Dolmetscherpool sucht Verstärkung

Im Dolmetscherpool der Stadt Esslingen engagieren sich derzeit 135 Dolmetschende in 27 Sprachen. Jetzt werden weitere Dolmetschende gesucht – für unterschiedliche Sprachen. 

Mahmoud Gharib steht am Fenster in einem Büro im Behördenzentrum.

„Wir schaffen das!“ – diese Worte von Angela Merkel haben Mahmoud Gharib im Jahr 2015 tief bewegt: „Ich habe sofort gedacht, ich möchte helfen und meinen Beitrag leisten“, erzählt der heute 85-Jährige, der sich seit zehn Jahren im städtischen Dolmetscherpool engagiert. Der aus Ägypten stammende Familienvater hat sich zu Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit gleich um mehrere Familien parallel gekümmert: „Ich hatte vier bis fünf Einsätze pro Woche.“ Momentan pausiert er, aus gesundheitlichen Gründen. Ans Aufhören denkt er allerdings nicht: „Ich will unbedingt weitermachen!“ Am liebsten dolmetsche er, wenn es um Belange von Kindern geht: Bei Elterngesprächen in Schulen oder Kitas, beim Familiengericht. Aber auch bei kritischen Terminen im Krankenhaus hat er schon gedolmetscht. Warum er sich engagiert? Er fasst sich an sein Herz und sagt: „Jedes Mal, wenn ich übersetzt habe, denke ich: Ich habe etwas Gutes getan.“
Mahmoud Gharib lebt seit 1961 in Esslingen und ist einer von derzeit rund 135 aktiven Ehrenamtlichen aus dem städtischen Dolmetscherpool. Die Dolmetschenden kommen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern – unter anderem aus der Ukraine, Syrien, Tunesien, Eritrea, Gambia, Kenia oder der Türkei. Viele sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. „Wir haben sehr viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die gut Deutsch sprechen“, sagt Ekaterina Fazio, Sachgebietsleiterin für Bürgerengagement und Bürgerhäuser.

Hohe Nachfrage – nicht alle Sprachen abgedeckt

Besonders häufig werden Dolmetschende für Persisch, Türkisch, Arabisch und Englisch angefragt. Doch trotz der hohen Einsatzbereitschaft der Ehrenamtlichen können nicht alle Bedarfe gedeckt werden. „Wir suchen dringend weitere Dolmetschende – vor allem für Albanisch, Polnisch, Farsi, Vietnamesisch, Koreanisch, Tigrinya, Wolof, Mazedonisch, Mandinka und auch weiterhin für Englisch“, betont Rita Kerqota, die den Dolmeterscherpool seit diesem Sommer koordiniert.

Hilfe in sensiblen Situationen

Der Dolmetscherpool unterstützt Menschen aus Esslingen mit geringen Deutschkenntnissen in Situationen, in denen es auf präzise Kommunikation ankommt – etwa bei Behördengängen, Arztterminen oder Elterngesprächen in Kitas und Schulen. Die Termine müssen im Stadtgebiet Esslingen sein. Rita Kerqota verdeutlicht: „Dolmetschende müssen nicht nur sprachlich fit sein, sondern auch kommunikativ stark, neutral und überparteilich auftreten.“ Kulturelle Sensibilität ist ebenfalls wichtig – etwa bei Terminen bei Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern. Gerade bei Gesprächen mit Lehrkräften gehe es oft um sensible Themen wie Lernschwierigkeiten oder den Umgang mit Fluchttraumata. Auch medizinische Termine werden begleitet – allerdings nicht jeder normale Praxisbesuch: „Hier geht es vielmehr um Vorgespräche zu Operationen oder Termine beim Onkologen“, erklärt die Koordinatorin.

So funktioniert das Matching

Rund 120 Anfragen pro Monat erreichen den Dolmetscherpool. Über die städtische Website können Institutionen und ab September auch wieder Einzelpersonen ihren Bedarf anmelden, anschließend wird geprüft, welche Dolmetschenden verfügbar sind. Für ihren Einsatz erhalten sie eine kleine Aufwandsentschädigung: Zehn Euro für Behördentermine, 25 Euro für medizinische Begleitungen. Davon können Fahrtkosten oder Parktickets bezahlt werden.
Der Dolmetscherpool wurde am 4. November 2004 als Projekt der Katharinenschule ins Leben gerufen. Eine Zeitungsanzeige mobilisierte damals 40 Ehrenamtliche. Heute hat sich das Projekt zu einer unverzichtbaren Institution entwickelt – und hilft mit jeder vermittelten Sprache dabei, Barrieren abzubauen.

Mitmachen? Sehr gerne!

Wer sich ebenfalls als Dolmetscherin oder Dolmetscher engagieren möchte, kann sich auf esslingen.de/dolmetscherpool informieren, eine E-Mail schreiben an dolmetscherpool@esslingen.de oder anrufen unter Telefon: 0711 3512-2450.  

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(Erstellt am 13. August 2026)