dafür, dass das Gewässer mit Wasser versorgt wird. Die Ufer wurden naturnah gestaltet und unter anderem mit Sumpfschwertlilien bepflanzt.
Keine Fische aussetzen
Der Berkheimer See zeigt damit, dass auch ein kleines Gewässer ein funktionierendes Ökosystem sein kann. Damit es so bleibt, ist allerdings auch die Unterstützung der Bürgerschaft gefragt: „Wir finden immer wieder ausgesetzte Goldfische, Karpfen und sogar exotische Schildkröten vor. Sie gehören auf keinen Fall in so ein kleines Gewässer und können das empfindliche Gleichgewicht und damit auch seine Wasserqualität beeinträchtigen, denn Ausscheidungen der Tiere für zu einer Erhöhung des Nährstoffgehalts und das Algenwachstum wird gefördert“, erläutert Florian Pietsch. „Das Gleiche gilt für das Füttern der Tiere. Das ist absolut verboten, denn übriggebliebenes Brot fault. Im schlimmsten Fall können Enten oder auch Fische daran zu Grunde gehen.“
Wer den Berkheimer See einfach so genießt, wie er ist, hilft am meisten: Teichhühner beobachten, Seerosen bestaunen und sich über die kleine grüne Oase freuen – aber die Natur dabei möglichst in Ruhe lassen.
Büro des Oberbürgermeisters
