Was man gegen Einsamkeit tun kann
Noch bis zum 28. Juni findet die bundesweite Aktionswoche "Gemeinsam aus der Einsamkeit" statt - in Esslingen gibt es zahlreiche Angebote, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.

„Einsamkeit ist ein ganz normales Gefühl, für das man sich nicht schämen muss“, findet Ekaterina Fazio, Leiterin des Sachgebiets Bürgerengagement und Bürgerhäuser bei der Stadt Esslingen. Umso mehr freue sie sich, dass mit der bundesweiten Aktionswoche das Thema verstärkt in den öffentlichen Fokus rücke. „Damit können wir ein Stigma aufbrechen“, betont sie.
Die Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ startete am Anfang der Woche mit einer gleichnamigen Fachkonferenz des Kompetenznetzes Einsamkeit (KNE) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Auch in Esslingen sind in dieser Woche verschiedene Aktionen geplant. „Engagement kann aus der Einsamkeit heraushelfen – aber dafür müssen wir die Menschen auch erreichen“, sagt Katrin Gros, die das bürgerschaftliche Engagement in Esslingen koordiniert. Die Hürden, die eigenen vier Wände zu verlassen, könnten bei einsamen Menschen sehr hoch sein, weiß Gros. Engagierte berichten ihr beispielsweise, dass der wöchentliche Bewegungstreff für manche die einzige soziale Begegnung der Woche sei.
Genau diese Menschen wolle man gezielt ansprechen: „Wir wollen aufzeigen, welche Vielfalt an Begegnungsmöglichkeiten es bereits in Esslingen gibt“, betont Gros. Über Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sollen insbesondere während der Aktionswoche mehr Menschen erreicht werden. Einsamkeit sei dabei keine Frage des Alters: „Es gibt zunehmend ‚Social Anxiety‘ bei Jugendlichen, viele einsame Mütter in der Elternzeit, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Ältere, deren Partner gestorben ist.“
Angebotsvielfalt aufzeigen
Zu den bestehenden Angeboten zählt etwa der inklusive Spieletreff, der am ersten und dritten Mittwoch im Monat von 14 bis 17 Uhr im Forum Esslingen - Zentrum für Bürgerengagement, Schelztorstraße 38, stattfindet. „Hier wird sogar angeboten, dass Menschen zu Hause abgeholt werden können“, erklärt Fazio. Der inklusive Spieletreff bietet eine gemütliche Atmosphäre mit Kaffee und Kuchen, Zeit zum Plaudern sowie zahlreiche Karten-, Brett- und Denksportspiele und lädt alle herzlich ein, vorbeizukommen, andere Menschen kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen.
Ebenfalls gut besucht ist der „Gesprächskreis Aktuelles Zeitgeschehen“, der donnerstags von 15 bis 17 Uhr im Mehrgenerationen- und Bürgerhaus Pliensauvorstadt, Weilstraße 8, stattfindet. Dort werden wöchentlich aktuelle politische und gesellschaftliche Themen diskutiert, aber auch persönliche Anliegen haben Platz. „Alle, die sich gerne austauschen möchten, sind herzlich eingeladen. Die Gruppe freut sich über neue Teilnehmende mit neuen Themen und Perspektiven“, sagt Gros.
Zu den etablierten Angeboten gehören zudem die stadtweiten Bewegungstreffs mit den „Fünf Esslingern“. Nach dem Sport entstehen häufig noch gemeinsame Spaziergänge. Montags bis donnerstags gibt es zahlreiche Angebote im gesamten Stadtgebiet, diese findet man auf esslingen.de/aktiv-sein. Beliebt sind auch die Angebote der Digitalmentorinnen und -mentoren, die bei Fragen rund um Smartphone und Computer unterstützen. Die Initiative „Bürger gehen online“ feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Sie arbeiten an fünf Standorten, die man hier findet: esslingen.de/buerger-gehen-online.
Neu: Schritte und Gespräche
Neu ist das Projekt „Schritte und Gespräche“, das während der Aktionswoche erstmals angeboten wird. Dabei werden Gespräche und gemeinsames Spazierengehen miteinander verbunden. Los geht’s am Samstag, 27. Juni, 14 Uhr, mit dem Spaziergang am Neckar entlang. Der Treffpunkt ist am Schelztorturm . Fazio: „Mit den Spaziergängen schaffen wir ein niedrigschwelliges Angebot, das Bewegung und Austausch verbindet – ganz ohne Anmeldung und mit der Möglichkeit, einfach ins Gespräch zu kommen.“ Geplant und durchgeführt wird das Angebot von Engagierten der neu gegründeten Engagiertengruppe. Wersich auch engagieren möchte, kommt gerne zum ersten Termin zum Kennenlernen.
Außerdem etabliert die Stadtbücherei mit „zuhören.draußen“ ein neues, niedrigschwelliges Angebot, bei dem Ehrenamtliche in einem offenen Begegnungsraum mitten in der Stadt einfach zuhören und für Gespräche zur Verfügung stehen. Bei Interesse an einer Mitwirkung als Zuhörerin oder Zuhörer, bitte bei der Stadtbücherei Esslingen, unter Telefon 0711 3512 2969, melden.
Solche niedrigeschwelligen Angebote sieht auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer als geeigneten Türöffner gegen die Einsamkeit. Er betont: „Einsamkeit betrifft viele Menschen in unserer Stadt, unabhängig von Alter oder Lebenssituation. Es ist wichtig, unsere bestehenden Angebote sichtbar zu machen und neue Zugänge zu schaffen. Die Aktionswoche leistet dazu einen wertvollen Beitrag.“
Büro des Oberbürgermeisters
