Wie sich die Hitze auf den Wald auswirkt
Viele Bäume im Esslinger Wald sind nach der langen Hitze und Trockenheit bereits sichtlich geschädigt. Die Langzeitfolgen werden sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Es knirscht unter den Füßen, Blätter färben sich gelb und braun, manche Baumkronen werden lichter. Wer derzeit durch den Esslinger Wald spaziert, könnte meinen, der Herbst habe bereits begonnen. Tatsächlich sind die auffälligen Veränderungen die Folge der anhaltenden Hitze und Trockenheit.
„Der Wald steht seit Wochen unter Dauerstress“, sagt Stadtförster Ingo Hanak. „Es hat viel zu lange nicht ausreichend geregnet. An vielen Stellen sehen wir inzwischen deutliche Schäden.“ Besonders Rotbuchen, Fichten und Lärchen leiden unter den extremen Bedingungen. Auf einigen Lichtungen haben sich die Blätter junger Buchen braun verfärbt: „Das ist tatsächlich Sonnenbrand“, erklärt Hanak. „Die jungen Bäume können sich gegen die intensive Sonneneinstrahlung kaum schützen und verbrennen.“
Auch große, alte Buchen kämpfen ums Überleben. Sie werfen Teile ihrer Blätter ab und versorgen nur noch die wichtigsten Äste, um Energie zu sparen. Gleichzeitig wird ihre dünne Rinde durch die Sonne geschädigt, wodurch Pilze und Schädlinge leichteres Spiel haben. Hinzu kommt, dass die Buchen in diesem Jahr außergewöhnlich viele Bucheckern tragen – ein sogenanntes Vollmastjahr, das zusätzliche Kraft kostet. „Viele der heute geschädigten Bäume werden nicht sofort sterben. Aus den Erfahrungen mit dem Hitzesommer 2003 wissen wir, dass sich die Folgen erst in den kommenden zwei Jahren zeigen werden.“
Damit junge Waldbestände überleben, haben Mitarbeitende der städtischen Forstabteilung in den vergangenen Wochen frisch gepflanzte Tannen und Eichen bewässert. Zudem haben sie Bäume an Wegen, Parkplätzen und Spielplätze häufiger kontrolliert, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Auch die Wege selbst müssen regelmäßig begutachtet werden, weil der ausgetrocknete Waldboden teilweise tiefe Risse bekommt: „Einen Waldweg in Berkheim mussten wir deswegen bereits sperren. Wir möchten nicht riskieren, dass es zu Unfällen kommt, weil jemand zu Fuß oder mit dem Rad hängen bleibt.“
Gleichzeitig erschweren die hohen Temperaturen die Arbeit der Forstmitarbeitenden. Viele Tätigkeiten sind nur noch in den kühlen Morgenstunden möglich, nachmittags stehen vor allem Kontrollen an. Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Beim Borkenkäfer ist die Lage derzeit ruhig. Das seit vielen Jahren bewährte Vorgehen mit regelmäßiger Kontrolle und schneller Beseitigung befallener Bäume zahlt sich aus.
Sollten in Folge der aktuellen Hitzeperiode viele Bäume absterben, zieht auch das wieder eine erhebliche Mehrarbeit nach sich. „Diese außerplanmäßigen Fällungen sind aufwendig und zudem sehr gefährlich, da bei Erschütterung ganze Kronenteile unkontrolliert abbrechen können“, sagt Hanak.
Übrigens leiden auch die Gewässer unter der Trockenheit: Der Hainbach ist im Oberlauf ausgetrocknet, der Stettener Bach führt nur noch ein schmales Rinnsal. Für viele Wasserlebewesen wird der Lebensraum dadurch immer kleiner.
Der Stadtförster berichtet, dass gerade an heißen Tagen viele Menschen Erholung im kühlen Wald suchen. Die städtische Forstverwaltung freut sich darüber und bittet gleichzeitig um verantwortungsvolles Verhalten. Das Rauchverbot im Wald muss bei der aktuellen Waldbrandgefahr unbedingt eingehalten werden. Auch auf der noch geöffneten Grillwiese am Jägerhaus ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Feuer wichtig.
Besondere Vorsicht ist auch bei starkem Wind oder Sturm geboten. „Die Trockenheit macht viele bereits vorgeschädigte Bäume noch instabiler. Es können jederzeit auch größere Äste abbrechen“, warnt Hanak.
Seine größte Hoffnung gilt nun dem Wetter: „Der Wald braucht keinen kurzen Schauer, sondern langanhaltenden Regen. Nur dann können sich viele Bäume erholen.“
Büro des Oberbürgermeisters
