So steht es um die Adenauerbrücke
Aktuell ist die Adenauerbrücke verkehrssicher und wird engmaschig überwacht. Jüngste Teilsperrungen dienen der Entlastung des Bauwerks – parallel laufen bereits Untersuchungen und Planungen für die Zukunft der Brücke.

„Die Sanierung oder der Neubau der Adenauerbrücke hängen wie ein Damoklesschwert über Esslingen“, verkündete Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Januar angesichts der knapper werdenden Haushaltskassen im Gemeinderat. Gleichzeitig wurden im Dezember vergangenen Jahres sowie Ende Januar jeweils kurze Abschnitte auf der Adenauerbrücke für den Verkehr gesperrt, um das Bauwerk zu entlasten. Anlass genug also, um zu klären: Wie steht es wirklich um die Adenauerbrücke?
Regelmäßige Untersuchungen
Das Wichtigste zuerst: „Die Adenauerbrücke ist in ihrem aktuellen Zustand verkehrssicher“, bekräftigt Uwe Heinemann, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Esslingen. „Ein namhaftes und sehr kompetentes Ingenieurbüro überprüft regelmäßig den Zustand der Brücke. Und wenn bei einer dieser Untersuchungen der Eindruck entstehen würde, dass die Nutzung der Adenauerbrücke für den Verkehr nicht mehr sicher ist, würden wir sie natürlich sofort sperren.“
So steht beispielsweise im Sommer die routinemäßige Hauptprüfung des Bauwerks an. Da wird die gesamte Adenauerbrücke von Expertinnen und Experten genaustens unter die Lupe genommen – und zwar wortwörtlich. „Die Vorgabe bei einer solche Überprüfung lautet, dass man an alle Stellen der Brücke mit der Hand rankommen muss und die Bauteile aus nächster Nähe begutachtet“, erklärt Uwe Heinemann.
Das ist bei der Adenauerbrücke, die insgesamt fast einen Kilometer lang ist, eine echte Herausforderung. Schließlich verläuft sie nicht nur über den Neckar wie beispielsweise die Mettinger Brücke, sondern auch über die B10, die Eberspächerstraße und die Bahngleise. Während der Hauptprüfung muss also zum Beispiel der Bahnverkehr kurzzeitig gesperrt werden, um die Unterseite der Brücke zu begutachten.
Gleichzeitig finden bereits im Frühjahr weitere Untersuchungen statt, die technisch gut vorbereitet sein müssen: Um den aktuellen Zustand der über 50 Jahre alten Brücke zu beurteilen, wird das Bauwerk an einigen Stellen geöffnet. „Doch wenn wir die Brücke an manchen Stellen aufmachen, schwächen wir damit insgesamt die Statik“, erläutert der Amtsleiter. „Daher müssen wir vorab genau planen, an welchen Stellen wir ins Bauwerk blicken und wie wir an die verschiedenen Bauteile herankommen.“ Die ersten Ergebnisse liegen dann voraussichtlich im Frühsommer vor – rechtzeitig vor der Hauptprüfung.
Stahl sorgt für Stabilität
Besonders von Interesse sind dabei die sogenannten Spannstähle. Das erklärt sich aus der Bauweise der Brücke: Sie liegt einerseits auf mehreren Stützen. Andererseits verlaufen über die gesamte Länge der Brücke hinweg die Spannstähle. Diese bestehen aus mehreren Stahlseilen und wurden in den 1960er Jahren beim Bau der Brücke unter Spannung gesetzt. Sie tragen den Brückenaufbau gewissermaßen in den Abschnitten zwischen den Stützen. Zwar sind diese einbetoniert, allerdings kann der damals verwendete Stahl anfällig für Korrosion sein. Wenn also Streusalz oder eingedrungenes Regenwasser an diese rund 40 eingebauten Spannstähle gelangt, könnten sie Schaden nehmen.
Genau das ist auch der Grund für die beiden kürzlich gesperrten Abschnitte auf der Brücke, wie Uwe Heinemann erklärt. „Sie verlagern die Belastung der Brücke in die Mitte des Bauwerks, was der Statik und der Tragfähigkeit dieser Spannstähle zugutekommt.“
Grundsätzlich verträgt die Adenauerbrücke nämlich einiges an Last – sofern diese statisch ist. Schwieriger wird es bei dynamischen Lasten, also solchen Belastungen, wie sie von fahrenden, schweren Lkws kommt. Insbesondere, wenn ein Lkw von einer Auffahrtsrampe auf die eigentliche Brücke fährt, entsteht eine große, dynamische Belastung. Oder, wie Uwe Heinemann anschaulich beschreibt: „Auf ein solides Kartenhaus kann ich problemlos ein Glas stellen. Doch wenn ich zusätzlich am Tisch rüttle, dann leidet die Standfähigkeit und die Belastung wird zu groß.“
Varianten für die Zukunft
Deshalb bereitet die Stadt Esslingen aktuell eine Umleitung für besonders schwere Lkws vor, die künftig womöglich nicht mehr über die Adenauerbrücke fahren sollen. Aktuell werden dazu mögliche Ausweichstrecken geprüft. Eine wirkliche Sperrung für schwere Lkws wird daher voraussichtlich erst in einigen Wochen umgesetzt. Das soll mittelfristig helfen, die Adenauerbrücke noch möglichst lange zu nutzen.
Parallel treibt die Stadt Esslingen die Planungen für die Zukunft der Brücke voran. Denkbar sind aktuell verschiedene Varianten, die von einer Sanierung im Bestand wie bei der Vogelsangbrücke bis hin zu einem vollständigen Neubau wie bei der Mettinger Brücke reichen.
Dazu arbeitet die Stadt Esslingen aktuell an der Machbarkeitsstudie dieser Varianten, die letztlich vom Gemeinderat beschlossen werden müssen. „Bislang ist geplant, dieses Mammutprojekt in den 2030er Jahren umzusetzen“, blickt Uwe Heinmann voraus. „Und bis dahin behalten wir die Brücke natürlich genaustens im Auge, um mögliche Schäden rechtzeitig zu erkennen und die Verkehrssicherheit auch weiterhin zu gewährleisten.“
Büro des Oberbürgermeisters
