155 Bände voller Esslinger Geschichte
Sieben Ausgaben der Eßlinger Zeitung für fast neun Milliarden Mark oder ein Liter Frischmilch für mehr als eine Milliarde Mark: Beinahe täglich sank während der Hyperinflation 1923 der Wert des Geldes, sodass am Ende schubkarrenweise damit bezahlt werden musste.

Diese und viele weitere historische Fakten und Ereignisse lassen sich aus archivierten Ausgaben der Eßlinger Zeitung erfahren. Nun hat der Bechtle Verlag, der die Zeitung herausgibt, dem Esslinger Stadtarchiv insgesamt 155 Bände mit Zeitungsausgaben von den Anfängen im Jahr 1868 bis in die 1960er Jahre übergeben.
„Wir sind sehr glücklich, dass Bechtle hier an uns gedacht hat“, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Übergabe. „Diese Zeitzeugnisse dokumentieren auf einzigartige Weise das gesellschaftliche Leben in Esslingen und sind ein echter Schatz, den wir hegen und pflegen werden. Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag und unserem engagierten Archivteam für diese schöne Aktion.“
Für alle Interessierten einsehbar
Ab sofort werden diese Bände auf insgesamt 32 Regalmetern im Stadtarchiv gelagert. Sie ergänzen hervorragend den vorhandenen lückenhaften Zeitungsbestand und die amtlichen Bestände. Historisch Interessierte finden beispielsweise Berichte von Auswanderungswilligen und Hausverkäufen, Nachrichten zum damaligen Obst- und Mostangebot oder Annoncen für neuartige Produkte. Wertvoll sind die älteren Zeitungen auch für das Wissen um die Entwicklung des frühen Vereinswesens und der Industrialisierung in und um Esslingen.
Ganz besonders freut sich das Archiv über den Band aus der ersten Hälfte des Jahres 1923. Aus dieser Zeit war bislang kaum etwas überliefert, auch in der Landesbibliothek und der Nationalbibliothek fehlen diese Ausgaben. Nun beherbergt das Stadtarchiv echte Raritäten – und interessierte Bürgerinnen und Bürger können beispielsweise anhand der täglichen Wetterberichte die heutigen Temperaturen des Sommers mit den damaligen vergleichen. Um die Originale möglichst zu schonen, werden aus konservatorischen Gründen jedoch für die Zeitungsrecherche nur Mikrofilme oder Digitalisate im Lesesaal bereitgestellt.
Zugleich erhielt das Stadtarchiv zwei besondere Zeitschriftenserien, von denen bislang nur einzelne Ausgaben vorhanden waren: Zum einen „The go devil“, eine in den Jahren 1945 und 1946 in Esslingen erschienene Zeitschrift für Militärangehörige der Alliierten. Zum anderen erhielt das Stadtarchiv den Jahrgang 1946 der Zeitung „Latviešu ziņas“ der damaligen Esslinger Lettenkolonie.
Mit mehr als 3500 laufenden Metern Archiv- und Bibliotheksgut aus acht Jahrhunderten spiegelt das Stadtarchiv die lange und reiche Geschichte Esslingens wider. Nach der Sommerpause vom 10. bis 31. August stehen die Kolleginnen und Kollegen des Stadtarchivs wieder wie gewohnt für Beratungen und Auskünfte zur Verfügung. Für die Nutzung des Lesesaals ist eine Platzreservierung ratsam.
Büro des Oberbürgermeisters
