Call for Papers: Kolloquium am 22./23. Januar 2027

Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg veranstaltet in Kooperation mit dem Lehrgebiet Architekturgeschichte der Universität Siegen im Januar 2027 ein Kolloquium zur medialen Vermittlung von Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anlass und Idee zu dieser Veranstaltung gab die Arbeit der Hochwacht-Stipendiatin 2025, Lilian Kraft. 

Mediale Vermittlung von Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Kolloquium in Esslingen am Neckar am 22. und 23. Januar 2027

Architektur ist stets ein Spiegel gesellschaftlicher Leitbilder, Werte und Selbstverständnisse. Sie steht oft im Fokus öffentlicher Diskussionen und wird in unterschiedlichster Weise medial inszeniert. Ob in Ausstellungen, Publikationen oder anderen Formaten, in Text, Fotografie oder Film, die Darstellung spielt eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung und Bewertung von Architektur. Die Art und Weise, wie Architektur dargestellt wird, wird dementsprechend häufig strategisch eingesetzt und prägt maßgeblich das Verständnis dessen, was als modern, traditionell oder zeitlos gilt.

Zahlreiche Architekturströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden von den jeweiligen politischen Systemen – dem Deutschen Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem „Dritten Reich“, der BRD und der DDR – sowie deren normativen Organen beeinflusst und polarisierten die Architektenschaft. Im Rahmen der Veranstaltung soll untersucht werden, wie die mediale Vermittlung im deutschsprachigen Raum und in den Nachbarländern in dieser bewegten Zeit die Vorstellung und Bewertung von Architektursprachen, -stilen und -haltungen prägten und ob diese Zuschreibungen bis in die Gegenwart hinein fortwirken.

Neben den medialen Instrumenten richtet sich der Fokus auch auf die Institutionen, die diese einsetzten und die Architekturdiskurse maßgeblich prägten: Denkmal- und Baupflegeämter, Landschaftsverbände, Heimatvereine, Verlage und Redaktionen für Fachzeitschriften und Monografien mit Kunst, Architektur- und Städtebauthemen sowie Ausstellungshäuser und Galerien. Mögliche Perspektiven reichen von institutionellen Strategien und ideologischen Positionierungen bis hin zur Rolle von einzelnen Akteuren und Netzwerken.

Ziel des Kolloquiums ist es, die medialen Inszenierungen und zugrunde liegenden Mechanismen sichtbar zu machen und zu diskutieren, wie sie zur Herausbildung und langfristigen Verankerung architektonischer Leitbilder sowie der dadurch geprägten Architektursprachen beitrugen. Betrachtet werden soll explizit die gesamte Bandbreite der architektonischen Tendenzen, insbesondere gilt es, auch traditionalistische Ansätze in den Blick zu nehmen.

Beiträge aus allen Bereichen der Kunst- und Architekturgeschichte sowie aus interdisziplinären Forschungsfeldern des In- und Auslands sind herzlich zur Einreichung eingeladen.

Mögliche Themenfelder können sein:

  • Konzeption architekturbezogener Publikationen: Themensetzung, Zielgruppe, Autorenwahl
  • Mediale Aufbereitung architekturbezogener Publikationen: Text-Bild-Relationen, Auswahl und Inszenierung von Abbildungen, Typografie, Layout- und Buchgestaltung
  • Instrumente und Formen der Kanonisierung: Baufibeln, Handbücher, Lexika, Nationalbibliografien und deren Bedeutung für die Konstitution architekturhistorischer Narrative
  • Architekturausstellungen: Themensetzung, institutionelle Rahmenbedingungen, Kuration, Beteiligte und Ausstellungskataloge
  • Mediale Gegenüberstellungen und Konfliktlinien z. B. Heimatschutzarchitektur versus Neues Bauen in Text, Bild und Ausstellungspraxis
  • Architekturkritik: Rolle/Einfluss, Sprache, Argumentationsmuster und diskursive Strategien
  • Internationale Transfers: Einfluss ausländischer Publikationen, Zeitschriften und Ausstellungen auf Debatten im deutschsprachigen Raum
  • Netzwerke zwischen Architekten, Verlegern, Fotografen und behördlichen Institutionen

Anlass und Idee zu dieser Veranstaltung entstanden ausgehend vom Dissertationsprojekt „‚Heimatschutzarchitektur‘ – Rezeption einer traditionalistischen Architektursprache in den deutschen Ländern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ von Lilian Kraft im Rahmen des Hochwacht-Stipendiums 2025.

Das Kolloquium wird am 22. und 23. Januar 2027 in Esslingen am Neckar stattfinden. Weitere Informationen folgen. Interessent:innen werden gebeten, den geplanten Titel ihres Vortrags zusammen mit einem Abstract (max. 400 Wörter) bis zum 16. März 2026 an die untenstehende Adresse zu senden. Die Organisatorinnen behalten sich vor, unter den eingesandten Beiträgen eine Auswahl zu treffen. Es ist eine Veröffentlichung der vorgetragenen Referate in überarbeiteter Fassung in Form eines Tagungsbands in der Reihe „Arbeitshefte – Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart“ vorgesehen.

Kolloquium am 22./23.01.2027

Kontakt

Lilian Kraft, M.Sc.
lilian.kraft@unisiegen.de

Universität Siegen
Lehrgebiet Architekturgeschichte
Fakultät II, Department Architektur
Paul-Bonatz-Straße 911
57076 Siegen

Veranstalter:innen

  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
  • Lehrgebiet Architekturgeschichte der Universität Siegen
(Erstellt am 29. Januar 2026)