Mit Blaulicht auf dem Neckar

Zwischen Personenbergung und Ölunfall: Die Rettungsboote der Esslinger Feuerwehr kommen rund 15 Mal im Jahr zum Einsatz.

Gruppenbild mit den vier Feuerwehrmännern im Boot.

Zentimeter für Zentimeter rollt der Trailer am Yachthafen Esslingen ins Wasser. Darauf: das acht Meter lange Rettungsboot der Esslinger Feuerwehr. Langsam senkt sich das Heck in den Neckar, während der orange leuchtende Feuerwehr-Lkw das Gespann rückwärts an die Slipanlage bringt. Heute geht es nicht zu einem Einsatz, sondern zur Übung. Vier Feuerwehrleute machen das Boot startklar und fahren hinaus auf den Neckar.

Person im Wasser

Wenn die Feuerwehr tatsächlich mit dem Rettungsboot ausrücken muss, geht es häufig um Personen im Wasser. „Leider ist es oft so, dass wir den Mensch dann nicht lebend retten“, sagt Andreas Gundl, Leiter der Stabsstelle Besondere Gefahrenabwehr. Die Bergung sei dabei oft eine besondere Herausforderung. Mit einem Rettungsnetz wird die verstorbene Person an das Boot herangezogen und über die Bugklappe an Bord gebracht.
Doch nicht jeder Einsatz endet tragisch. Auch Tiere können in Not geraten. Bootsführer Gunther Fuchs erinnert sich an einen Hund, der in der Schleuse in Oberesslingen im Schleusentor festsaß. „Der war ganz verängstigt und kam von selbst nicht mehr raus“, erzählt Fuchs. Die Feuerwehr konnte den Vierbeiner per Rettungsboot sicher aus seiner misslichen Lage befreien.
Auch Öl auf dem Neckar kann die Feuerwehr auf den Plan rufen. Dann heißt es: Ausbreitung verhindern. Die Einsatzkräfte bringen Ölsperren aus schwimmenden Kunststoffkörpern auf dem Wasser aus. An einen besonders aufwendigen Einsatz in Esslingen-Zell erinnert sich Gundl noch gut: „Wir waren den ganzen Tag im Einsatz.“ Mehrere Tausend Liter Wasser-Öl-Gemisch mussten abgesaugt werden. Reichlich Unterstützung kam dabei im Rahmen der Überlandhilfe. Technische Hilfeleistungen an anderen Booten seien dagegen eher die Ausnahme. Und obwohl die Feuerwehr für den Ernstfall gerüstet ist, musste sie einen Bootsbrand bislang noch nie löschen.

Für den Ernstfall gerüstet

Für die unterschiedlichen Aufgaben ist das Boot entsprechend ausgestattet. An Bord befinden sich Rettungsnetz und Wurfleine, Bootshaken und Suchscheinwerfer, Feuerlöscher und Erste-Hilfe-Kasten. Ein Sonargerät hilft bei der Suche nach Personen oder Gegenständen am Grund. Auch für einen Brand wäre das Boot gerüstet: Über ein Ansaugrohr und eine Tragkraftspritze kann Wasser direkt aus dem Neckar gesaugt und über den Wasserwerfer abgegeben werden.
Auf dem Neckar hat die Esslinger Feuerwehr einen langen Abschnitt im Blick: Ihr Zuständigkeitsbereich reicht von Plochingen bis Stuttgart-Obertürkheim. Dazwischen liegen die Schleusen in Oberesslingen und Mettingen. Je nachdem, wo etwas passiert, kann der Weg zum Einsatzort deshalb ganz unterschiedlich aussehen.

Geduld an der Schleuse

Das große Rettungsboot wird am Yachthafen in Oberesslingen zu Wasser gelassen. Liegt der Einsatzort hinter einer Schleuse, heißt es erst einmal: warten. „Bis wir da durch sind, können schon mal 20 Minuten vergehen“, erklärt Sven Theiss. Dafür muss zunächst der Schleusenmeister verständigt werden. In der Schleusenkammer überwindet das Boot rund zehn bis 15 Meter Höhenunterschied, bevor es seine Fahrt fortsetzen kann.
Für die Bootsführer der Esslinger Feuerwehr ist das alles längst Routine. Doch für den 18-jährigen „Bufdi“ Paul Gutjahr war an diesem Nachmittag dagegen noch vieles neu: Er ist erst an seinem zweiten Tag im Bundesfreiwilligendienst dabei – durfte aber bereits einmal selbst ans Steuer.

Büro des Oberbürgermeisters

Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Rathausplatz 2
73728 Esslingen am Neckar
Telefon 0711 3512-2570

Esslingen auf

social-media-icons wie im footer plus youtube

(Erstellt am 21. September 2026)