Was an der Schleuse Oberesslingen gebaut wird

Für die kommenden drei Jahre wird die Schleuse Oberesslingen zum Forschungslabor: In der rechten Kammer findet ein anspruchsvoller Bauteileversuch statt. Im Rahmen des Projektes werden Verfahren erprobt, die in Zukunft eine Schleusensanierung im laufenden Schifffahrtsbetrieb ermöglichen. 

Luftbild der Schleuse Oberesslingen
©WNA Heidelberg

7.300 Kilometer lang sind die Bundeswasserstraßen, die sich durch ganz Deutschland ziehen; 315 Schleusenanlagen helfen den Schiffen auf diesen Wasserautobahnen beim Überwinden der Höhenunterschiede. Die überwiegende Mehrheit dieser Anlagen – nämlich rund 260 Schleusen – verfügen nur über eine Kammer. Zudem ist der Großteil der Anlagen bereits 70 Jahre oder länger in Betrieb.
„Man rechnet damit, dass ein Schleusentor etwa 70 Jahre hält“, erläutert Klaus Michels, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamts Heidelberg (WNA Heidelberg). An die Betonbauteile müsse man nach etwa 100 Jahren ran, um die Stabilität zu erhalten. 

Es ist also damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahrzehnten etliche Bauwerke der Bundeswasserstraßen instandgesetzt werden müssen. Das Problem: bei konventionellen Sanierungen muss die komplette Schleusenkammer über Jahre gesperrt werden. Ist dann keine zweite Kammer zum Schleusen vorhanden „ist die Wasserstraße nicht befahrbar, Güter- und Personenverkehr sind massiv eingeschränkt.“ Ein Ersatzbau sei teuer, zeitintensiv und zudem aufgrund einer Bebauung rund um die Schleusen oft nicht möglich.

Bereits seit Anfang der 2000er Jahre wird deswegen erforscht, wie Schleusen im laufenden Betrieb grundlegend instandgesetzt werden können. Mittlerweile sind die Entwicklungen verschiedener Methoden so weit fortgeschritten, dass diese in der Realität erprobt werden sollen. Das WNA Heidelberg plant im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsprojektes des Bundesministeriums für Verkehr zusammen mit der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), dem Karlsruher Institut für Technologie sowie mehren Ingenieurbüros und Baufirmen die Durchführung von Bauteilversuchen in der rechten Schleusenkammer der Schleuse Oberesslingen. 

Für die Auswahl der knapp 60 Jahre alten Neckarschleuse gibt es einen guten Grund: „Sie besitzt eine zweite Kammer, die nicht für die Schifffahrt genutzt wird“, erläutert Marc Schmitz von der BAW. Vielmehr dient sie als Sparkammer, also als eine Art Wasserreservoir für Zeiten, in denen der Neckar eher wenig Wasser führt. Sie verfügt – abgesehen von der mobilen Toranlage – über die gleiche Ausrüstung wie die Schleusenkammer und über die nötige Standsicherheit. In dieser Sparkammer werden in den kommenden drei Jahren neue, innovative Bauverfahren erprobt. 

Vor einigen Wochen haben bereits die vorbereitenden Maßnahmen für den Bauteileversuch begonnen. Zum einen wurde die Sohle der sechs Meter tiefen Schleuse ertüchtigt und mit Entlastungsbrunnen versehen. So soll verhindert werden, dass sich die Platte bewegt. Zum anderen wird eine vier Meter hohe Lärmschutzwand gebaut, um die Anwohnerinnen und Anwohner zu schützen.

Das eigentliche Forschungsvorhaben gliedert sich in zehn Versuche auf. Diese werden – so wie es bei einer Instandsetzung unter Betrieb der Fall wäre - tagsüber in Zwölf-Stunden-Zeitfenstern stattfinden. Getestet werden unter anderem verschiedene Methoden zur Trockenlegung der Schleusenkammer, zu einem Abtrag des Betons sowie zu einer Reprofilierung mit unterschiedlichen Baumaterialien. Zum Einsatz kommen Fertigteile, aber auch verschiedene Betone. Dabei sammelt die Arbeitsgruppe Erfahrungen zur Praxistauglichkeit, aber auch zu Robustheit, Kosten und Zeit.

„Die jetzt beginnenden Arbeiten sind ein wichtiger Meilenstein für die Realisierung des gesamten Forschungsprojekts, um die Wasserstraßen auch zukünftig sicher und verlässlich betreiben zu können“, sagt Klaus Michels. Durch die Arbeiten sind laut WNA Heidelberg keine Einschränkungen für die Anwohnerinnen und Anwohner zu erwarten. 

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(Erstellt am 12. Februar 2026)