Esslingen hat jetzt ein Münzkabinett

Wenn Münzen die Esslinger Stadtgeschichte erzählen: Am Montag, 2. November, wird ein neues Münz- und Medaillenkabinett in der Dauerausstellung des Stadtmuseums im Gelben Haus eröffnet.

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Esslingen hat einen neuen Schatz, genauer gesagt: neue „geprägte Schätze“. Denn am Montag, 2. November, wird im Stadtmuseum im Gelben Haus eine neue Abteilung der Dauerausstellung eröffnet. Zu sehen sind rund 400 Exponate, darunter etwa 30 Münzen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, zahlreiche historische Medaillen sowie Werkzeuge und weitere Objekte.
„Die Sammlung ist ein außerordentlicher Gewinn für unsere Stadt. In diesem Umfang gibt es die so genannten Esslinger Denare sonst nur noch zwei Mal auf der Welt: in der Eremitage in St. Petersburg und in der Königlichen Münzsammlung in Stockholm“, erläutert Hansjörg Albrecht, Leiter der Städtischen Museen Esslingen. 

Sammler Gerhard Kümmel

Die Sammlung hat der Esslinger Gerhard Kümmel über Jahrzehnte zusammengetragen. Um sie dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde sie in eine Stiftung überführt und dem Stadtmuseum zur Verfügung gestellt. In enger Abstimmung mit dem Stifter wurde die Sammlung digital erfasst. 
Das Ausstellungskonzept wurde mit einem Gestaltungsbüro erarbeitet und umgesetzt. Im Stadtmuseum im Gelben Haus bereichert die Sammlung als Münz- und Medaillenkabinett fortan die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte.  Kurz vor dem großen Stadtjubiläum 2027 wird die barrierefrei zugängliche Ausstellung nun eröffnet.
„Ein Herzstück der Sammlung sind die Esslinger Denare aus dem Mittelalter“, erklärt Kuratorin Julia Schierl. Diese silbernen Fernhandelspfennige wurden ab dem 10. Jahrhundert in Esslingen geprägt und gelangten von hier aus in die Welt. Fundorte lagen vor allem in Nordeuropa entlang der Ostsee sowie in Russland. „Diese kleinen Münzen belegen, dass Esslingen schon sehr früh in weite Handelsbeziehungen und -netzwerke eingebunden war“, sagt Schierl. Hansjörg Albrecht ergänzt: „Das hohe Mittelalter ist eine sehr quellenarme Zeit. Umso schöner ist es, dass wir diese Zeitzeugnisse haben.“ Denn Esslingen gehörte schon damals zu den frühesten Münzstätten in Schwaben.

Medaillen als Kleinstdenkmale

Im Gegensatz zu Münzen, die als Zahlungsmittel dienten, wurden Medaillen zu besonderen Anlässen geprägt. Auch sie eröffnen neue Perspektiven auf die Stadtgeschichte: Über Jahrhunderte entstanden in Esslingen Medaillen zu Jubiläen und besonderen Ereignissen – mit einem reichen Bilderschatz und versteckten Botschaften. Eine besondere Medaille wurde zum Reformationsjubiläum 1717 geprägt und ist in Gold und Silber gehalten. „Sie zeigt die von Sonnenstrahlen bekrönten Esslinger Weinberge, Kirchen und Kanäle“, erläutert die Kuratorin.
Auch zum Stadtjubiläum 1977 wurden Medaillen geprägt, ebenso zu Amts- und Vereinsjubiläen oder anderen Gedenkfeiern. Ein weiterer Schatz der Sammlung verweist auf die Esslinger Gewerbegeschichte: Die Präge- und Gravieranstalt Otto Beh lieferte im 19. Jahrhundert Werkzeuge zur Herstellung geprägter Münzen für das chinesische Kaiserreich. „Diese in China sehr gefragten Prägestempel zeugen von einem bislang wenig bekannten Kapitel der Esslinger Industriegeschichte“, sagt Albrecht. Im Stadtmuseum sind sie ab sofort in einer der Vitrinen zu sehen.
Die neue Ausstellung erläutert Herkunft und Herstellung der Exponate auf Ausstellungstafeln und zwei Touchscreens. So wird Stadtgeschichte auf ungewöhnliche Weise sichtbar: im Kleinformat einer Münze oder Medaille. „Man könnte sagen: Das ist Stadtgeschichte in einer Nussschale“, sagt Hansjörg Albrecht. 

Wann und wo?

Die Ausstellung im Stadtmuseum im Gelben Haus wird am Montag, 2. November, um 18 Uhr im Kutschersaal der Stadtbücherei eröffnet. Anschließend gibt es im Stadtmuseum einen kleinen Empfang und Möglichkeit zur Besichtigung. Alle Informationen zu öffentlichen Rundgängen und zum Begleitprogramm gibt es auf der Website. Einblicke in die Welt des Sammlers Gerhard Kümmel bietet der Podcast „Studio Gelbes Haus“

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(Erstellt am 29. Oktober 2026)